Neuer Sprecher des Bistums Lugano: «Transparenz ist für alle Institutionen unverzichtbar geworden»
Der Apostolische Administrator Alain de Raemy hat Andrea Arcidiacono zum neuen Pressesprecher des Bistums Lugano ernannt. Der aus Bellinzona stammende Ökonom, Journalist und Kommunikationsexperte war sogar als Bundesratssprecher tätig. Er nimmt am 1. Juni seine Tätigkeit in Lugano auf.
Cristina Vonzun, catt.ch
Andrea Arcidiacono ist vom Apostolischen Administrator Alain de Raemy und seinen Mitarbeitern zum Pressesprecher des Bistums Lugano ausgewählt worden, wie jüngst bekannt wurde. Er hatte sich gegen 80 Mitbewerbende durchgesetzt. Arcidiacono tritt die Nachfolge von Luca Montagner an, der das Amt im Oktober 2025 niedergelegt hat, um eine neue Leitungsfunktion in einer Bibliothek zu übernehmen. Arcidiacono wird am 1. Juni seine Tätigkeit mit einem 60-Prozent-Pensum aufnehmen.
Andrea Arcidiacono, warum haben Sie sich beworben, um sich in den Dienst der Diözese Lugano zu stellen?
Andrea Arcidiacono: Das ist das Ergebnis eines Weges. Nach meiner intensiven Tätigkeit im Bundesrat habe ich meine Arbeit in der Agentur wieder aufgenommen, suchte aber nach einer zusätzlichen Aufgabe. Die Ausschreibung hat mich sehr angesprochen, und ich war der Meinung, dass ich dank meiner gesammelten Erfahrungen der Diözese nützlich sein könnte.
«Es wird auch eine Gelegenheit sein, die Realität der Ortskirche besser kennenzulernen.»
Sie kommen aus dem Bundesrat und arbeiten nun in einem kirchlichen Umfeld. Da gibt es einen Unterschied…
Arcidiacono: Ja, es wird auch eine Gelegenheit sein, die Realität der Ortskirche besser kennenzulernen, wobei mir sicherlich der Apostolische Administrator Alain de Raemy und seine Mitarbeiter helfen werden. Die vorgesehenen Aufgaben haben mich angesprochen: von der täglichen Kommunikation mit den Medien über die digitale Kommunikation und die sozialen Medien bis hin zur Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für die Diözese, einschliesslich des Krisenmanagements.
«Ich habe meine volle Verfügbarkeit zugesagt.»
Wie werden Sie diese Arbeit mit der PR-Agentur, für die Sie verantwortlich sind, unter einen Hut bringen?
Arcidiacono: Das Engagement in der Kurie wird Vorrang haben, während die Agentur eine untergeordnete Rolle spielen wird. Ich weiss aus Erfahrung, dass aus 60 Prozent in intensiven Phasen auch 80 oder 100 Prozent werden können, aber ich habe meine volle Verfügbarkeit zugesagt. Ich habe daher meine Rückkehr von Bern nach Lugano geplant.
Beim Lesen Ihres Lebenslaufs fällt die Vielzahl Ihrer bisherigen Arbeitsstellen auf.
Arcidiacono: Ich war schon immer von Neugier und dem Wunsch getrieben, von interessanten Persönlichkeiten und Arbeitskontexten zu lernen. Jede Erfahrung hat es mir ermöglicht, neue Kompetenzen zu entwickeln und meinen Blick auf unterschiedliche Realitäten zu erweitern.
«Ich kann Erfahrung im Umgang mit der täglichen Kommunikation und in Krisensituationen bieten.»
Was glauben Sie, der Diözese Lugano bieten zu können?
Arcidiacono: Erfahrung im Umgang mit der täglichen Kommunikation und in Krisensituationen, in denen Prävention und Vorbereitung von entscheidender Bedeutung sind. Und auch ein Netzwerk an Kontakten im Tessin, in der Schweiz und in Italien. Ausserdem möchte ich eine integrierte Kommunikation zwischen traditionellen und digitalen Medien entwickeln, soweit es die verfügbaren Ressourcen zulassen.
Erklären Sie uns bitte, wie ein Pressesprecher das Image einer Institution, in diesem Fall der Diözese, pflegt.
Arcidiacono: Ein Pressesprecher arbeitet hinter den Kulissen, um sowohl innerhalb der Diözese als auch nach aussen Vertrauen aufzubauen und zu stärken. Es geht darum, offen, transparent und authentisch zu kommunizieren und in jeder Situation darlegen zu können, welche Aktivitäten stattfinden, welchen Weg die Diözese einschlägt und auch welche kritischen Punkte es zu bewältigen gilt und wie wir diese angehen.
Wie wichtig ist Transparenz in der Kommunikation einer Institution?
Arcidiacono: In den letzten 20 Jahren ist sie für alle Institutionen – kirchliche wie zivile – unverzichtbar geworden. Es ist wichtig, sich vorzubereiten und gut zu planen. Heutzutage ist es nicht mehr möglich, sich zu verstecken oder reaktiv-passiv zu kommunizieren.
«Auch bei schwierigen Themen ist Transparenz gefragt, unter Wahrung der Rechte der betroffenen Personen.»
Auch bei schwierigen Themen ist Transparenz gefragt, unter Wahrung der Rechte der betroffenen Personen. Es ist von grundlegender Bedeutung, die Öffentlichkeit zu begleiten und zu erklären, warum nicht alles sofort gesagt werden kann, etwa wenn gerade gerichtliche Ermittlungen laufen. Die begleitende Kommunikation macht den Unterschied, denn sie ermöglicht es zu erklären, warum man zu einem bestimmten Zeitpunkt auch abwarten muss. Denken wir an die Beschleunigung durch die digitalen Medien: Die Institution muss diesen Anforderungen gerecht werden. Wenn Fehler begangen werden, ist es wichtig, diese anzuerkennen und die ergriffenen Massnahmen zu kommunizieren: Die Öffentlichkeit und die Medien schätzen diesen transparenten Ansatz.
Ist Empathie in der institutionellen Kommunikation wichtig?
Arcidiacono: Es ist wichtig, die eigene Botschaft klar mittels Pressemitteilung zu vermitteln, aber ebenso wichtig ist es, sich in unsere Gesprächspartner hineinzuversetzen und die eigenen Gefühle einfühlsam auszudrücken, insbesondere in heiklen Situationen. Es sind glaubwürdige Personen, zum Beispiel der Bischof, die die Fähigkeit haben, diese Aufgabe über verschiedene Kommunikationskanäle wahrzunehmen, wie zum Beispiel Interviews mit Journalisten und direkte Begegnungen mit der Bevölkerung.
Welche Verbindung haben Sie zu Bellinzona, Ihrer Heimatstadt, und Ihrer Pfarrei?
Arcidiacono: Ich habe immer eine enge Beziehung zu Bellinzona gepflegt. Als Jugendlicher war die Stiftskirche mein Bezugspunkt, wo ich mit der Jugendgruppe aus Bellinzona und Locarno wunderschöne Momente voller Gemeinschaftsgeist erlebt habe. Einen Geist, den ich sicherlich wiederfinden werde, wenn ich für die Diözese arbeite.
«Ich spiele Akkordeon, auch in der Öffentlichkeit.»
Wie tanken Sie in Ihrer Freizeit neue Energie?
Arcidiacono: Ich gehe gerne in der Natur spazieren und jogge, ohne Uhr und Handy: Das fördert auch die Kreativität. Ich spiele Akkordeon, auch in der Öffentlichkeit. Das ist eine Tätigkeit, die den Geist befreit und die Begegnung mit anderen fördert.
«In Zeiten, die von Konflikten geprägt sind, stellt die Stimme des Papstes einen wichtigen Bezugspunkt für alle dar, Gläubige wie Nichtgläubige.»
Das Pontifikat von Leo feiert in diesen Tagen sein einjähriges Jubiläum. Welchen Eindruck macht Papst Prevost auf Sie?
Arcidiacono: Ich hebe die Friedensbotschaft hervor, den Willen, Brücken zu bauen, und den Verweis auf das Völkerrecht gegen die Anwendung von Gewalt. Auch wenn er eine andere Persönlichkeit hat, sehe ich eine Kontinuität zu Franziskus. In Zeiten, die von Konflikten geprägt sind, stellt die Stimme des Papstes einen wichtigen Bezugspunkt für alle dar, Gläubige wie Nichtgläubige. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)
Der neue Sprecher
Andrea Arcidiacono, Jahrgang 1966, geboren und aufgewachsen in Bellinzona, verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen institutionelle Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, heisst es in der Mitteilung des Bistums Lugano vom 8. Mai.
Er hatte verschiedene Funktionen in Bern inne: vom Korrespondenten im Bundeshaus für den «Corriere del Ticino» und die RSI bis hin zum Sprecher von Bundesrätin Ruth Dreifuss und Bundesrat Pascal Couchepin. Ausserdem war er Kommunikationsleiter der Tessiner Universität USI, des Bundesverwaltungsgerichts und des Schweizer Pavillons an der Expo 2015. Zwischen 2024 und 2025 war er Vizekanzler und Sprecher des Bundesrats. Anschliessend übernahm er wieder die Leitung seiner eigenen PR-Agentur. Um seine Tätigkeit als Pressesprecher der Diözese aufzunehmen, wird Andrea Arcidiacono von Bern nach Lugano umziehen. (catt.ch/rp)
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