Monika Schmid und Erwin Koller mit dem Preis "Trompete von Jericho"
Schweiz

Österreichischer Reform-Preis geht an die «spirituelle Meisterin» Monika Schmid

Die langjährige Gemeindeleiterin von Effretikon ZH ist in Wien für ihren Einsatz gegen den Klerikalismus mit der «Trompete von Jericho» ausgezeichnet worden. Sie zeigt sich erfreut, erzählt aber auch über ihre Erschütterung, als ihr Bischof Bonnemain «liturgischen Missbrauch» vorwarf.

Regula Pfeifer

«Ich habe mich sehr gefreut, diese Auszeichnung zu erhalten», schreibt Monika Schmid auf Anfrage von kath.ch. «Es ist ein Zeichen dafür, dass wir grenzüberschreitend miteinander für eine glaubwürdige und menschenfreundliche Kirche einstehen.»

Gleichzeitig betont sie: «Es tat auch gut eine Aussenansicht zu erleben – denn die Zweifel an mir selbst sind gross. Hier habe ich gehört, wie ich gerade durch meine Unerschrockenheit geschätzt werde.»

Monika Schmid
Monika Schmid

Die Auszeichnung «Trompete von Jericho» hat Monika Schmid am Freitagabend in Wien erhalten. Und zwar von der österreichischen Laieninitiative «Kirchenreform.at». Diese ehrte die pensionierte Gemeindeleiterin der katholischen Kirche St. Martin in Effretikon ZH für ihr Reformengagement gegen den Klerikalismus. Der Anlass fand am Vorabend der «Kirchenvolkskonferenz» der Kirchenreformbewegungen Österreichs statt.

Österreichischer Charme

Es sei «eine wunderschöne, schlichte Feier im Herzen von Wien gewesen», schreibt Monika Schmid. Dort seien ihr viele herzliche Menschen begegnet, «als würden wir uns schon lange kennen». Sie habe «ein Stück Unbeschwertheit, österreichischen Charme und viel Humor» erlebt.

Am Anlass hielt Erwin Koller die Laudatio auf Monika Schmid, die kath.ch vorliegt. Der promovierte Schweizer Theologe sprach von einer Art «Familienfest», da es an 2012 erinnere. Damals erhielten Monika Schmid und Helmut Schüller von der österreichischen Pfarreiinitiative den Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche in Luzern. Koller war bis 2020 Präsident der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche.

Erwin Koller lobt ihre Gottesdienste

Erwin Koller, den Monika Schmid in ihrer Rede als Freund und guten Ratgeber bezeichnet, lobt die Preisträgerin für ihre Art, den Gottesdienst zu gestalten. «Deine Kraft war es, dass die 90 Minuten am Sonntagmorgen nie den Eindruck erweckten, da werde eine Pflicht absolviert, da würden obrigkeitlich verordnete Vorschriften erfüllt. Vielmehr war die Feier von Geist erfüllt, hatte einen spirituellen Atem, einen Rhythmus von Erleben und Einsicht, Erfahrung und Vertiefung, Freiheit und Verbindlichkeit – im Kopf und im Herzen.»

Monika Schmid während ihres Abschiedsgottesdienstes.
Monika Schmid während ihres Abschiedsgottesdienstes.

An die Preisverleihenden gerichtet, fügt Koller an: «Sie zeichnen heute eine spirituelle Meisterin aus, eine Frau mit hoher liturgischer Begabung und einer tief priesterlichen Sorge um die Menschen». Monika Schmid habe immer «auf die Mitte der Liturgie und auf das Geheimnis des Glaubens hinführen wollen.

Vorschriften «stets respektiert»

Dabei stellt Koller klar: «Monika Schmid stand es fern, je Amtspriesterin sein zu wollen. Sie war in Dingen, die dem Amtspriester vorgehalten sind, nie übergriffig und hat das Unmögliche dieser Vorschriften im liturgischen Vollzug stets respektiert.»

Das gelte auch für den Abschiedsgottesdienst, den Monika Schmid am 22. August 2022 mit dem Pfarreiteam gestaltet hat, ist Erwin Koller überzeugt. «Ihre Schuld bestand darin, dass sie (…) das Hochgebet mitgesprochen hat, getreu einer Maxime der mittelalterlichen Theologie: ‹Tota communio concelebrat – die ganze Gemeinde konzelebriert›».

Mit Berufsverbot belegt

Dafür sei sie – nach einer rechtlichen Voruntersuchung durch den Bischof – mit einem faktischen Berufsverbot belegt worden. Im Unterschied zu anderen, viel schlimmeren Missbräuchen in der Kirche handelt es sich laut Koller hier um einen «theologisch geringfügige liturgischen Ermessensentscheid».

Seiner Gratulation für den erhaltenen Preis fügt der Schweizer Theologe an: «Mag die heutige Preisverleihung vielen Mut machen, sich ebenso wie du für eine angstfreie Kirche stark zu machen.»

Missbrauch verheerender Art

Der Vorwurf «liturgischer Missbrauch» habe sie aufgewühlt, gibt Monika Schmid in ihren Dankesworten zu. Sie habe geweint und sich gefragt: «Wie kann ein Bischof, im Angesicht des wirklichen, weltweiten sexuellen Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen, des vielfältigen verheerenden spirituellen Missbrauchs in unserer Kirche, hier von Missbrauch sprechen?» In dieser Zeit sei «vieles in ihr zerbrochen», sagt sie.

Bischof Joseph Maria Bonnemain
Bischof Joseph Maria Bonnemain

«Mir versagte der Bischof, weitere Dienste in der Kirche zu übernehmen», so Schmid. Trotz Personalmangel werde sie nicht um aushelfende Mitarbeit angefragt.

Immerhin: Der Einsatz von Menschen für eine glaubwürdige Kirche – wie jene an dieser Feier – «lassen meine Hoffnung nicht ganz sterben», versichert Monika Schmid laut Redemanuskript.

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Monika Schmid und Erwin Koller mit dem Preis «Trompete von Jericho» | © zVg
10. November 2024 | 17:00
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