Schweiz

Kardinal Parolin: Neuer Bischof von Chur soll Gräben überwinden

Die Initiative «Vielstimmig Kirche sein» hat Post von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erhalten. Er weiss um die Probleme im Bistum Chur – und hofft, dass der neue Bischof Gräben überwindet.

Raphael Rauch

«Wir bestätigen, ein freundliches Schreiben von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erhalten zu haben. Das vielstimmig-Netzwerk pflegt auch internationale Kontakte und Korrespondenz», teilt die Gruppe «Vielstimmig Kirche sein» mit.

Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Schweizer Reformkatholikinnen und Reformkatholiken, die das Verhalten der Churer Bistumsleitung kritisieren.

«Chur schadet unserer Kirche»

Laut der Mitteilung schadet die Churer Kirchenkrise, wie auch die Kölner Kirchenkrise, «lokal wie international unserer Kirche». Deswegen sei eine «Vernetzung konstruktiver Akteurinnen und Akteure über Landesgrenzen hinaus notwendig».

Kritik an der Churer Bistumsleitung: links Martin Kopp, rechts Veronika Jehle.

Den genauen Wortlaut von Parolins Schreiben will die Gruppe nicht veröffentlichen. «Inhaltlich steht nichts Neues darin», teilt das Netzwerk mit. «Es zeigt jedoch, dass im Vatikan die Vorgänge im Bistum Chur bekannt sind. Über den weiteren Prozess bezüglich der Suche eines Bischofs sagt das Schreiben nichts aus.»

Wunsch nach einem Brückenbauer

Wie kath.ch aus sicherer Quelle weiss, ist Kardinal Parolin wenig begeistert über die Zustände im Bistum Chur. Dem Schreiben ist zu entnehmen, dass der Heilige Stuhl sich um einen Bischofskandidaten bemüht, der die bestehenden Gräben überwinden könne.

Weihbischof Marian Eleganti (links) und Bischof Peter Bürcher beim Einzug in die Kirche Altdorf.

Die Gruppe «Vielstimmig Kirche sein» will wieder «vielstimmig an die Öffentlichkeit treten, wenn es inhaltlich etwas zu sagen gibt».

Geplatzte Bischofswahl

Seit 2019 ist der Churer Bischofssitz vakant. Übergangsweise leitet Bischof Peter Bürcher als Apostolischer Administrator das Bistum. Die Gruppe «Vielstimmig Kirche sein» wirft ihm und Generalvikar Martin Grichting Machtmissbrauch vor, etwa im Zusammenhang mit dem fristlosen Rausschmiss des Urschweizer Generalvikars Martin Kopp.

Schwarzer Rauch in Chur: Martin Grichting steuert die Domherren.

Der Vatikan hatte dem Churer Domkapitel im November drei Priester als Kandidaten für das Bischofsamt vorgeschlagen. Auf Initiative von Generalvikar Martin Grichting setzte sich eine knappe Mehrheit im Domkapitel durch, die Wahl auszuschlagen. Nun kann Papst Franziskus am Domkapitel vorbei einen neuen Bischof ernennen. Wann dies der Fall sein wird, ist unklar.


Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin | © KNA
8. Februar 2021 | 09:27
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