Missionshaus Bethlehem Immensee | © zVg
Schweiz
Missionshaus Bethlehem Immensee | © zVg

Immenseer Missionare lassen sexuelle Übergriffe aufarbeiten

Immensee SZ, 30.4.18 (kath.ch) Bei der Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) mit Sitz in Immensee soll es vor Jahrzehnten zu sexuellen Übergriffen durch Mitglieder gekommen sein. Zwei Männer berichten von entsprechenden Vorfällen. Die SMB will nun eine externe historische Untersuchung in Auftrag geben.

Barbara Ludwig

Die Immenseer Missionare seien von der in der Prävention tätigen Stiftung Linda über die Vorwürfe informiert worden, sagte Patrice Riedo, SMB-Generalökonom, am Montag auf Anfrage gegenüber kath.ch. Zwei Männer hätten gegenüber der Stiftung berichtet, sie seien Opfer von sexuellen Übergriffen durch Mitglieder der Missionsgesellschaft Bethlehem geworden. Die Namen der mutmasslichen Opfer sind der SMB nicht bekannt, da ein Fall anonym gemeldet und der zweite von der Stiftung anonymisiert worden sei.

Übergriffe liegen 50 Jahre und mehr zurück

Beide Fälle lägen 50 Jahre und länger zurück, teilte die SMB am Freitagnachmittag mit. Gewiss sei, dass die Übergriffe in der Schweiz stattfanden, berichtete Radio SRF1 (27. April). «Als Tatort kann das damals von der SMB geleitete Gymnasium Immensee aber ausgeschlossen werden», sagte Riedo gegenüber kath.ch. Laut dem Generalökonom unterhielt die weltweit tätige Missionsgesellschaft in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Bildungseinrichtungen in der Deutschschweiz. Bei den beiden Opfern könne es sich deshalb um ehemalige Schüler handeln.

Erstmals mit Thema «Missbrauch» konfrontiert

Man sei erstmals direkt mit dem Thema «Missbrauch» konfrontiert, so Riedo weiter. Die SMB entschuldige sich bei beiden Personen für das erlittene Leid, heisst es in der Mitteilung. Die zwei Meldungen machten die SMB-Verantwortlichen «tief betroffen». Sie hätten deshalb beschlossen, «aktiv zu werden und Klarheit zu schaffen».

Gab es noch mehr Opfer?

Konkret will die SMB eine historische Fachperson mit der Untersuchung der Fälle beauftragen. Diese soll Zugang zum Archiv der Missionsgesellschaft erhalten. «Die Ergebnisse der Untersuchung sollen Gewissheit über Umfang und Art der Vorkommnisse geben», schreibt die SMB in ihrer Mitteilung. Es gehe darum, die beiden Fälle zu rekonstruieren, sagte Riedo. Darüber hinaus soll auch eruiert werden, ob es noch mehr Opfer gegeben habe. Anhand der Resultate der externen Untersuchung will die SMB zudem prüfen, ob weitere Massnahmen nötig seien.

Übergriffe am Gymnasium in 1990er Jahren

Kürzlich wurde bekannt, dass es in den 1990er Jahren zu sexuellen Übergriffen durch zwei Lehrpersonen am Gymnasium Immensee gekommen war. Opfer waren Schülerinnen. Bei den Tätern habe es sich um weltliche Lehrpersonen gehandelt, sagte Benno Planzer, Rektor der privaten Mittelschule, am 5. April gegenüber kath.ch. Das Gymnasium war einst von den Immenseer Missionaren gegründet und geführt worden. Die Missionare waren laut Planzer nicht mehr für die Schule verantwortlich, als diese Übergriffe geschahen.


Weltliche Lehrpersonen für Übergriffe am Gymnasium Immensee verantwortlich

 

 

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