Teilnehmerinnen und Teilnehmer demonstrieren am "Marsch fürs Läbe" in Zürich 2023 gegen Abtreibung.
Schweiz

Helikopter in der Luft: Polizei schützt «Marsch fürs Läbe» mit Grossaufgebot

Über 1000 Personen haben am Samstag in Zürich-Oerlikon gegen ein liberales Abtreibungsrecht demonstriert. An der Kundgebung traten unter anderem der Zürcher Kantonsrat Erich Vontobel (EDU) sowie Susanne Kummer, Direktorin eines Bioethik-Instituts in Wien, auf. Wegen angekündigter Gegendemos begleitete die Polizei den bewilligten «Marsch fürs Läbe» mit einem Grossaufgebot.

Etwas über 1000 Personen haben laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Samstag am traditionellen Treffen der Lebensschützerinnen und -schützer teilgenommen in Zürich-Oerlikon. Nach Angaben der Veranstalter waren es rund 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Alternative Unterstützung für Mutter und Kind

Susanne Kummer ist Direktorin des Wiener Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (Imabe), die der österreichischen Bischofskonferenz nahe steht. Abtreibung zu erlauben, um Frauen zu schützen, sei «ein Narrativ, das wissenschaftlich nicht gestützt ist», sagte Kummer gemäss einer Medienmitteilung des Vereins «Marsch fürs Läbe» an der Veranstaltung. «Frauen müssen über Komplikationen und Folgen einer Abtreibung informiert sein», forderte sie. Es brauche alternative Unterstützung für Mutter und Kind.

Für solche Alternativen warb auch Erich Vontobel, der im Zürcher Kantonsrat die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) vertritt. So machte er auf die Bedeutung von Hilfsmöglichkeiten wie dem Babyfenster aufmerksam, heisst es in der Mitteilung. Babyfenster, die auch Babyklappen genannt werden, könnten dazu beitragen, dass «die eine oder andere Abtreibung verhindert wird», sagte der Politiker.

An «Marsch fürs Läbe» beteiligen sich regelmässig Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher christlicher Konfessionen. Von katholischer Seite war dies Marian Eleganti, emeritierter Churer Weihbischof.

Helikopter in der Luft

Linke Kreise hatten im Vorfeld – wie schon in den Vorjahren – zu Gegendemonstrationen gegen die Veranstaltung der Abtreibungsgegner aufgerufen. Laut Keystone-SDA kursierten Flyer mit Slogans wie «Gemeinsam den Fundis den Marsch vermiesen» und «Unser Feminismus gegen ihren rechten Kulturkampf».

Die Polizei war deshalb mit einem Grossaufgebot präsent. Der Märtplatz war für die Marsch-Teilnehmenden wiederum mit einem Gitter abgesperrt. In der Luft kreiste unablässig ein Helikopter. In allen Zugangstrassen und -gassen standen Einsatzkräfte und Kastenwagen der Polizei.

Vereinzelte Provokationen

Bis zum frühen Abend blieben direkte Konfrontationen aus. Es kam aber zu vereinzelten Provokationen. So wurde am Rande der Veranstaltung Feuerwerk gezündet. Vier Personen, die sich als Mitglieder einer den herumliegenden Abfall einsammelnden Clean-Up-Day-Truppe unbemerkt dem Gitter genähert hatten, störten eine Ansprache kurz mit Trillerpfeifen.

Auch an Gebäuden rund um den Märtplatz hingen einzelne Banner mit Aufschriften wie «Recht auf Abtreibung verteidigen», und auf der Umzugsroute hielt eine Frau auf einem Balkon ein Plakat «My Body, My Choice» (»mein Körper, mein Entscheid») in die Höhe. Die Teilnehmenden des Marsch fürs Läbe skandierten derweil «wir sind fürs Läbe», hielten ihre Plakate «Pro-Life» und «Frauenrechte auch für die Kleinsten» in die Höhe und beteten.

Nach Angaben der Zürcher Stadtpolizei wurden rund 100 Personen kontrolliert und weggewiesen. Zwei Personen seien für weitere Abklärungen auf die Polizeiwache gebracht worden, teilte die Polizei am Samstagabend mit. (bal/sda)


Teilnehmerinnen und Teilnehmer demonstrieren am «Marsch fürs Läbe» in Zürich 2023 gegen Abtreibung. | © zVg
17. September 2023 | 18:08
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