Kardinal Kurt Koch | © Vera Rüttimann
Schweiz
Kardinal Kurt Koch | © Vera Rüttimann

Koch sieht gemeinsame Eucharistiefeier als Ziel der Ökumene

Zürich, 30.8.17 (kath.ch) Kardinal Kurt Koch, höchster Schweizer Katholik, und Gottfried Locher, als Präsident des Evangelischen Kirchenbundes der höchste Schweizer Protestant, wünschen sich beide eine Überwindung der Kirchenspaltung. Im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (30. August) sagen die beiden Kirchenvertreter, was die Konfessionen trennt und wo sie gemeinsame Aufgaben sehen.

«Die gemeinsame Feier der Eucharistie muss das Ziel unserer ökumenischen Bemühungen sein», antwortet Kardinal Kurt Koch gegen Ende des langen Doppelinterviews, auf die Frage, ob das Reformationsjahr bisher nichts bewirkt habe. Die katholische Kirche in der Schweiz könne ohne Einbezug der Weltkirche keine Lösung in der Abendmahlsgemeinschaft finden.

Für Katholiken sei eine Einheit schwer vorstellbar, «in der das Papstamt als Dienst an der Einheit keine Bedeutung hätte», so Koch. Die Feier der Eucharistie – gemäss Koch lebt die katholische Kirche wesentlich aus der Feier der Eucharistie – werde in Einheit mit dem Ortsbischof und dem Papst gefeiert. «Es ist deshalb problematisch, an der Eucharistie teilzunehmen und das Bischofsamt und Papstamt abzulehnen.» Koch sieht aber die gemeinsame Feier der Eucharistie dennoch als Ziel der Ökumene.

Umarmung von Locher und Felix Gmür

Nach Einschätzung Lochers wäre eine ökumenische Anerkennung des Papstes als Bischof von Rom dann möglich, «wenn der Papst geistlich spricht» und sich damit nicht als Machthaber, sondern als Seelsorger zeige. «Das ist mein Verständnis des Bischofsamtes.»

Für Locher hat das Reformationsjahr bisher sehr wohl etwas gebracht. Er erwähnt im Interview den ökumenischen Gottesdienst vom vergangenen April in Zug. Hier hatten der Basler Bischof Felix Gmür und Locher sich für das begangene Unrecht entschuldigt und einander daraufhin umarmt. «Ich bin ja ein eher nüchterner Protestant, aber das hat mich doch berührt», so Locher.

Locher hält es denn auch für «theologisch nicht haltbar, dass wir Getauften auf immer getrennt bleiben.» Katholiken und Reformierte seien schliesslich auf denselben einen Gott getauft. Man müsse zwar deswegen nicht fusionieren, «aber wenn die Ressourcen kleiner werden, wächst der Druck für mehr Einheit.»

Gemeinsam den Glauben bezeugen

Auch Koch sieht durchaus gemeinsame Aufgaben für die beiden Kirchen: «In der heutigen säkularisierten Gesellschaft, in der Gott oft auf die Ersatzbank gesetzt wird, stehen wir vor der Aufgabe, den uns gemeinsamen Glauben zu bezeugen.»

Locher konkretisiert: «Das Christentum bietet einen alternativen Welt- und Lebensentwurf.» Naturwissenschaften erklärten zwar vieles, doch für viele Menschen blieben noch Fragen offen. «Der christliche Glaube handelt von jenen anderen Fragen.»

Einig sind sich die beiden höchsten Kirchenvertreter darin, dass die Konfessionen einander «als provozierendes Gegenstück» brauchen. «Ich glaube nicht», so Locher,» dass wir uns je für uns alleine wie Münchhausen am Schopf aus dem Sumpf der kirchlichen Orientierungslosigkeit herausziehen können.» Die protestantische Kraft der Erneuerung tue der katholischen Kirche gut, findet der Ratspräsident, während der Katholizismus die Einheit über alle Grenzen fördere. Für Koch hat die katholische Kirche einen Nachholbedarf an Synodalität – «und damit einer besseren Einbeziehung des Volkes Gottes.» (sys)

Hinweis: Ökumenischer Gottesdienst mit Kardinal Kurt Koch und SEK-Präsident Gottfried Locher am 24. September, 10 Uhr, Pfarrkirche Sachseln. Anlass sind die Gedenktage zum 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe.


Entschuldigungen und Applaus beim Reformationsgedenken

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