Ist neuer Grosskanzler der Malteser: Riccardo Paterno di Montecupo
Vatikan

Neapolitaner wird Grosskanzler des Malteserordens

Der Souveräne Malteserorden hat eine neue Leitung. Beim ausserordentlichen Generalkapitel in Rom wählten die Mitglieder Riccardo Paternò di Montecupo zum Grosskanzler.

Der gebürtige Neapolitaner folgt auf den Deutschen Albrecht Freiherr von Boeselager, den Papst Franziskus September aus seinem Amt entlassen hatte. Die Wahl teilte der Orden am Freitag mit.

Papst-Aufruf zur Versöhnung

Genauso war der Papst damals mit den weiteren Mitgliedern der Malteser-Regierung, dem Souveränen Rat, verfahren. Er erliess eine neue Verfassung sowie ein neues Gesetzbuch für den Orden und ernannte eine Übergangsregierung. Zudem berief Franziskus das derzeit tagende Generalkapitel ein. Geleitet wird es vom Statthalter des Grossmeisters, John Dunlap, und einem Sonderbeauftragten, Kardinal Silvano Maria Tomasi. Im Vorfeld der Konferenz rief der Papst den Malteserorden zu Versöhnung und einem Neuanfang auf.

Vier Ordensritter in Hohe Ämter

Neben dem Grosskanzler, der eine Art Innen- und Aussenminister des Ordens ist, wählten die 111 Delegierten auch die weiteren Ratsmitglieder. Als Grosskomtur ist der Franzose Emmanuel Rousseau für die spirituellen und religiösen Angelegenheiten zuständig. Grosshospitalier und damit Minister für humanitäre Angelegenheiten und internationale Kooperation ist Alessandro de Franciscis, der zweite Neapolitaner im Rat. Zuständig für die Finanzverwaltung ist der Römer Fabrizio Colonna. In die sogenannten Hohen Ämter wurden die vier Ordensritter bis zum Jahr 2029 gewählt. Für die Wahl des neuen Grossmeisters ist das Generalkapitel nicht berechtigt. Die Zuständigkeit liegt beim Grossen Staatsrat.

In der Vergangenheit soll es Spannungen zwischen dem päpstlichen Bevollmächtigten, Kardinal Tomasi, und Teilen der Ordensleitung gegeben haben. Dem Vernehmen nach ging es dabei auch um die völkerrechtliche Unabhängigkeit und den kirchenrechtlichen Status des weltweit humanitär tätigen Ordens.

Dem Heiligen Stuhl unterstellt

Als katholischer Orden sind die Malteser dem Heiligen Stuhl unterstellt. Leitungsfiguren des Ordens müssen dem Papst über wichtige Angelegenheiten Rechenschaft ablegen. Zugleich ist der Souveräne Malteserorden politisch ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Dieser Status verschafft ihm einzigartige Zugänge auf politischer und diplomatischer Ebene und soll besondere Unabhängigkeit in Konflikten ermöglichen. So unterhalten die Malteser diplomatische Beziehungen mit mehr als 100 Staaten sowie mit der EU. Ausserdem haben sie Ständige Vertreter bei den Vereinten Nationen und etlichen weiteren internationalen Organisationen. (cic)


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27. Januar 2023 | 15:47
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