Schweiz

Jugendliche erklären beim «Dialogue en Route» Jugendlichen die Religionen

Zürich, 15.9.18 (kath.ch) Jugendliche sollen Jugendlichen die Religionsunterschiede vermitteln. Das ist das Ziel des grossangelegten, schweizerischen Projekts «Dialogue en Route». Für die Koordination ist die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz Iras-Cotis verantwortlich. Das Projekt startet im Oktober, das «Lastenvelo» – ein Infomobil – bereits am 16. September in Basel.

Georges Scherrer

«Dialogue en route» ist eine Antwort auf den eidgenössischen «Lehrplan 21» für die Schulen, der den Religionsunterricht durch das konfessionsneutrale Fach «Religionen, Kulturen, Ethik» ersetzt. Ab Oktober 2018 können Schulklassen, Vereine und Gruppen die Angebote von «Dialogue en Route» auf der Webplattform www.enroute.ch buchen. Die pädagogischen Angebote laden die Schulen dazu ein, die religiöse und kulturelle Vielfalt der Schweiz zu entdecken.

Von Basel bis Lugano sollen nun Schulklassen die neuen Angebote zu Religion und Kultur testen, wie Iras-Cotis schreibt. Wenn immer möglich sollen junge Menschen den Schülerinnen und Schülern die ihnen unbekannten Religionen nahebringen. Wer nicht vor Ort, aber dennoch dabei sein möchte, kann die Kampagne auf Social Media (Facebook, Instagram und Twitter) mitverfolgen.

Junge Guides als Informationsvermittler

Der 23-jährige Haris Mehmed etwa will als «Guide» dabei helfen, Vertrauen aufzubauen und Vorurteile aufzulösen. Er will sich für die Vermittlung von Kenntnissen einsetzen, wie er gegenüber Iras-Cotis sagte. Die Jüdin Dina Hyams (23) will die Schülerinnen und Schüler dazu ermuntern, Fragen zu stellen und offen zu sein für Unbekanntes, Fremdes und auch Neues.

Der Muslim Ebnomer Taha (29) begründet seinen Einsatz als «Guide» gegenüber Iras-Cotis mit den Worten: «Ich engagiere mich für ‹Dialogue en Route›, weil ich selbst von einer Minderheit stamme. Als Angehöriger einer Minderheit macht es für mich Sinn «en Route» im Gespräch zu sein und so meine eigene Verortung in der Gesellschaft zu reflektieren.»

Und die Vision von Guide Alice (25) ist, dass alle Menschen «einen respektvollen Umgang miteinander pflegen können, ohne dass dabei die Herkunft, Ethnie, Nation, Sprache, Kultur, Tradition, Religion eine Rolle spielen».

Übung und Beobachtung

Die Begegnungen im Rahmen von «Dialogue en Route» sollen gemäss Iras-Cotis Verfolgung und Anerkennung, Normen und Regelbrüche, Sexualität und Zwangsheirat zur Sprache bringen und dies jeweils im Zusammenhang mit Religion, Kultur oder Weltanschauung.

Eine aktive Teilnahme im Sinne eines Nachvollzugs von religiösen oder kulturellen Ritualen sei für die Schülerinnen und Schüler nicht vorgesehen. Die Lernenden sollen die Rolle von Beobachtenden einnehmen. Zum besseren Verständnis eines Rituals könne jedoch ein solches in bestimmten Fällen als freiwillige Übung imitiert werden.

Ab nächstem Jahr die ganze Schweiz

Lanciert wurde «Dialogue en Route» von Iras-Cotis im Jahr 2017. In die erste Etappe wurden die Ostschweiz und Zürich einbezogen. In der zweite Etappen wird das Projekt auf die Nordwestschweiz, die Zentralschweiz und das Tessin ausgedehnt. Nächstes Jahr folgt die letzte Etappe mit Bern, Solothurn und der gesamten Westschweiz.

Mit Velo auf Werbefahrt

Nicht allein mit Werbebroschüren und der Präsenz im Internet und auf Sozial Media macht Iras-Cotis auf das Projekt aufmerksam. Rechtzeitig zum Projektbeginn machte sich vergangenes Jahr eine Gruppe von Guides mit Fahrrädern auf den Weg und besucht Orte und Schulklassen.

Dieses Jahr werden die Guides nur mit einem Fahrrad unterwegs sein, nämlich mit einem «Lastenvelo», das als Informationsmobil dient. Das Mobil wird am Eröffnungsapéro der Werbefahrt in Basel der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach startet es Richtung Süden und macht unter anderem Halt bei den Aleviten in Basel, der jüdischen Gemeinde im aargauischen Lengnau und im Kloster Einsieden. Das Endziel ist der Wallfahrtsort Madonna del Sasso in Locarno. Dieser soll am 25. September erreicht werden.

Sehr breite Abstützung

Getragen wird das Projekt von der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK), dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (Fids), dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) und verschiedenen Universitätsinstituten in der ganzen Schweiz. Koordiniert wird es von der Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (Iras Cotis).

In der Steuergruppe sitzen unter anderem der Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, Erwin Tanner, Samuel Behloul vom Zürcher Institut für Interreligiösen Dialog, Arnd Bünker vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen und der Jesuit Christian Rutishauser. Gefördert wird das Projekt unter anderem von verschiedenen kantonalen Integrationsstellen und der eidgenössischen Fachstelle für Rassismusbekämpfung.

Hinweis: Eine Online-Karte orientiert über die verschiedenen Angebote. Dort können Interessierte eine Reservationsanfrage starten.

Zwei «Guides» mit dem Lastenvelo | © Dialogue en Route
15. September 2018 | 11:01
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