Maria spüren, Gemeinschaft erfahren: Auf Velo-Wallfahrt nach Einsiedeln
31 Pilger und Pilgerinnen brechen am Samstagmorgen mit ihren Velos in Luzern auf. Das Ziel: Einsiedeln. Auf der 75 km-langen Strecke erfährt man die Muttergottes in allen Facetten: Von lieblich-sanft bis hin zur «mater dolorosa». Ein Erfahrungsbericht.
Annalena Müller
Am ersten Sonntag im Mai findet die Luzerner Landeswallfahrt nach Einsiedeln (SZ) statt. Auch dieses Jahr machen sich sportlich ambitionierte Pilger und Pilgerinnen wieder am Vortag zu Fuss und zu Rad auf den Weg. Ich war dieses Jahr für kath.ch bei der Velo-Wallfahrt dabei. Und habe dabei festgestellt: Unterwegs erfährt man Maria – von der lieblichen Madonna bis hin zur «mater dolorosa».
Aufbruch
Bern: Samstagmorgen, 4 Uhr 45. Ich hadere. Warum nur habe ich der kath.ch-Redaktion von meinem Triathlon-Faible erzählt? Hätte ich meinen Mund gehalten, könnte ich jetzt weiterschlafen. Stattdessen: Rennrad in den Zug packen – Ziel: Luzern.
Luzern: 7 Uhr 45. Ein Tee und zwei Kaffees später ist die Stimmung besser. Ich bin wach und bereit. Am Nationalquai treffe ich auf die Pilgergruppe. Ziel der Velo-Wallfahrt: Einsiedeln. Die Luzerner Landeskirche organisiert diese Wallfahrt bereits zum 9. Mal. Heute sind 31 Männer und Frauen erschienen. So viele wie noch nie.
Erste Etappe: die «liebliche Madonna»
Auf der Strecke bis Vitznau (LU) erfahren wir die liebliche Seite der Mutter Jesu. Die Gruppe radelt entspannt am Vierwaldstättersee entlang. Viele der Velos sind mit «Motörli» ausgestattet. Dies erlaubt es auch älteren Pilgern an der Wallfahrt teilzunehmen. Um 10 Uhr 30 gibt es in Vitznau eine erste Rast mit Kaffee, Gipfeli und Zeit für Gespräche.
Das Alter der Teilnehmenden reicht von 30 bis 81 Jahre. Der älteste ist Paul Hermann (81) aus Emmenbrücke (LU). Er ist seit dem Anfang dabei. Bis vor ein paar Jahren ist er die ganze Tour gefahren – inklusive Passfahrt zur Ibergeregg. Das mutet er sich heute nicht mehr zu. Aber das Gemeinschaftsgefühl und auch die Wallfahrt als solches motivieren ihn. Deshalb begleitet er die Gruppe auf dem ersten Teilstück bis Brunnen (SZ).
Motto: «Mit dir und mir unterwegs und daheim»
Toni Kaufmann (74) ist der älteste Pilger, der die gesamte Wallfahrt absolviert. Der frühere Kirchengemeindepräsident von Sursee (LU) mag die Kombination von religiöser Erfahrung und sportlicher Herausforderung. Auf die Frage, worauf er sich besonders freue, sagt er: «das gemeinsame Essen am Abend und die Messe morgen Früh!»
Am anderen Ende der Altersskala steht Sarah (30) aus Kriens (LU). Sie ist mit ihren Eltern, Markus (61) und Gabi (58), dabei – ohne «Motörli».
Sarah geht im Winter Skitouren und ist auch schon mit dem Fahrrad über den einen oder anderen Alpenpass gefahren. Sie findet die Tour daher «sehr entspannend».
Zweite Etappe: die «mater dolorosa»
Kurz hinter Vitznau (LU) endet die Entspannung. Die «mater dolorosa» kündigt sich an. Zuerst in Form von Regen. Dann, ab Brunnen (SZ), in Form von Steigung. 200 Höhenmeter bis Schwyz. Dort ein Schild, das Schmerzen verheisst: auf 9.7 km steigt die Strasse 840 m. Augen zu und in die Pedale treten.
Bis zur Passhöhe Ibergeregg durchlebe ich alle Gefühle.
In Fetzen.
Für mehr reicht die Energie nicht.
Begeisterung – die Natur.
Hadern – mit Gott und der Welt.
Euphorie – als die Hälfte geschafft ist.
Schuld – für den nicht sehr christlichen Neid auf die Pilgernden mit «Motörli».
Stolz – nicht von ihnen überholt worden zu sein.
Glück – als die Passhöhe erreicht ist.
Einsiedeln in Sicht
Nach einer wohlverdienten Rast auf dem Berg, vergehen die letzten 20 km der Velo-Wallfahrt wie im Flug. Als erstes kommen die hohen Barocktürme der mächtigen Klosteranlage von Einsiedeln in den Blick.
Barock – im besten Sinne – ist auch die Luzerner Velo-Wallfahrt. Sie enthält alles, was Pilgerreisen im Kern ausmachen. Der Weg ist dabei fast so wichtig wie das Ziel. Und der Weg soll durchaus beschwerlich sein. Was früher die Gefahren durch Wegelagerer und schlechte Strassen automatisch mit sich brachten, das muss man heute suchen. Zum Beispiel auf der Ibergeregg.
Barock ist die Luzerner Wallfahrt auch wegen ihrer Dynamik. Sie ist eine Erfahrung. In der Gemeinschaft zur Schwarzen Madonna in Einsiedeln zu pilgern – und auf dem Weg dahin alle Facetten der Gottesmutter zu erleben.
Das haben die Organisatoren der Velo-Wallfahrt, Dominik Thali und Thomas Villinger, perfektioniert. Und der nächste Termin steht schon fest: Am 4 . Mai 2024 geht es wieder von Luzern via Ibergeregg nach Einsiedeln.
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