Katia Lopes De Sousa: «Ich will Kindern zeigen, dass Religion etwas Schönes ist»
Religionsunterricht ist in heutigen säkularen Zeiten wichtiger denn je, um Schülerinnen und Schüler einen frühen Kontakt zu Glauben und zu Gott herzustellen. Katia Lopes De Sousa hat gerade im Kanton Aargau ihre Ausbildung zur Katechetin abgeschlossen. Die 33-Jährige ist begeistert über ihre Berufswahl und voller Tatendrang, wie sie im Interview erklärt.
Wolfgang Holz
Frau Lopes, warum wollten Sie Katechetin werden?
Katia Lopes De Sousa: Mein Einstieg in die Tätigkeit als Katechetin war tatsächlich sehr spontan. Zuvor war ich zwölf Jahre lang als kaufmännische Angestellte tätig. Schon länger hatte ich jedoch den Wunsch, in einen sozialen Beruf mit Kindern und Jugendlichen zu wechseln, und spürte das Bedürfnis, eine neue Herausforderung anzunehmen. Eines Tages beschloss ich, nach einer passenden Stelle zu suchen – auf eine Weise, wie ich es vorher nie getan hatte.
Das klingt spannend…
Lopes: Obwohl ich normalerweise keine Zeitung lese, nahm ich mir vor, ausnahmsweise in den Stellenanzeigen* zu stöbern. Dabei stiess ich auf eine Anzeige des Pastoralraums Siggenthal. Ehrlich gesagt wusste ich zunächst nicht genau, was mich in diesem Beruf erwartet. Dennoch wagte ich den Schritt und bewarb mich – allein schon, um mich auf etwas Neues einzulassen. Beim Vorstellungsgespräch begeisterte mich dann meine Vorgesetzte mit ihrer Leidenschaft für den Beruf. Ihre Begeisterung war so ansteckend, dass ich mich nach langer Rücksprache mit meiner Familie entschloss, diesen Weg einzuschlagen. Heute bin ich sehr froh über diese Entscheidung.
«Es ist eine sehr bereichernde Aufgabe, zu sehen, wie Kinder und Jugendliche über sich selbst und die Welt nachdenken, Werte erkennen und für sich eigene Antworten auf wichtige Fragen des Lebens finden.»
Was gefällt Ihnen an diesem Beruf und warum finden Sie ihn wichtig?
Lopes: An diesem Beruf gefällt mir besonders, dass ich Kinder und Jugendliche auf ihrem Glaubensweg begleiten und sie in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen kann. Es ist eine sehr bereichernde Aufgabe, zu sehen, wie sie über sich selbst und die Welt nachdenken, Werte erkennen und für sich eigene Antworten auf wichtige Fragen des Lebens finden. Ich finde diesen Beruf wichtig, weil er nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch dazu beiträgt, die nächste Generation zu verantwortungsbewussten, mitfühlenden und reflektierten Menschen zu erziehen. Gerade im Religionsunterricht geht es um mehr als nur Inhalte – es geht um die Werte und den Umgang mit anderen und sich selbst.
In welchen Klassen unterrichten Sie denn Religion?
Lopes: Ich unterrichte die 1. bis 3. Klasse und unterstütze die Leitung bei der 7. Klasse sowie im Firmkurs. Zudem bin ich Teil des Ferienplausch-Teams und engagiere mich bei Kinderfeiern sowie bei unserem legendären ökumenischen Weihnachtsspiel.
Sind Sie auch in der Erwachsenenbildung in Sachen Religion unterwegs?
Lopes: Ja. Im Firmkurs, wo ich zusammen mit unserem Jugendseelsorger, Jugendliche auf ihrem Weg begleite und fördern darf. Diese Arbeit bereitet mir auch grosse Freude und ist für mich persönlich sehr bereichernd und lehrreich.
«In einer Welt, die oft von Streit und Egoismus geprägt ist, kann der Religionsunterricht den Kindern helfen, sich an Prinzipien, wie zum Beispiel Barmherzigkeit und Liebe zu orientieren.»
Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Religionsunterricht an der Schule?
Lopes: Religionsunterricht ist aus meiner Sicht sehr wichtig. In einer Welt, die oft von Streit und Egoismus geprägt ist, kann der Religionsunterricht den Kindern helfen, sich an Prinzipien, wie zum Beispiel Barmherzigkeit und Liebe zu orientieren. Wenn sie lernen, in ihrem Alltag nach diesen Werten zu handeln, tragen sie nicht nur zu einem besseren Miteinander bei, sondern fördern auch ihre eigene persönliche Entwicklung.
Viele Schülerinnen und Schüler erfahren im eigenen Leben schon früh, wie schmerzhaft Ausgrenzung sein kann. Biblische Geschichten von Menschen, die trotz ihrer Unterschiede oder Schwächen angenommen und akzeptiert werden, lassen sich gut mit diesen Erfahrungen verbinden. Sie zeigen, wie wichtig es ist, jeden Menschen zu respektieren und so anzunehmen, wie er ist.
«Mein Herz schlägt dafür, den Kindern die christlichen Werte zu vermitteln. Im Speziellen sind es für mich die Werte wie Nächstenliebe und Dankbarkeit.»
Was wollen Sie Ihren Schulkindern beibringen?
Lopes: Eines meiner wichtigsten Ziele ist es, den Kindern zu zeigen, dass Religion etwas Schönes ist. Es kann bereichernd und wertvoll sein, das Freude, Trost und Gemeinschaft bringt. Der Religionsunterricht soll uns das bieten, was in den anderen Schulfächern oft nicht im Fokus steht – den Sinn des Lebens erkunden, ethische Orientierung und spirituelle Tiefe. Mein Herz schlägt dafür, den Kindern die christlichen Werte zu vermitteln. Im Speziellen sind es für mich die Werte wie Nächstenliebe und Dankbarkeit. In der heutigen herausfordernden Zeit ist es für alle, insbesondere für die Kinder und die Jugendlichen, wichtig, aus unserem Glauben Kraft, Orientierung und Halt zu schöpfen.
Haben Sie schon Ihre erste Unterrichtsstunde gehabt?
Lopes: Ich habe das Glück, in einem tollen Pastoralraum arbeiten zu dürfen, der mich von Anfang an unterstützt und mir Vertrauen entgegenbringt. Bereits seit Beginn meiner Ausbildung vor etwa vier Jahren bin ich als Katechetin tätig und sammle seither wertvolle Erfahrungen im Unterricht.
«Ich behaupte, dass Beziehungsarbeit eines der wichtigsten Elemente ist – vor allem im Religionsunterricht!»
Wie interessiert sind Schülerinnen und Schüler an Religion, so weit Sie dies schon beurteilen können?
Lopes: Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Religion ist, wie bei vielen Themen, oft unterschiedlich. Ich finde jedoch, dass sie meist sehr neugierig und offen sind, wenn man einen Zugang findet, der zu ihren Lebensrealitäten passt. Geschichten, Spiele oder persönliche Erfahrungen regen oft zu guten Gesprächen an. Wenn man zusätzlich eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen kann, schafft das eine positive Grundlage, die den Unterricht noch erfolgreicher macht. Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, dass Beziehungsarbeit eines der wichtigsten Elemente ist – vor allem im Religionsunterricht!
«Neben klassischen Methoden wie Erzählen und Diskutieren gestalte ich zum Beispiel gerne eine Nachrichtensendung, in der ich die Reporterin spiele und die Kinder live ins Geschehen einbinde.»
Wie unterrichtet man denn heute Religion? Werden da wie früher einfach biblische Geschichten erzählt oder kommt da auch Multimediales zum Einsatz? Und wie komplex ist der Lehrplan?
Lopes: Heute ist der Religionsunterricht, meiner Meinung nach, viel lebhafter und abwechslungsreicher gestaltet. Natürlich spielen biblische Geschichten immer noch eine wichtige Rolle, aber sie werden oft in einen aktuellen Kontext gesetzt, sodass die Kinder und Jugendlichen einen Bezug zu ihrem Alltag herstellen können – Korrelation. Neben klassischen Methoden wie Erzählen und Diskutieren gestalte ich zum Beispiel gerne eine Nachrichtensendung, in der ich die Reporterin spiele und die Kinder live ins Geschehen einbinde.
So wird der Unterricht lebendiger und macht mehr Spass – die Kinder lieben es. Wir basteln und spielen viel zusammen oder backen zu Weihnachten auch mal einfach Guetzli. In unserem Pastoralraum haben wir neuerdings auch Tablets, die den Unterricht moderner machen und helfen, Themen anschaulich und spannender zu vermitteln. Der Lehrplan ist gut strukturiert, bietet meiner Meinung nach aber viel Raum, um auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder sowie auf meine eigenen Fähigkeiten und Ideen einzugehen.
«Mein Zugang zum Glauben ist modern und offen.»
Welche Stellung nimmt der Glauben in Ihrem Leben ein?
Lopes: Für mich ist der Glaube keine strenge Regel, wie zum Beispiel, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen oder täglich zu beten. Das habe ich früher oft mit meiner Mutter gemacht, doch es fühlte sich für mich gezwungen an und passte nicht zu meinem Lebensstil. Wahrscheinlich hat das dazu geführt, dass ich mich damals vom Glauben eher distanziert habe.
Heute ist der Glaube für mich etwas Persönliches, das mir Halt gibt. Er zeigt sich vor allem in kleinen, besonderen Momenten: in der Liebe zu meinen Kindern, in tiefen Gesprächen mit Menschen oder in der Schönheit der Natur. Mein Zugang zum Glauben ist modern und offen. Für mich ist er kein starres Bild, sondern ein lebendiger Teil meines Lebens, der sich ständig wandelt – sowohl in guten als auch in herausfordernden Zeiten. Durch meine Ausbildung habe ich den Glauben ehrlich gesagt neu entdeckt. Es gibt mir im Moment sehr viel Halt und Kraft.
*Realisiert wird die drei- bis fünfjährige Ausbildung im Kanton Aargau ökumenisch von der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Landeskirche nach den Vorgaben von ForModula.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




