Kinderpornos im Klassenchat – oder: Die Sache mit der fünfspurigen Autobahn
Eltern sollten sich nach Einschätzung der Polizei deutlich mehr für die Aktivitäten ihrer Kinder in Chatforen interessieren. Bereits 2021 waren fast 40 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen bei der Verbreitung pornografischer Fotos und Videos jünger als 18 Jahre, sagt ein deutscher Polizist.
«Niemand würde sein gerade eingeschultes Kind allein über eine fünfspurige Autobahn schicken. Und einen ebensolchen Schutz braucht es eben auch auf der Datenautobahn», sagte der Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Joachim Schneider, am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Stuttgart.
Neuer Trend
Er äusserte sich mit Blick auf den deutlich zunehmenden «Trend», dass Schüler Kinderpornografie in ihren Chatgruppen verbreiten. Dies geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik hervor, die am Donnerstag in Berlin von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vorgestellt werden soll.
Bereits 2021 waren fast 40 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen bei der Verbreitung pornografischer Fotos und Videos jünger als 18 Jahre, bestätigte Schneider. «Und diese Zahlen steigen weiter deutlich an». Das «National Center for Missing and Exploited Children» aus den USA übermittelte der Polizei diesbezüglich zahlreiche Verdachtsmeldungen mit Tatort Deutschland.
Nicht nur löschen, sondern auch melden
Es sei keine Lösung, die Inhalte auf dem Handy einfach nur zu löschen, erklärte der Polizeibeamte. «Tatsache ist: Kinderpornografie zeigt sexualisierte Gewalt an Kindern. Die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen ist ein Verbrechen. Entscheidend ist es, Inhalte konsequent zu melden. Das hilft, Betroffene zu schützen», so Schneider.
«Kindesmissbrauch hat mit der Vokabel ‘cool’ nichts zu tun.»
Joachim Schneider, Kriminalprävention Stuttgart
Zudem machten sich auch Minderjährige strafbar, wenn sie entsprechende Bilder weiterschickten. Oft herrsche dabei Gruppendruck. «Hier ist Zivilcourage nötig, sich dem entgegenzustellen. Kindesmissbrauch hat mit der Vokabel ‘cool’ nichts zu tun», sagte er.
Reden, reden, reden
Um Kinder bestmöglich auf eine solche Situation vorzubereiten, sei es wichtig, präventiv mit ihnen zu sprechen. «Eltern müssen nah an ihren Kindern dran sein. Dabei hilft ein gutes Vertrauensverhältnis zum Kind.»
Wenn das Kind Angst vor einer Strafe habe oder davor, dass ihm das Handy weggenommen wird, wende es sich bei einem entsprechenden Vorfall nicht an seine Eltern. «Auch Schuldzuweisungen helfen hier nicht weiter», so Schneider. Es gehe nicht darum, «das Internet zu diabolisieren. Aber das Netz birgt Gefahren, die man kennen muss.» (kna)
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