In 90 Minuten die Welt retten
Was braucht es für nachhaltigen Frieden? Antworten auf diese Frage suchten diesen Samstag zwölf Persönlichkeiten in Baden anlässlich der Veranstaltung «Voll auf die 12». Die Gesprächsrunde stand im Zusammenhang mit dem 500-Jahr-Jubiläum der Badener Disputation.
Nadia Omar
Am gestrigen Samstag trafen sich im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500-Jahr-Jubiläum der Badener Disputation zwölf Persönlichkeiten zu einer 90-minütigen Debatte zum Thema «Frieden statt Krieg(e)». Die Veranstaltung «Voll auf die 12» fand in der Mensa der Schule Burghalde in Baden statt.
Breite Palette von Haltungen
Die Runde begann damit, dass die Teilnehmenden sich in die Augen schauten, um sich darauf direkt der Frage zu widmen, wann überhaupt von Frieden gesprochen werden kann, und wann nur ein Konflikt vorliegt, und was die notwendigen Grundlagen für Frieden sind.
Für den Archäologen Georg Matter von der Abteilung Kultur des Kantons Aargau sind die Voraussetzungen für Frieden gemeinsame Interessen, Vertrauen und Gerechtigkeit. Nora Kronig, Direktorin des Schweizerischen Roten Kreuzes, legte nach, dass Friede nicht zwingend bedeute, dass eine Zone gänzlich konfliktfrei sei.
Die Runde war sich einig, dass kein Gesetzestext zur Sicherung des Friedens ausgearbeitet werden müsse, da dieser mit der Uno-Charta bereits vorliege. Die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman betonte, dass für sie Friede nur mit Freiheit möglich sei und warf als Lösung eine Vereinigung aller unterdrückten Völker der Welt vor. Karman hatte sich durch ihren Einsatz für Frauenrechte und freie Medien hervorgetan.
Lösungen brauchen Zeit
An der Diskussion beteiligten sich auch Frank und Patrik Riklin vom Atelier für Sonderaufgaben, der Fintech-Experte Michael Stemmle, die Klimaaktivistin Loukina Tille und der mexikanische Schauspieler Gael Garcia Bernal, der auch als Botschafter für Oxfam tätig ist.
Einig war sich die Runde über weitere Voraussetzungen für Frieden: Zeit oder Langsamkeit für die Lösungsentwicklung, einen sicheren Raum für Verhandlungen und den Respekt der Grundwürde jedes Menschen.
Lösungen erst bruchstückhaft
Am Ende der 90 Minuten präsentierten die Teilnehmenden Lösungsvorschläge zur Friedensförderung, auf die sich die Runde einigen konnte. Zur Stärkung der Dialogkultur und der Kollaborationsfähigkeit sollen weltweit Gesprächsrunden ähnlich wie die soeben durchlebte in Schulen und für die Öffentlichkeit abgehalten werden.
Der Vorschlag einer weltweiten Steuer für Vermögen über 100 Millionen zugunsten der Uno wurde vertagt, aber die Runde einigte sich auf den Grundsatz, dass die finanzielle Ungleichheit angeprangert werden solle. Zum Abschluss wurde auch betont, dass Friede bei jeder und jedem einzelnen beginne, und wir alle in der Verantwortung stünden.
Die rund 130 Personen im Publikum folgten der Diskussion aufmerksam und stellten kritische Rückfragen.
Humorvoller Abschluss mit Patti Basler
Für Auflockerung und herzhafte Lacher sorgte am Ende der Diskussion das Instant-Protokoll der Komikerin Patti Basler, am Klavier untermalt von Philipp Kuhn. Sie nahm alle Anwesenden gleichermassen aufs Korn, arbeitete sich aber besonders am Sexologen ab. Die Veranstaltung endete mit dem Versprechen der Gruppe der zwölf Diskutierenden, sich wieder zu treffen und die skizzierten Ideen zu vertiefen.
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