«Ich wäre schon längst Päpstin»: Patti Basler gewinnt den Poetry-Slam des Katholikentags
«Glaube, Liebe, Hoffnung», dazu Kritik an der Schweizergarde und Alice Weidel: Die Schweizer Comedian Patti Basler hat den Poetry-Slam des Katholikentags gewonnen.
Raphael Rauch
Herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Poetry-Slam! In Ihrem Geschenke-Korb gibt es auch Socken mit einer Mini-Bibel. Gefällt Ihnen das Geschenk?
Patti Basler*: Naja, wer will schon die Bibel mit Füssen treten? Noch dazu mit Käsefüssen? Das ist nicht wirklich was für die Schweiz. Man kann mir natürlich auch ganz biblisch die Füsse waschen und dann mit den Socken die Füsse trocknen.
Was bedeutet Ihnen der Sieg beim Katholikentag?
Basler: Der Preis bedeutet mir gar nichts. Aber es ist schön, dass offenbar meine einzigen zwei Texte, die auf Hochdeutsch sind, in Deutschland funktionieren. Sie sind nicht auf Schweizer Politik bezogen.
«Mir liegt das Weibliche und das Opulente – passend zum Katholizismus.»
Sind Sie eine Schweizer Antwort auf Carolin Kebekus? Katholisch, kritisch, witzig?
Basler: Ob ich witzig bin? Das kann ich nicht sagen. Katholisch bin ich, und ich sehe mich ein bisschen als Schweizer Carolin Kebekus. Wie sie achte ich darauf, dass Frauen auf die Bühne kommen. Das ist durchaus ein katholisches Prinzip. Wir haben immerhin die Gottesmutter Maria als wichtige Figur. Mir liegt das Weibliche und das Opulente – passend zum Katholizismus.
Was gefällt Ihnen am Katholischsein?
Basler: Fressen, saufen, herumhuren, danach beichten – und alles ist wieder gut: Das passt mir natürlich. Das Fasten leider weniger.
Sie haben sich in Stuttgart auch über Alice Weidel und die AfD lustig gemacht. Können Sie nachvollziehen, dass Alice Weidel in den grössten Schweizer Wallfahrtsort gezogen ist – nach Einsiedeln?
Basler: Die Schweiz nimmt alles. Wir nehmen dubiose Nestlé-Figuren in unserem Land auf, die dreckige Geschäfte machen. Alle, die Geld haben, sind sehr willkommen in der Schweiz. Wir nehmen alles, was zahlt. Die Schweiz ist ein einziger grosser Ablasshandel. Der Topf der Welt: Kommt zu uns, bringt euer Geld, wir waschen es weiss.
Am Montag findet in Einsiedeln die nationale synodale Versammlung statt.
Basler: Ist Alice Weidel auch dabei?
Nein. Unter welchen Bedingungen würden Sie Päpstin werden?
Basler: Ich wäre schon längst Päpstin, wenn eine Frau das werden könnte. Denn ich strebe die Weltherrschaft an.
Welche Reformen erhoffen Sie sich in der katholischen Kirche?
Basler: Als Frau fordere ich natürlich die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Und eine Machtbegrenzung. Der Vatikan hat zu viel Macht. Das einzig Gute im Vatikan ist die Schweizergarde. Die haben hübsche Uniformen – und das ganze Jahr Fasnacht.
Warum braucht’s eine Machtbegrenzung?
Basler: Viel Geld korrumpiert immer. Und auch wenn der Papst der beste Mensch der Welt und wirklich von Gott persönlich ausgesucht wäre: Macht und Geld korrumpiert alle. Das sehen wir im Moment ganz deutlich in der Welt. Deswegen braucht die katholische Kirche demokratische Strukturen, um Macht zu begrenzen. In Einsiedeln könnten wir hier einen Anfang machen.
* Die Katholikin Patti Basler ist eine ehemalige Lehrerin und arbeitet als Autorin und Kabarettistin. Sie ist «Instant-Protokollantin» der «Arena» von SRF und hat eine Kolumne in der «NZZ am Sonntag». Am Freitag ist sie auf dem Katholikentag in Stuttgart bei einem Poetryslam aufgetreten – und hat gewonnen.
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