Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg | © KNA
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Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg | © KNA

Luxemburgs Erzbischof: «Wir haben einen Kulturkampf vermieden»

Luxemburg, 26.1.2015 (kath.ch) In Luxemburg haben die Religionsgemeinschaften und der Staat Grundsatzvereinbarungen unterzeichnet und so einen Schritt in Richtung der Trennung von Staat und Kirche gemacht. Dies sei eine Chance, sagt der katholische Erzbischof von Luxemburg, Jean-Claude Hollerich (56), im Interview. «Wir sind jetzt als Kirche gezwungen, uns neu aufzustellen und zu zeigen, wie wir als deutlich ärmere Kirche auch in dieser Gesellschaft das Evangelium verkünden können.»

Ludwig Ring-Eifel

Was bedeuten die heute unterzeichneten Konventionen zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften in Luxemburg?

Hollerich: Der Kern ist, dass Staat und Kirchen getrennt werden und dass die staatliche Bezahlung der Geistlichkeit ein Auslaufmodell ist. Das heisst: Alle, die bis jetzt vom Staat bezahlt wurden, werden das auch bleiben, aber künftige Mitarbeiter stellt die Kirche privat und auf eigene Rechnung ein. Ich bin aber froh, dass alle, die bislang so bezahlt wurden, nun abgesichert sind. Andernfalls hätte ich viele in die Arbeitslosigkeit entlassen müssen. Und es wird auch künftig einen gewissen staatlichen Zuschuss auf die Gehälter in der Seelsorge geben – auch wenn der deutlich geringer ausfällt als bisher.

Die massivste Veränderung ist aber doch wohl im Bildungsbereich. Der Religionsunterricht an staatlichen Schulen wird abgeschafft; stattdessen kommt ein allgemeiner Werteunterricht.

Hollerich: Ich bedauere das sehr. Nach meiner Auffassung haben die Eltern ein Recht zu bestimmen, nach welchen Werten ihre Kinder in der Schule erzogen werden. Dieses Recht wird ihnen jetzt vom Staat genommen. Das ist eine verpasste Chance. Aber immerhin haben die Religionsgemeinschaften künftig auch ein Wort mitzureden bei der inhaltlichen Gestaltung des Werteunterrichts.

Aber insgesamt können Sie mit dem neuen Abkommen leben?

Hollerich: Es wurde ein Weg gefunden, der für alle Beteiligten gangbar ist. Wir haben einen Kulturkampf vermieden, weil sich alle aufeinander zu bewegt haben. Das freut mich sehr, denn solche Kämpfe schaden immer allen Beteiligten. Vor allem freue ich mich, dass die Religionen in Luxemburg weiter in der Verfassung erwähnt werden. Und die neuen Regelungen enthalten für uns auch eine Chance. Wir sind jetzt als Kirche gezwungen, uns neu aufzustellen und zu zeigen, wie wir als deutlich ärmere Kirche auch in dieser Gesellschaft das Evangelium verkünden können. Um dafür einen gemeinsamen Weg zu finden, werde ich eine Bistumssynode einberufen, denn diese Frage geht alle Mitglieder der Kirche an.

Unter den Gemeinschaften, die heute eine Konvention unterschrieben haben, ist erstmals auch die muslimische. Was bedeutet das für Sie?

Hollerich: Ich will jetzt nicht in eine Debatte einsteigen, ob der Islam zu Luxemburg gehört. Ganz sicher gehören die Muslime zu Luxemburg, und sie haben dieselben Rechte wie die Katholiken. Ich beanspruche für die katholische Kirche hier im Land keine Rechte, die ich nicht auch für die anderen Religionen beanspruchen würde.

Ist das, was in Luxemburg geschieht, möglicherweise auch ein Vorbild für die katholische Kirche in anderen Ländern?

Hollerich: Das überlasse ich meinen Mitbrüdern, was sie davon übernehmen wollen und was nicht. Aber Tatsache ist, dass wir uns damit stärker dem französischen Modell des Laizismus angenähert haben. Das liegt aber auch daran, dass unsere Politiker sehr stark von Frankreich beeinflusst sind. (kna)

 

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