Katholikin mit Mitra fordert: «Es braucht eine Frau in der Schweizer Bischofskonferenz»
Agatha Gachnang hat Mitte Januar den Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, darauf hingewiesen, dass in der Schweizer Bischofskonferenz dringend eine Frau Einsitz haben müsse. Kürzlich hat sie die Forderung in einem Leserbrief wiederholt. Gegenüber kath.ch erklärt sie ihre Motivation.
Regula Pfeifer
«Beim Besuch von Bischof Bonnemain in Dürnten hatte ich auch für die Aufnahme einer Frau in die Schweizer Bischofskonferenz plädiert», schreibt Agatha Gachnang in einem Leserbrief bei Zo-online am 27. Februar. Dieser trägt den Titel: «Es braucht eine Frau in der Schweizer Bischofskonferenz».
Gachnang begründet darin ihren Vorstoss: «Es wäre nicht einmal ein Präzedenzfall! Denn im nordischen Pendant, der Conferentia episcopalis Scandiae, hat eine Ordensschwester Einsitz.»
Kaschner als Autorin in Schweizer Publikationen
Dabei handelt es sich um Anna Mirijam Kaschner. Die Deutsche ist seit 2009 Generalsekretärin und Sprecherin der Nordischen Bischofskonferenz. Das weiss Gachnang, denn sie liest die christlichen Publikationen «Sonntag» und «Doppelpunkt» – und Kaschner publiziert darin regelmässig Beiträge. Kaschner gehört seit 1997 der Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut an, ist beim Herder Verlag zu lesen. Seit 2005 ist sie demnach in Dänemark stationiert.
Das Anliegen einer Frau in der Schweizer Bischofskonferenz hat Gachnang am 14. Januar dem Bischof vom Chur unterbreitet, bei einem Anlass in Tann ZH, das zur Gemeinde Dürnten gehört.
«Ich habe vom Besuch des Bischofs erfahren und gedacht: Das ist die Gelegenheit, mein Anliegen vorzubringen», erklärt sie gegenüber kath.ch. Darüber habe sie im Vorfeld auch ein paar Frauen informiert. An Joseph Maria Bonnemain habe sei sich gewandt, weil dieser für den Kanton Zürich zuständig sei. «Er ist unser Bischof», sagt sie.
Mitra – zum «Sinterklaas» gekauft
Bei ihrem Auftritt in Tann setzte Gachnang eine Mitra auf. Diese habe sie in den Niederlanden zum «Sinterklaas» gekauft, sagt sie gegenüber kath.ch. Der Samichlaus-Brauch werde da ganz anders gefeiert als hierzulande.
Die Katholikin kommt ursprünglich aus den Niederlanden, lebt aber schon lange in der Schweiz. Seit rund 20 Jahren singt sie im Kirchenchor Tann ZH mit. Sie war in den 1990er-Jahren auch für zwei Jahre in der katholischen Kirchenpflege Wald aktiv. Ausserdem nahm sie an der Umfrage zum synodalen Prozess teil. Die pensionierte Ärztin führte eine psychiatrische und psychotherapeutische Praxis in Wald und Zürich.
Rolle der Frauen in der Kirche «nicht rosig»
Die Rolle der Frauen in der Kirche findet Gachnang «nicht rosig». Sie ist überzeugt, dass sich das ändern muss. «Frauen sind durch die Taufe bemächtigt, christliche Verantwortung zu tragen», argumentiert sie. «Und Papst Franziskus hat bereits Frauen in hohe, verantwortliche Positionen im Vatikan bestellt, endlich.»
Bisher hätten sich weder der aktuelle Papst Leo XIV. noch andere Hochwürden im Vatikan zur Situation in den Bischofskonferenzen geäussert, kritisiert Agatha Gachnang – und fragt sich: «Warum können Frauen nicht auch in Bischofskonferenzen vertreten sein?»
Von jungen Männern gekaperter Anlass
Ihr Anliegen wiederholt Gachnang im Leserbrief vom 27. Februar. Sie habe den Eindruck gehabt, dass es an der Veranstaltung untergegangen war, sagt sie. «Der Anlass wurde von jungen ortsfremden Männern gekapert.» Wie kath.ch berichtete, stellten an jenem Abend mehrere junge Männer dem Bischof kritische Fragen zur Liturgie und zum «Liturgiemissbrauch».
Besagten Leserbrief hat Gachnang auch an Bonnemain geschickt. Dieser habe sich bedankt und sie für ihren Mut gelobt, erzählt Gachnang. Doch eine Zusicherung, dass er das Anliegen in die Schweizer Bischofskonferenz einbringen werde, habe sie nicht erhalten. «Das müssen die Bischöfe selber umsetzen», findet Gachnang. Sie sagt über die katholische Kirche: «Die Mühlen mahlen langsam.»
Gachnang schreibe dem Bischof regelmässig und seit längerer Zeit, sagt die Kommunikationsverantwortliche des Bistums Chur, Nicole Büchel, auf Anfrage. Einen Brief des Bischofs, in dem er ihren Mut gelobt hätte oder auf die Mitra-Aktion reagiert hätte, hätten sie trotz Suche nicht gefunden. Es gebe aber ein Schreiben des Bischofs vom 3. Februar. Daran bedanke sich der Bischof für Gachnangs «grosses Engagement», so Büchel.
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