Noel Treanor, Bischof von Down und Connor in Nordirland
International

Kirchen tragen zu Vermittlung in Nordirland bei

Belfast, 30.10.18 (kath.ch) Die grossen Kirchen in Nordirland versuchen aktiv zu einer Lösung der Probleme von Brexit und Regierungsbildung beizutragen. Kürzlich sei es ihnen gelungen, erstmals seit dem Zerbrechen der nordirischen Regierung vor gut 18 Monaten Vertreter der zerstrittenen Parteien überhaupt wieder in einem Raum zusammenzubringen, sagte Noel Treanor, Bischof von Down und Connor mit Sitz in Belfast, gegenüber der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Persönliche Kontakte und Gespräche seien unbedingt nötig, um politische Fortschritte zu erzielen, betonte der Bischof. Dieses Konzept wolle man in den kommenden Monaten auch in der Provinz fortsetzen: «Lokalpolitiker, Nichtregierungsorganisationen, Vertreter der Zivilgesellschaft zusammenzubringen, um einen Nährboden für weitere Verständigung zu schaffen».

Auswirkungen auf Gesellschaft

Treanor betonte, zu den grossen Unwägbarkeiten, die der Brexit ohnehin mit sich bringe, müsse man in Nordirland noch «die Unfähigkeit der politischen Parteien hinzurechnen, eine Regierung zu bilden». Die Entwicklung mache ihm Sorgen.

«Politische Stagnation plus Brexit, womöglich mit wirtschaftlicher Stagnation, das kann tiefe Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben», so der Bischof. Schon jetzt habe Nordirland eine der höchsten Raten an Kinderarmut.

Brexit als «Desaster»

Treanor ist auch Vizepräsident der EU-Bischofskommission Comece und neuer Präsident von Justitia et Pax Europa. Den Brexit bezeichnete er als ein Desaster.

Der Beitritt Grossbritanniens und Irlands zum Projekt der europäischen Einigung habe damals «überhaupt erst den Rahmen und den Treibstoff für die Überwindung der Konflikte geschaffen». Im Rahmen der EU habe «in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten Frieden, Versöhnung und politischer Fortschritt einziehen» können. (kna)

 

 

Noel Treanor, Bischof von Down und Connor in Nordirland | © IrishCatholicBishops/Flickr
30. Oktober 2018 | 17:35
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