Der Kaninchensatz bewegt die Welt. BILD-Zeitung vom 21.1.15  | © 2015 Werner De Schepper
Vatikan
Der Kaninchensatz bewegt die Welt. BILD-Zeitung vom 21.1.15 | © 2015 Werner De Schepper

Mehr Twitter und App: Der Vatikan will seine Medienarbeit umbauen

Rom, 9.2.15 (kath.ch) Eigentlich könnte man sich fragen, warum die Medienlandschaft im Vatikan überhaupt reformiert werden soll. Denn: Was könnte für Journalisten und PR-Leute in päpstlichem Sold ein größerer Erfolg sein, als das: Ein Papst, der als Medienstar auch in kirchenfernen Medien gefeiert wird, wie allenfalls sein Vorgänger Johannes Paul II. in den ersten Jahren seiner Amtszeit.

Thomas Jansen

Doch dieser Erfolg verdankt sich ganz offensichtlich vor allem dem spontanen Auftreten des Papstes selbst, und nicht einer professionellen Medienstrategie des Vatikan. Daher wird der Kardinalsrat für die Kurienreform, der derzeit im Vatikan tagt, sich in den nächsten Sitzungen auch mit dem Umbau der vatikanischen Medienlandschaft beschäftigen. Hier liegt Einiges im Argen, wie schon ein Blick auf die vatikanische Internetseite vatican.va lehrt. Sie ist mehr Labyrinth als Service. Insgesamt fehle die Koordination, bemängeln Beobachter schon seit längerem, obwohl in den einzelnen Medien und Einrichtungen oft sehr gute Arbeit geleistet werde.

Papst erreicht auf Twitter 20 Millionen

Die grobe Richtung hatte Kurienkardinal George Pell bereits im vergangenen Sommer skizziert, als er die Einrichtung einer Kommission für die Reform der Medienlandschaft bekanntgab: Die digitalen Kanäle des Vatikan müssten gestärkt werden. Es gelte, vor allem mehr junge Katholiken anzusprechen, so der Australier. Die 10 Prozent aller Katholiken weltweit, die vatikanische Medien derzeit erreichten, seien zu wenig. Als gelungene Beispiele der jüngsten Zeit führte Pell die «Pope App» und den Twitter-Kanal von Papst Franziskus an, dem mittlerweile auf die Marke von 20 Millionen Nutzern zusteuert.

Konkrete Vorschläge erarbeitet derzeit die vom Papst im Sommer eingesetzte Kommission. Geleitet wird das elf Mitglieder zählende Gremium vom Kanzler der Universität Oxford und früheren BBC-Aufsichtsratsvorsitzenden Christopher Patten. Der Kommission gehören Medienfachleute, Journalisten und vatikanische Vertreter sowie ein Unternehmensberater von McKinsey an. Unter ihnen ist auch Daniela Frank, die Leiterin des Catholic Media Council CAMECO, einer in Aachen ansässigen Einrichtung, die kirchliche Medien in Entwicklungsländern fördert.

Im Dezember führte die Kommission eine Befragung unter den beim Vatikan akkreditierten Journalisten durch. Darin bat sie unter anderem darum, um Vorschläge für Veränderungen zu machen. Auch die betroffenen Medien selbst wurden von der Kommission um ihre Meinung gebeten.

Radio Vatikan fürchtet Entlassungen

Die vatikanische Medienlandschaft ist vielfältig: Da ist der Sender «Radio Vatikan». Mit mehr als 350 Mitarbeitern aus mehr als 60 Ländern, die in 37 Sprachen senden, ist er das mit Abstand größte und kostspieligste vatikanische Medium. Die zuletzt jährlich 27 Millionen Euro, die der Vatikan für den Sender ausgibt, sind zwar gemessen am Haushalt öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in Deutschland Peanuts. Doch für den Haushalt des Vatikanstaats ist das ein erheblicher Brocken.

Außerdem gibt es die vatikanische Zeitung «Osservatore Romano» und das vatikanische Fernsehzentrum CTV. Für die Betreuung der Journalisten sind das vatikanische Presseamt und der päpstliche Medienrat zuständig.

Damit nicht genug: Hinzukommt noch das Internetportal news.va, das die Nachrichten, die Radio Vatikan und Osservatore Romano auf ihren jeweiligen Internetseiten veröffentlichten sowie die täglichen Mitteilungen des Presseamtes bündelt. Die Kongregation für die Evangelisierung der Völker schließlich unterhält noch den Informationsdienst «Fides», der Nachrichten aus Afrika, Asien und Lateinamerika verbreitet. Die einzelnen vatikanischen Einrichtungen unterhalten schließlich noch mehr als zwei Dutzend eigene Internetauftritte.

Viele der mehr als 350 Mitarbeiter bei «Radio Vatikan» befürchten unterdessen Entlassungen. Patten hatte allerdings die Behauptung zurückgewiesen, dass es in erster Linie ums Sparen gehe: «Uns treiben die moralischen Überlegungen an, wie wir besser kommunizieren können», sagte er «Radio Vatikan» in einem Interview. Wenn man hierbei seine Mittel gut nutze, sei das «wunderbar». Bis Ostern will die Kommission ihre Arbeit nach seinen Angaben abgeschlossen haben. (cic)

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