Papst Franziskus und Mitglieder des Kardinalsrats | © KNA
Vatikan
Papst Franziskus und Mitglieder des Kardinalsrats | © KNA

Missbrauch, Islam, Kurienreform – der Vatikan bleibt unter Dampf

Rom, 12.12.18 (kath.ch) An Bewegung wird es Papst Franziskus 2019 nicht mangeln. Gleich in den drei ersten Monaten stehen Reisen nach Zentralamerika, Arabien und Nordafrika an. Aber auch im Vatikan braucht der dann 82-Jährige keine Langeweile zu fürchten. Der Missbrauchsskandal und eine Debatte über kirchliche Ämter warten auf der Agenda. Mit Kontroversen ist zu rechnen.

Burkhard Jürgens

Einen positiven Jahresauftakt verspricht der Weltjugendtag in Panama im Januar. Naturgemäss sind es dem Papst wohlgesonnene junge Leute, die bei solchen Grosstreffen ihr Katholischsein feiern. Die Regierung Panamas will das Land als Urlaubsparadies und Wirtschaftsmotor präsentieren, und in der örtlichen Kirche traten bislang keine Skandale zutage.

Sensibles Umfeld Arabien und Missbrauch

Wenige Tage später bricht Franziskus nach Abu Dhabi auf, um auf Einladung von Kronprinz Muhammad bin Zayid an einer interreligiösen Begegnung teilzunehmen. Mit Blick auf Saudi-Arabien und die religionspolitische Situation in der Region eine sensible Veranstaltung; dabei stand bei der Bekanntgabe noch nicht einmal das Konferenzprogramm fest. Immerhin handelt es sich um die erste Reise eines Papstes nach Arabien. – Das Prädikat «historisch» ist ihr sicher.

Der Vatikan spielt mit hohem Einsatz.

Für Ende Februar hat Franziskus die Spitzen der Bischofskonferenzen weltweit zu Beratungen über Missbrauch und Prävention nach Rom bestellt. Wenn das viertägige Treffen nicht zum PR-Debakel werden soll, muss es einen inhaltlichen Sprung nach vorn bringen. Der Vatikan spielt mit hohem Einsatz: Jene Bischöfe, die wenigstens die Tragweite des Problems erkannt haben, sind global noch immer in der Minderheit.

Einkehrtage der Kurie zu Beginn der Fastenzeit im März, feierliche Zeremonien zu den Kar- und Ostertagen im April: auch dies bestimmt das Programm des Papstes. Zwischendrin unternimmt er Ende März einen zweitägigen Besuch in Marokko. Neben dem Dialog mit dem Islam dürfte es dort auch um Migration gehen.

Leitungsreform steht vor dem Abschluss

Irgendwann im Frühling sollte die vatikanische Leitungsreform formell zu einem Ende kommen. Die neue Kurienordnung, die das alte Reglement nach drei Jahrzehnten ablöst, wird über den Winter ihren Feinschliff erhalten haben. Der Rat der Kardinäle, der diesen Prozess seit 2013 begleitete, bleibt dennoch bestehen, wenngleich wohl ein paar Köpfe ausgetauscht werden.

Finanzverwaltung und Transparenz bleiben Baustellen.

Ob auch das Wirtschaftssekretariat personell erneuert wird, steht dahin. Sein Leiter, Kardinal George Pell, ist seit Juni 2017 wegen eines Missbrauchsprozesses in Australien beurlaubt, der Generalsekretär Alfred Xuereb wurde im Februar 2018 abberufen. Für ein Schlüsselressort ist das ein untragbarer Zustand. Zudem ist der Posten des Wirtschaftsprüfers vakant. Finanzverwaltung und Transparenz bleiben Baustellen für Franziskus.

Eher Japan als Nordkorea

Der September ist ein bevorzugter Monat für Papstreisen; auch Anfang November weist der vatikanische Terminkalender eine Lücke auf. Gemutmasst wird über Besuche in Mosambik und Madagaskar. Franziskus selbst sprach schon von Japan als möglichem Ziel. Dass er hingegen die Einladung von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un annehmen könnte, scheint doch zu abenteuerlich.

In Südamerika stehen seelsorgerliche Fragen an.

Eine für Oktober einberufene Amazonassynode verspricht politischer zu werden als gedacht: Unter anderem wird es um Ökologie und Indigenen-Rechte gehen. Themen, für die der neue Präsident des grössten Amazonas-Staats, Jair Messias Bolsonaro in Brasilien, wenig Sinn hat.  Vor allem aber stehen seelsorgliche Herausforderungen an: Die Bischöfe wollen über neue Ämter für Frauen und verheiratete Männer sprechen.

Zehn Papstwähler scheiden aus

Zehn Kardinäle werden kommendes Jahr 80 und scheiden somit aus dem Kreis der Papstwähler aus. Die Zahl der Konklaveberechtigten sinkt allein altersbedingt auf 114, vorbehaltlich eines weiteren Schwunds durch Tod oder Entzug der Kardinalswürde. Grund genug für den Papst, sich über Nachnominierungen Gedanken zu machen.

Wenn das Wahlgremium der Kardinäle zum Jahresende wieder die Sollstärke von 120 hätte, wären 62 von ihnen von Franziskus ernannt. Das sieht nach Konsolidierung der Macht aus. Aber das Jahr, das bewegt beginnt, kann noch stürmisch werden. (kna)

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum