International
Neue Spannungen in Nordirland: Appell von Kirchenspitzen
Der katholische Primas Martin und sein anglikanischer Amtskollege McDowell mahnen zu Weg des Friedens und betonen: «Es steht zu viel auf dem Spiel».
(KAP) Mit einem Friedensappell haben die Spitzen der katholischen und der anglikanischen Kirche der Irischen Insel auf die neuen Spannungen in Nordirland reagiert.
«Zu viel auf dem Spiel»
Der katholische Erzbischof Eamon Martin und sein anglikanischer Amtskollege John McDowell riefen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, nach einer friedlichen Lösung zu suchen und forderten mit Nachdruck die «Schaffung einer konstruktiven, inklusiven und versöhnenden Initiative», um geduldig einen Weg durch die aktuelle Krise zu finden. «Es steht zu viel auf dem Spiel», warnten die beiden Erzbischöfe. Auslöser der Krise ist erneut einer der traditionellen Märsche des protestantischen Oranierordens, die von pro-irischen Katholiken als Provokation verstanden werden.
Schmerzhafte Erinnerungen
In den gegenwärtigen Spannungen träfen aufrichtige Überzeugungen, schmerzhafte Erinnerungen und Fragen von grosser Bedeutung aufeinander, so Martin und McDowell. «Wir sind bereit, alles zu tun, was von uns verlangt wird, um die Schritte aller – im Namen und nach dem Beispiel Jesu – auf den Weg des Friedens und zum Aufbau einer besseren Zukunft für alle zu begleiten», versicherten die beiden Kirchenvertreter laut Vatican News.
Martin und McDowell riefen die Menschen dazu auf «gute Nachbarn füreinander» zu sein und Vertrauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Dabei betonen die Erzbischöfe auch die Bedeutung rechtsstaatlicher und demokratischer Verfahren. Die Achtung der Rechtsstaatlichkeit und die Suche nach friedlichen Lösungen seien für eine stabile demokratische Gesellschaft unverzichtbar, auch dann, wenn damit schwierige Entscheidungen und komplexe Herausforderungen verbunden seien.
Christliche Antwort: Aufeinander zugehen
Für Christen gehe die Verantwortung jedoch noch weiter. Entscheidend sei die Frage, was Frieden und Gemeinwohl fördere. Die christliche Antwort müsse darin bestehen, aufeinander zuzugehen und die Liebe zu Gott und zum Nächsten zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen.
Auslöser der aktuellen Spannungen ist einer der Festumzüge, mit denen der protestantisch-unionistischen Oranierorden jährlich in zahlreichen Städten Nordirlands an den historischen Sieg des protestantischen Königs Wilhelm von Oranien über die vereinten britischen und irischen Katholiken unter König Jakob II. im Jahr 1690 erinnert.
Dadurch wurde die protestantische Vorherrschaft in der Region begründet. Besonders umstritten ist die Drumcree-Parade in der Stadt Portadown, wo die Oranier darauf bestehen, ihren Umzug auch durch ein vorwiegend von pro-irischen Katholiken bewohntes Viertel zu führen.
Bereits 1990 schwere Auseinandersetzungen
Der Streit um die von katholischen Anwohnern als Provokation empfunden Route durch die Garvaghy Road hatte bereits in den 1990er-Jahren zu schweren Auseinandersetzungen geführt. Nach einem fast drei Jahrzehnte währenden Verbot genehmigte eine nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 eingerichtete Paradekommission am vergangenen Freitag den Umzug überraschend wieder. Mehrere Tausend Menschen blockierten daraufhin am Sonntag die Strasse. Sicherheitskräfte unterbanden die Parade, um Auseinandersetzungen zu verhindern.
Der britische Nordirland-Minister Chris Bryant führt inzwischen Krisengespräche mit Vertretern des Oranierordens und Anwohner-Vertretern aus Garvaghy Road. Laut Medienberichten vom Dienstag harrt ein Gruppe Oranier in einer Kirche in Portadown aus, um die Parade durchzuführen. Die irische Außenministerin Helen McEntee erklärte, es sei möglich, dass ein internationaler Vermittler ernannt werde, um im Streit um die Parade zu vermitteln.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




