Patti Basler glaubt, dass die Menschheit einen Gott braucht.
Story der Woche

Patti Basler: «Der Beichtstuhl ist Kreativschmiede oder Darkroom»

In der ersten Folge des Podcasts «Laut + Leis» geht’s zu Patti Basler nach Baden. Die Satirikerin und Erziehungswissenschaftlerin erzählt, wie ihre katholische Herkunft sie geprägt hat, wie verbindend Rituale sind und warum die römisch-katholische Kirche so langlebig ist.

Sandra Leis

Am Bahnhof Baden im Mai: Keine komplizierte Wegbeschreibung, sondern ein kurzes Video lotst mich zielsicher zum Studio von Patti Basler. Vor der Tür gibt’s keine Klingel, ein Anruf aufs Handy, und die wohl bekannteste Satirikerin der Schweiz steht da. Wir steigen die Treppen hinunter in ihr grosses fensterloses Studio und lassen den Alltag hinter uns.

Grossmutter hat sie katholisch erzogen

Patti Basler, 47, ist mit zwei Schwestern im tiefkatholischen Fricktal aufgewachsen. Die Eltern waren liberal; in die Messe gingen die Mädchen mit der Grossmutter. Sie war es auch, die abends mit den Kleinen gesungen und gebetet hat, während die Eltern noch im Stall beschäftigt waren.

Zum einen sei das Jahr vom Bauernhof geprägt gewesen, also davon, wann was geerntet wird, sagt Patti Basler. Und zum anderen vom Kirchenjahr mit den grossen Feiern und Festen. «Beispielsweise die Fronleichnam-Prozession, das war für mich ein Event.»

Nicht der Glaube, die Rituale verbinden

Schliesslich kommt sie aufs Beichten zu sprechen. Auf die Frage, ob sie denn im Beichtstuhl auch mal geflunkert habe, grinst sie und sagt: «Im Beichtstuhl wird man kreativ. Der Beichtstuhl ist entweder die erste Kreativschmiede für fantasievolle Köpfe oder der kleinste Darkroom der Welt. Ich durfte meiner Fantasie freien Lauf lassen, und das haben alle Kinder gemacht.»

Patti Basler
Patti Basler

Bis heute ist Patti Basler Mitglied der römisch-katholischen Kirche: «Ich persönlich bin keine gläubige Katholikin. Und ich bin überzeugt, dass viele Menschen, die katholisch sind, nicht sehr gläubig sind, sondern aus Gründen der Tradition den Katholizismus weiterverfolgen und an die nächste Generation weitergeben.»

Denn verbindend sei nicht in erster Linie der Glaube, verbindend seien die Rituale. Dies gelte auf dem Land noch viel ausgeprägter als in der Stadt.

Die wichtige Aufgabe der Kirche

Deshalb erstaunt es sie auch nicht, dass die römisch-katholische Kirche so lange überlebt hat. «Auch die Kirche befindet sich in einem Wettbewerb der Ideen. Und offenbar ist die Idee des katholischen Glaubens eine, die Beständigkeit hat. Gerade weil sie sich nicht so stark verändert hat und Traditionalisten aus aller Welt daran festhalten können.»

Patti Basler ist überzeugt, dass die Kirchen eine wichtige Aufgabe haben. Denn es gebe Menschen, die seien veranlagt zum Glauben. Diese Menschen wollen etwas Höheres sehen, und wenn da nichts sei, dann würden sie etwas erfinden.

«Meistens ist das Erfundene noch schlimmer als das, was Religionen anbieten.»

Patti Basler

«Meistens ist das Erfundene noch schlimmer als das, was Religionen anbieten.» Das seien oft auch Menschen mit grosser Fantasie oder Empathie, Menschen, die erklärt haben wollen, warum es Gut und Böse gibt, und das nicht einfach so hinnehmen wollen.» Das sei im Grunde genommen ja etwas Schönes und sollte nicht umschlagen in abstruse Verschwörungstheorien.

Sie mag Menschen, das wird im Gespräch deutlich spürbar. Und sie beherrscht die lauten Töne genauso wie die leisen.


Patti Basler glaubt, dass die Menschheit einen Gott braucht. | © Silvan Maximilian Hohl
26. Mai 2023 | 09:20
Lesezeit : ca. 2  Min.
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