Jubla-Pfingstlager: «Insekten sind megawichtig, das möchten wir den Kindern näherbringen»
Für das Pfingstwochenende errichtet die Jubla ein Zeltlager für 10’000 Kinder, Jugendliche und Betreuende in Wettingen. Dabei tauchen sie in die Welt der Insekten ein, identifizieren sich mit ihnen und suchen Lösungen für ihre Probleme, wie Olivia Klein, Co-Präsidentin des Jublasurium-OK, erzählt.
Regula Pfeifer
Am Jublasurium lernen die Kinder und Jugendlichen Insekten kennen. Weshalb bieten Sie das an?
Olivia Klein: Wir haben die Insektenwelt als Motto für das Jublasurium gewählt, weil sie so faszinierend ist. Insekten sind zwar klein, aber megawichtig für das Ökosystem, etwa indem sie Blüten bestäuben, die zu Früchten heranwachsen. Faszinierend ist, dass sie das X-fache ihres Körpergewichts tragen können. Das möchten wir den Kindern und Jugendlichen näherbringen.
Übrigens kommen die Kinder und Jugendlichen alle als Insekten ans Pfingstlager und lernen die Insektenwelt von der Innenperspektive aus kennen.
«Sie stellen sich vor, ein Insekt zu sein.»
Wie das, kommen die Kinder verkleidet ins Pfingstlager?
Klein: Die meisten wohl nicht. Aber es geht darum, dass sie sich vorstellen, ein Insekt zu sein. Aus dieser Perspektive nehmen sie dann das Lager wahr.
Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
Klein: Auf der Bühne werden beispielsweise verschiedene Theaterstücke aufgeführt, die die Tausenden anwesenden Kinder und Jugendliche sehen. Darunter ist auch die Geschichte einer Bienenkönigin, die Hilfe braucht. Es gibt eine Insektenkonferenz, bei der alle aufgerufen mitzuhelfen, die Elemente wieder ins Lot zu bringen und die Umwelt zu schützen.
Muss sich jedes Kind überlegen, welches Insekt es sein will und dies mitteilen?
Klein: Wir haben die 10›000 Lagerteilnehmenden in fünf Hauptgruppen unterteilt und jeder Gruppe ein Insekt zugeordnet. Dazu gehört die Raupe, die zum Schmetterling wird. Und auch der Marienkäfer, das Glühwürmchen, die Ameise und die Biene.
Jedes Kind weiss, welcher Insektengruppe es angehört. Je eine Person leitet eine Insektengruppe an und ist entsprechend verkleidet. Die Marienkäfer-Leitungsperson ist also als Marienkäfer verkleidet und führt die Gruppe durch die drei Lagertage.
«Jedes Kind hat einen Sonnenhut in der Farbe eines Insekts.»
Ausserdem hat jedes Kind einen Sonnenhut in der Farbe des Insekts. Marienkäfer-Kinder haben also einen roten Hut. Das erleichtert uns auch die Kommunikation und gibt Orientierung. Wir können etwa sagen: Alle mit dem roten Hut müssen ganz rechts stehen.
«Von Anfang an klar, dass das Naturerlebnis zentral sein sollte.»
Wie ist es zur Idee gekommen?
Klein: Bei der Mottosuche war uns von Anfang an klar, dass das Naturerlebnis zentral sein sollte. Wir waren uns auch einig, dass es um Nachhaltigkeit gehen soll und wir die Kinder dafür sensibilisieren möchten. Dafür suchten wir ein Thema, das verschiedene Altersgruppen ansprechen könnte. So kamen wir auf die Insekten. Das alles dauerte allerdings lange, wir haben mit der Planung bereits vor drei Jahren angefangen…
Die Idee ist aus dem OK heraus entstanden, nehme ich an…
Klein: Genau, alles Inhaltliche und das Jublasurium selbst wurde vom OK entwickelt und entschieden. Das sind über hundert Personen. Zusätzlich unterstützen uns Leute aus der Bundesleitung von Jubla Schweiz.
«Bei der Anreise hören sie ein Hörspiel, in dem sich die fünf Insekten-Charaktere vorstellen.»
Können Sie Konkretes über das Insektenprogramm erzählen?
Klein: Alle Teilnehmenden reisen mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss an. Bei der Anreise hören sie ein erstes Hörspiel, in dem sich die fünf Insekten-Charaktere vorstellen und erzählen, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind. Die Kinder und Jugendlichen sollen bei verschiedenen Challenges mitwirken, bei denen sie mehr über die Probleme erfahren und an Lösungen mitwirken.
Während dem Lager selbst finden fünf Programmblöcke statt. Darunter der Schwarmtanz, wo die Teilnehmenden den Jublasuriumtanz und weitere Tänze kennenlernen. Das Programm läuft ja unter Jugend&Sport-Lager, das heisst, wir bewegen uns viel. Im Jublasuriumlied geht es auch um Insekten.
«Bei der Mission Insektenbrücke wird eine Da-Vinci-Brücke erbaut.»
Und bei den Lageraktivitäten ebenfalls. Etwa bei der Mission Insektenbrücke: Da wird eine Da-Vinci-Brücke erbaut, also eine Brücke, die ohne Klebstreifen oder Leim hält. Denn die Insekten, die auf der einen Seite des Flusses keine Lebensgrundlage mehr finden, müssen auf die andere Seite gelangen. Wir helfen ihnen dabei.
Am Abend erzählt eine Märchenerzählerin auf der Bühne für die unter zwölfjährigen Teilnehmenden Gute-Nacht-Geschichten, in denen auch Insekten vorkommen. In Ateliers bauen wir zusammen ein Insektenhotel. Das Thema ist also fest verankert im Programm. Und auch in der Infrastruktur.
«Ein Schattenspender in der Form eines Ahornblattes ist x-fach grösser. »
Wie meinen Sie, in der Infrastruktur?
Klein: Dadurch, dass wir Menschen uns als kleine Insekten verstehen, haben wir gewisse Einrichtungen aufskaliert. So ist beispielsweise ein Schattenspender zwar in der Form eines Ahornblattes, allerdings x-fach grösser. Damit wir Insekten im Verhältnis dazu passen.
Was erhoffen Sie sich vom Jublasurium?
Klein: Die Kinder und Jugendlichen sollen ein einmaliges Jubla-Gemeinschaftsgefühl erleben können. Wir vom Organisationskomitee möchten sie für wichtige Themen sensibilisieren und zeigen, was man alles schaffen kann, wenn man es miteinander anpackt. Ausserdem hoffen wir, dass alles nach Plan läuft. Mich persönlich freut es, dass wir, was wir lange vorausgeplant haben, jetzt schrittweise umsetzen können.
*Olivia Klein ist Co-Präsidentin des Organisationskomittees des Jubla-Pfingstlagers Jublasurium. Sie ist seit rund 20 Jahren in der Jubla engagiert, angefangen bei Jungwacht-Blauring St. Anton in Wettingen. Ab dem Alter von 16 Jahren war Olivia Klein im Leitungsteam engagiert, später leitete sie Kurse und coachte Lager. Sie war auch Co-Präsidentin der Dachorganisation der Jugendorganisationen der Schweiz SAJV. Olivia Klein arbeitet als Primarlehrerin.
Das Jublasurium in Wettingen
Das diesjährige dreitägige Pfingstlager namens Jublasurium findet vom 7. bis 9. Juni im aargauischen Wettingen statt. Laut Angaben von Jubla Schweiz handelt es sich um das grösste Zeltlager des Jahres in der Schweiz. Rund 10›000 Personen aus der Deutschschweiz werden erwartet. Das «Jublasurium» findet als Jugend + Sport-Lager statt. Organisiert haben den Anlass 110 junge Erwachsene im Organisationskomitee und rund 700 freiwillige Helfende, heisst es in der Mitteilung. Für die Betreuung der 6200 Kinder sorgen 3800 ehrenamtliche Leitende. Jubla Schweiz ist laut eigenen Angaben der zweitgrösste Kinder- und Jugendverband der Schweiz, er hat rund 400 lokale Vereine und rund 33’000 Mitglieder. (rp)
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