Schweiz

«Ministranten leisten in der Kirche einen wertvollen Dienst»

Luzern/Rom, 29.7.18 (kath.ch) Vom 28. Juli bis zum 4. August treffen sich in Rom 65’000 Ministrantinnen und Ministranten zur internationalen «Mini»-Wallfahrt*. Der Pallotinerpater Andy Givel (44), der sich in der Arbeitsgruppe für Ministrantenpastoral engagiert, begleitet 300 Ministranten aus der Schweiz. Es sieht das Treffen als ein Dankeschön für deren Engagement.

Vera Rüttimann

Andy Givel, Sie engagieren sich seit 2011 im Vorstand der Deutschschweizerischen Arbeitsgruppe für Ministrantinnen- und Ministrantenpastoral (Damp), die auch die Reise der Schweizer Teilnehmenden nach Rom organisiert. Wie kam es dazu?

Andy Givel: 2010 begleitete ich als Gruppenleiter Jugendliche aus meiner Seelsorgeeinheit an das internationale Ministrantentreffen nach Rom. Ein Jahr später hat man mich angefragt, ob ich mich im Vorstand der Damp engagieren würde. Mir hat die Arbeit bei der Arbeitsgruppe, die seit 1984 im Auftrag der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK) tätig ist und die Arbeit von Ministranten in den Pfarreien der Deutschschweiz fördert, von Beginn an zugesagt.

Welchen Aufgaben gehen Sie bei der Damp nach?

Givel: In den vergangenen Monaten war ich mit der Akquirierung von Spendengeldern beschäftigt. Ein solcher Grossevent ist kostenintensiv und wir wollen den Teilnehmenden ein attraktives Programm anbieten. Ausserdem erarbeitet die Damp Hilfsmittel für die «Mini»-Pastoral, zum Beispiel das «Minipower» und die «MiniBoX».

«Wir wollen die Ministrantenpastoral weiter ausbauen und stärken.»

Ein grosses Anliegen ist mir und dem ganzen Vorstand auch, mit den regionalen Jugendstellen Synergien zu schaffen, um die Ministrantenpastoral weiter auszubauen und zu stärken.

Welcher Gedanke steht hinter diesem Treffen?

Givel: Ich verstehe es als ein Dankeschön an die Ministrantinnen und Ministranten. Sie üben seit vielen Jahren in ihren Pfarreien diesen Dienst aus und das Seelsorgepersonal kann sich auf sie verlassen. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines Gottesdienstes.

Generell beobachte ich seit einiger Zeit bei Verantwortlichen der kirchlichen Jugendarbeit, dass sich die Einstellung zur Ministrantenarbeit zum Positiven verändert. Es wird wirklich verstärkt wahrgenommen, was Ministranten leisten.

Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich besonders?

Givel: Auf die Papst-Audienz am 31 Juli. Die Begegnung der 65’000 Ministranten mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz wird sicher ganz speziell sein. Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn ich die Nervosität der Jugendlichen spüre, bevor der Papst erstmals in Erscheinung tritt.

«All dies sind tolle Gemeinschaftserlebnisse.»

Gross wird der Jubel sein, wenn er sie in ihren Landessprachen begrüsst und die Jugendlichen ihn in seinem Papamobil ganz nahe erleben können. A propos Vatikan: Neben Ausflügen ans Meer oder ins «Forum Romanum» steht auch der Besuch der päpstlichen Schweizergarde auf dem Programm. All dies sind tolle Gemeinschaftserlebnisse.

Das Motto des Treffens heisst «Suche Frieden und jage ihm nach». Was hat es damit auf sich?

Givel: Dieses Motto wird uns während des ganzen Treffens begleiten. Sei es am Eröffnungsgottesdienst und an den morgendlichen Impulsen, die die ganzen Tage hindurch in einer Kirche in Rom stattfinden. Sei es in unseren Gesprächen in den Hotels und natürlich bei der Begegnung mit dem Papst auf dem Petersplatz.

Der Damp ist wichtig zu vermitteln: Es geht auch um eine Wallfahrt, nicht einfach nur um einen Trip nach Rom. Die «Minis» sollen auch wissen, dass der Papst ihnen etwas mitgeben möchte. Er wird ihnen wohl sagen, dass sie nicht nur in der Kirche, sondern auch untereinander zu diesem Frieden beitragen können.

Wie gross ist die Vorfreude bei den «Minis» auf dieses Treffen?

Givel: Allein in der Deutschschweiz gibt es nahezu 24›000 Ministrantinnen und Ministranten. Es ist eine lebendige Szene. Diejenigen, die nun jetzt nach Rom reisen, freuen sich alle riesig auf dieses Treffen, wie ich in den letzten Wochen herausgespürt habe.

«Sie werden Erlebnisse haben, die bleiben.»

Ich bin mir sicher: Sie werden Erlebnisse haben, die bleiben. Aus eigener Erfahrung weiss ich: Dort können auch Freundschaften fürs Leben entstehen.

Noch eine Sache möchte ich in diesem Zusammenhang unbedingt hinzufügen: Zu diesem Ministranten-Treffen begleiten uns 26 Hilfsleiterinnen und Hilfsleiter, die bereit sind, in Rom Kleingruppen von Ministranten zu begleiten. Sie machen das freiwillig und auch sie sind voller Erwartungen. Das finde ich grossartig.

Was erhoffen Sie sich von diesem Treffen in Rom?

Givel: Wir leben in einer Gesellschaft, in der immer alles unter dem Strich etwas «bringen» muss. Ich kann nur sagen: Über 60›000 Ministranten werden Rom bevölkern. Man wird sie an ihren bunten Tüchern erkennen, die sie auf ihren Köpfen oder am Hals tragen. Das wird für ein grosses Gemeinschaftsgefühl sorgen. Schon das allein ist für die Jugendlichen bereichernd, ein Gewinn.

«Es gibt einen grossen Teil von jungen Menschen, die diese Kirche ausmachen.»

Für junge Leute ist es zudem ganz wichtig zu sehen: Hey, es gibt so viele, die dasselbe machen wie ich: Ministrieren! Und: Die Kirche ist nicht einfach nur 65 plus, sondern es gibt einen grossen Teil von jungen Menschen, die diese Kirche ebenfalls ausmachen.

*Alle vier Jahre lädt der CIM (Coetus Internationalis Ministrantium) – ein Zusammenschluss diözesaner Beauftragter für die Ministrantenarbeit in der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Deutschland – Ministrantinnen und Ministranten aus ganz Europa zu einer internationalen Wallfahrt ein. 


Ministrantentreffen 2015 in Rom | © Andy Givel
29. Juli 2018 | 07:09
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