Urs Winter-Pfändler | © Martin Spilker
Schweiz
Urs Winter-Pfändler | © Martin Spilker

Hinschauen und festhalten, was auf die Kirche zukommt

Der Theologe und Psychologe Urs Winter-Pfändler vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut hat die Ergebnisse der Studie über Kirchenreputation ausgewertet und zusammengefasst. kath.ch hat mit ihm über besondere Erfahrungen bei der Arbeit und die Chancen und Grenzen einer solchen Studie gesprochen.

Martin Spilker

Sie haben über 1400 Personen zum Ruf der beiden grossen Kirchen in der Schweiz befragt. Die evangelisch-reformierte Kirche hat etwas besser abgeschlossen als die katholische Kirche. Aber beide sind «genügend». Haben Sie die Ergebnisse überrascht?

Urs Winter-Pfändler: Unsere Studie hat viele Vermutung, aber auch andere Untersuchungen bestätigt. Überrascht hat mich, dass die beiden Kirchen in der Wahrnehmung von aussen gar nicht so weit auseinanderliegen. Keine Überraschung ist hingegen die Erkenntnis, dass wo schlechte Arbeit gemacht wird, auch ein schlechtes Bild von Kirche vorherrscht. Und hier liegt auch die zentrale Aussage der Studie: Kirchenarbeit ist immer Interaktion. Das geschieht nicht für sich selbst. Deshalb muss man in der Kirche hinhören auf das, was über uns gesagt wird und in einen Dialog treten.

Welches waren für Sie die auffälligsten Aussagen?

Winter-Pfändler: Die kamen für mich einerseits von den jungen Frauen: Hier haben wir sehr differenzierte Kirchenerfahrungen festgestellt. Wir waren skeptisch, ob die Kirchen hier einfach eines «aufs Dach» bekommen. Aber es wurden sowohl negative, wie positive Erfahrungen mitgeteilt, auch wenn nicht alle gleich an den Angeboten der Kirche interessiert sind. Bei den Politikern hat mich der grosse Rücklauf – ein Drittel aller Befragten hat geantwortet – und daraus die Erkenntnis, dass Kirche nicht einfach egal ist. Sie wird wahrgenommen und man setzt sich damit auseinander.

Gibt es markante Unterschiede zwischen den Haltungen der jungen Leute und den eher mittelalterlichen Politikern?

Winter-Pfändler: Ja, am deutlichsten ist dies bei den Angeboten der Kirchen: Hier sind die jungen Erwachsenen deutlich kritischer, negativer eingestellt. Oder auch bei der Frage, ob sie sich ein Engagement – beruflich oder ehrenamtlich – in der Kirche vorstellen könnten: Die jungen Leute haben das fast durchs Band abgelehnt.

Was passiert nun mit den Ergebnissen aus dieser Studie?

Winter-Pfändler: Wir wollen sie bekannt machen. Das hat mit der Tagung und der Buchvernissage begonnen. Unsere Aufgabe als Forschungsinstitut ist ja zuerst einmal, hinzuschauen und festzuhalten, was auf die Kirche zukommt. Das wiederum wollen wir den Verantwortlichen in der Kirche zeigen, ihnen die Realität spiegeln. Wir sind aber nicht die Kirchenleitung, die daraus Konsequenzen für künftige Schwerpunkte ziehen kann. Wichtig ist uns auch, dass die Resultate bei den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Kenntnis genommen werden. Denn in der Kirche erhalten Mitarbeitende ja eher wenig Rückmeldungen. Hier finden sich solche aber in geballter Form. Und es findet sich darin sehr viel Anerkennung und Rückendeckung für die tägliche seelsorgerliche Arbeit.

Was wünschen Sie sich für die Kirche der Zukunft?

Winter-Pfändler: Ich wünsche mir zuerst, dass wir miteinander klären, was für eine Kirche wir wollen! Wobei das grundsätzlich fest steht: Kirche dient, theologisch gesprochen, der Verwirklichung des Reiches Gottes. Oder, einfacher gesagt: Kirche will die Vision einer solidarischen Gesellschaft auf dieser Erde zum Leben erwecken. Im Anschluss muss überlegt werden, wie die Träume und Visionen auch Wirklichkeit werden können. Dazu können Management-Instrumente Werkzeuge sein, diesen Zielen näher zu kommen. (ms)

Der Ruf der Kirche ist besser, als man meint

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