Fastenaktion: «UNO-Ziel von Welt ganz ohne Hunger bis 2030 scheint unerreichbar»
Der Welternährungstag vom 16. Oktober erinnert daran, dass Millionen von Menschen auch heute noch immer nicht genug zu essen haben. Die Organisation Fastenaktion in Luzern fordert, diesen Missstand endlich entschlossen anzugehen – unter anderem mit Regulierungen für transnationale Unternehmen, der Respektierung von bäuerlichen Rechten und der Förderung von Agrarökologie.
(woz) «Hunger, ein politischer und wirtschaftlicher Skandal» – mit diesen Schlagworten kritisiert Fastenaktion in einer Medienmitteilung die weltweite Ernährungssituation.Millionen von Menschen hätten auch heute noch immer nicht genug zu essen haben. Das fundamentale menschliches Grundrecht auf Nahrung sei noch immer nicht für alle Menschen auf der Welt Realität.
673 Millionen mit «chronischem Hunger»
«Obwohl wir global mehr als genug Nahrung produzieren, leiden 673 Millionen Menschen unter chronischem Hunger. Gar 2,6 Milliarden – also 28 Prozent der Weltbevölkerung – sind laut dem jüngsten Bericht der FAO von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen», berichtet Fastenaktion.
Immerhin habe es in Asien und Lateinamerika 2024 gewisse Fortschritte gegeben, im Nahen Osten und in Afrika jedoch habe sich die Lage sogar verschlechtert. «Das von der Uno für 2030 festgelegte Ziel einer Welt ganz ohne Hunger scheint unerreichbar.»
Politisch, soziale, wirtschaftliche Entscheidungen
Dabei ist Hunger laut Fastenaktion nicht einfach unabwendbares Schicksal: «Hunger ist das Ergebnis politischer, wirtschaftlicher und sozialer Entscheidungen, die zu einem globalisierten, marktabhängigen und krisenanfälligen Ernährungssystem führen. Landraub, Preisspekulationen sowie die Expansion der Agrarindustrie und des Rohstoffabbaus berauben, so Fastenaktion, Millionen von Menschen ihres Grundrechts auf eine angemessene Ernährung. Die Klimaerwärmung und bewaffnete Konflikte würden die Situation zusätzlich verschärfen.
Die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen – Kleinbäuerinnen und -bauern, indigene Gemeinschaften, Frauen und Kinder – seien von diesen systemischen Ungerechtigkeiten besonders stark betroffen, schreibt Fastenaktion. «Ihr Zugang zu Land, Saatgut, natürlichen Ressourcen und grundlegenden Dienstleistungen ist allzu oft eingeschränkt. Ein wirksames Gegenmittel ist die Landwirtschaft auf agrarökologischer Basis. Sie führt zu mehr und gesünderen Lebensmitteln, stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen und ermöglicht Ernährungssouveränität.»
Auch Schweiz trage Verantwortung
Die Schweiz trägt laut Fastenaktion auch deshalb eine besondere Verantwortung, weil sie Sitz zahlreicher multinationaler Unternehmen sei, die in der Agrar- und Lebensmittelindustrie sowie im Rohstoffsektor tätig sind. Dabei sollte die Position der Schweiz mit der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der Bauern und anderer Menschen, die in ländlichen Gebieten arbeiten (UNDROP), übereinstimmen, zu deren Verabschiedung sie beigetragen habe.
Fastenaktion selbst arbeite seit über 60 Jahren mit ländlichen Gemeinschaften in zahlreichen Ländern des Globalen Südens zusammen, um eine menschen- und umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern und Hunger zu beenden. Zudem vertrete die Organisation Anliegen dieser Gemeinschaften in internationalen Gremien und setze sich für verbindliche Regeln ein, «damit transnationale Unternehmen die Menschenrechte achten, insbesondere das Recht auf Nahrung».
Den seit 1979 jährlich begangenen Internationalen Welternährungstag nutzt Fastenaktion zusammen mit Partnerorganisationen, um auf das Thema Hunger und Ernährungsgerechtigkeit aufmerksam zu machen. Dieses Jahr finden in der Schweiz mehrere Aktionen statt: Vom 9.10. bis 1.11.: Escape Room «Escape Hunger»: Tour mit Halt in Bern, Basel, Luzern und Zürich. Alle Daten und Infos: Escape Hunger oder Escape Room Welthungertag Luzern. Am 16.10.: «Le goût des choses», 18:00 Uhr, Film und Diskussion, Genf. Weitere Infos. Am 17.10.: Roundtable (auf Englisch): «When mining and agribusiness cause hunger: can the UN protect local communities against globalised companies?», 16:30 Uhr, Graduate Institute, IHEID Genf. Weitere Infos. (woz)Mehrere Aktionen in der Schweiz
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