Rifa’at Lenzin  | © Wolf Südbeck-Baur/zVg
Schweiz
Rifa’at Lenzin | © Wolf Südbeck-Baur/zVg

Islamwissenschaftlerin: «Eine nationale Muslim-Charta wäre sinnvoll»

Zürich, 21.3.17 (kath.ch) Zwei Dachverbände albanischer Muslime haben am Montag in einer Charta ein Bekenntnis zum Rechtsstaat abgelegt. Für die Islamwissenschaftlerin Rifa’at Lenzin ist «Sinn und Zweck» der Charta «nicht klar», wie sie am Dienstag gegenüber kath.ch sagte. Das Vorgehen sei nicht mit anderen islamischen Verbänden abgesprochen worden, kritisiert sie.

Barbara Ludwig

Mit der Grundsatzerklärung der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) aus dem Jahr 2005 gebe es bereits eine Charta, die ein Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit enthält, so Lenzin weiter. Die Islamwissenschaftlerin findet, andere Verbände hätten sich dieser bereits bestehenden Erklärung anschliessen können.

Sie fragt sich, warum die albanischen Muslime das Bedürfnis haben, im Alleingang ein Bekenntnis zum Rechtsstaat abzulegen. «Was will man damit in der breiteren Öffentlichkeit erreichen? Will man sich als die besseren Muslime darstellen und sich von den übrigen abgrenzen?» Muslime werden laut Lenzin allgemein verdächtigt, nicht loyal zum Staat zu sein.

Neuauflage sollte breit abgestützt sein

«Eine Neuauflage der Erklärung ist nach meinem Dafürhalten nur sinnvoll, wenn sie breit abgestützt ist. Beispielsweise, wenn die Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz als eine nationale Dachorganisation eine solche lanciert.» Alles andere, also auch die neue Charta der albanischen Muslime, sei «eher verwirrlich».

Für die Islamwissenschaftlerin ist auch nicht klar, wer die neue Charta mitträgt. Bei der Grundsatzerklärung der VIOZ wisse man hingegen, wer dahinter stehe. Am Schluss dieses Dokuments mit Datum vom 27. März 2005 sind die Mitglieder der VIOZ aufgelistet. Lenzin ist Fachreferentin Islam am Zürcher Institut für interreligiösen Dialog.

Charta soll in albanischen Moscheen verlesen werden

Am Montag haben sich zwei Dachverbände albanischer Muslime in der Schweiz in einer Charta zum Rechtsstaat bekannt und sich von Gewalt distanziert. Dies meldete die Nachrichtenagentur SDA am Montagabend. Unterzeichnet haben das Dokument die Union der Albanischen Imame in der Schweiz und der Albanisch Islamische Verband Schweiz.

Laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» (19. März), die die Unterzeichnung der Charta ankündigte, vertreten die beiden Dachverbände gemeinsam 80 bis 100 albanische Kulturvereine beziehungsweise Moscheen. Diese werden am Schluss der Charta nicht aufgeführt. Die Idee für die Erklärung stammt laut der Zeitung vom ehemaligen Botschafter Kosovos in Bern, Naim Malaj.

Die Charta soll in den albanischen Moscheen verlesen werden, bestätigte Mustafa Memeti, der Präsident des Albanisch Islamischen Verbandes Schweiz am Montag gegenüber kath.ch. Der Berner Imam hofft, dass sie als «Linie für das Zusammenleben zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen» dienen kann.

Unter den in der Schweiz lebenden Muslimen bilden die albanischstämmigen Personen die Mehrheit.

Albanische Muslime bekennen sich zum Rechtsstaat

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum