Hans Küng | © Archiv kath.ch
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Hans Küng fordert konkrete Reformschritte seiner Kirche

Tübingen, 1.3.17 (kath.ch) Der Schweizer Theologe Hans Küng verlangt von der katholischen Kirche konkrete ökumenische Schritte. Mit Blick auf das Reformationsgedenken fordert Küng in einem am Aschermittwoch in Tübingen veröffentlichten «Weckruf» die Rehabilitation Martin Luthers und die Aufhebung aller Kirchenausschlüsse, die aus der Reformationszeit stammen.

Hans Küng schreibt in seinem Aufruf wörtlich: «Nur 500 Jahre Reformation feiern, ohne die Kirchenspaltung wirklich zu beenden, heisst, neue Schuld auf sich zu laden.» Die oft «ängstlichen und zaudernden Kirchenleitungen in Rom und anderswo» dürften die «historische Gelegenheit nicht verpassen». Der «Weckruf» zum Reformationsjubiläum sei über mehrere Monate hin in einem längeren Reflexionsprozess entstanden. Er wolle «der Gefahr entgegenwirken, dass das Reformationsjubiläum in der Praxis die Kirchenspaltung doch nicht aufhebt», heisst es dazu im Begleitschreiben von Hans Küng.

Frage der Glaubwürdigkeit

In der globalisierten und säkularisierten Welt sei das Christentum nur glaubwürdig, wenn es sich «als Gemeinschaft in wahrhaft versöhnter Verschiedenheit» darstelle. «Römische Absichtserklärungen» habe es schon oft gegeben: «Wir ökumenisch engagierten Christen erwarten endlich Taten.»

Als Beispiel nennt er, dass durch die katholische Kirche alle protestantischen und anglikanischen Ämter anerkannt und gegenseitig die Teilnahme an katholischer Eucharistiefeier und evangelischem Abendmahl ermöglicht werden. Diese Fragen sind bislang zwischen den Kirchen ungelöst.

Ökumenische Öffnung als Dauerthema

Der aus Sursee LU stammende Hans Küng ist der Begründer der Stiftung Weltethos und einer der bekanntesten Gegenwartstheologen. 1979 hatte Rom dem katholischen Priester wegen dessen Kritik an der Unfehlbarkeit des Papstes die Lehrerlaubnis entzogen. In den vergangenen 30 Jahren engagierte sich Küng vor allem für den Dialog der Weltreligionen.

Seit Jahren plädiert Küng für innerkirchliche Erneuerung und ökumenische Öffnung. Er verfasste zahlreiche Bücher, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt sind. Die Gesamtauflage geht in die Millionen. Hans Küng wird im März 89 Jahre alt. Er lebt in Deutschland, in Tübingen. (kna/ms)

Der «Weckruf» im Originaltext.

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