Jonas Amherd ist Bundespräses von Jungwacht Blauring.
Namenstag

«Güetu Tag, ich bi z'Joni»: So stellt sich Jonas Amherd auf Walliserdeutsch vor

Jonas Amherd (33) stammt aus dem Wallis und ist Bundespräses von Jungwacht Blauring. Seine Mutter ist Primarlehrerin – entsprechend waren einige Vornamen verbrannt. Nach dem Abgleich von Namenslisten kam der Name Jonas auf die Shortlist. Heute hat der Walliser Namenstag.

Raphael Rauch

Warum haben Ihre Eltern Sie Jonas genannt?

Jonas Amherd*: Meine Eltern sind sehr pragmatisch vorgegangen: Sie sind Namenslisten durchgegangen und haben die Namen herausgesucht, die ihnen am besten gefallen haben. Dabei haben sie auch einige Namen gestrichen, weil zum Beispiel in der Verwandtschaft der Name bereits besetzt war oder ein Name als zu lang oder zu kompliziert erachtet wurde. Ausserdem war meine Mutter Primarlehrerin. Da gab es wohl schon einige verbrannte Namen, die vorbelastet waren und somit nicht in Frage kamen (lacht). Jonas war dann der Favorit.

Jonas Amherd
Jonas Amherd

Haben Sie einen Spitznamen?

Amherd: Meine Freunde nennen mich Joni.

Sind Sie mit der Walliser Bundesrätin Viola Amherd verwandt?

Amherd: Wir sind miteinander verwandt – allerdings nicht über die Amherd-Linie, sondern über fünf Ecken.

Bundesrätin Viola Amherd ist VBS-Chefin.
Bundesrätin Viola Amherd ist VBS-Chefin.

Wie spricht man Jonas auf Walliserdeutsch aus?

Amherd: Jonas – auch die Betonung bleibt gleich. Allerdings verwenden wir im Walliserdeutschen die Artikel manchmal etwas anders. So stelle ich mich vor: «Güetu Tag, ich bi z’Joni». Das führt dann auch mal zu lustigen Situationen. Entweder muss ich übersetzen und sagen «de Joooni» oder ich werde angesprochen mit «der zJoni» – was ja eigentlich so keinen Sinn macht (lacht).

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?

Amherd: Cornelia.

«Mir gefällt die Vorstellung, als Friedensbringer oder Friedensstifter unterwegs zu sein.»

Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?

Amherd: Ja, dieser Name gefällt mir sehr gut – vom Klang her, aber auch inhaltlich: Jonas stammt vom hebräischen Jonah ab, was Taube heisst. Die Taube ist in der biblischen Tradition ein Zeichen für den Frieden und somit könnte Jonas auch gut mit «Der Friedensbringer» übersetzt werden. Auch wenn dies vielleicht eine Überforderung oder zumindest eine grosse Herausforderung darstellt, so gefällt mir die Vorstellung, als Friedensbringer oder Friedensstifter unterwegs zu sein, doch recht gut. 

Sehnsucht nach Frieden.
Sehnsucht nach Frieden.

«Nomen est omen» – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?

Amherd: Ich bin in der Tat immer wieder darauf bedacht, Frieden zu stiften. Natürlich müssen nicht immer alle gleicher Meinung sein – das wäre unmenschlich und ehrlich gesagt auch ziemlich langweilig. Nur weil man aber anderer Meinung ist, heisst das ja noch lange nicht, dass man deshalb nicht in gegenseitigem Respekt und Wertschätzung miteinander umgehen kann. In meiner Funktion als Präses bin ich immer wieder sozusagen als Friedensstifter unterwegs, wenn ich zum Beispiel bei Unstimmigkeiten vermittle. 

Darstellung von Jona und dem Wal in den restaurierten Domitilla-Katakomben in Rom.
Darstellung von Jona und dem Wal in den restaurierten Domitilla-Katakomben in Rom.

Man kennt vor allem die Geschichte von Jona im Fischbauch. Was bedeutet Ihnen diese Geschichte?

Amherd: Noch während meines Studiums habe ich mal im Rahmen eines Pfarreipraktikums einen Leitartikel für ein Pfarrblatt geschrieben mit dem Titel: «Jona – Prophet wider Willen». Ich finde den Propheten Jona unglaublich spannend, nahbar und authentisch: Als Gott ihn nach Osten schickt, geht er nach Westen. Er kann sich furchtbar aufregen über diesen Rizinusstrauch, der ihm geschenkt und dann doch wieder genommen wurde. Die Wege Gottes sind für ihn nicht immer verständlich – er hadert damit, dass Gott schliesslich doch barmherzig ist und setzt sich so immer wieder mit seinem Glauben auseinander. Sicherlich geht er nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes, sondern denkt mit und passt sich an. 

«Jona war so erfolgreich, dass selbst die Tiere von Ninive gefastet und gebetet haben.»

Passt das zu Ihnen?

Amherd: Ich kann mich mit ihm identifizieren, denn die eigene Berufung immer wieder zu hinterfragen und zu überdenken, gehört zum Leben dazu. Manchmal nimmt es faszinierende und unerwartete Wendungen, aber es lohnt sich! Am Schluss war Jona ja dann doch noch erfolgreich – so erfolgreich, dass selbst die Tiere von Ninive gefastet und gebetet haben.

Jubla-Mann Jonas Amherd unterwegs in Bayern.
Jubla-Mann Jonas Amherd unterwegs in Bayern.

Sie sind in der Jugendarbeit tätig. Ist die Jona-Geschichte für Kinder und Jugendliche anschaulich?

Amherd: Die Geschichte mit dem Fischbauch bietet auch heute noch viel Stoff für Bücher und Filme – allen voran Moby Dick. Es zeigt für mich auch gut das Mystische, Göttliche, Wundersame und auch Unerklärbare, das Menschen immer wieder zu faszinieren vermag.

Jonas Amherd mit seiner Tochter Sofia (2).
Jonas Amherd mit seiner Tochter Sofia (2).

Was verbinden Sie mit Ihrem Heiligen?

Amherd: Jona ist für mich ein gutes Beispiel, dass Gott die unterschiedlichsten Menschen beruft. Von aussen betrachtet wäre Jona eigentlich nicht für den Job als Prophet geeignet: Er ist ungehorsam, mürrisch und wohl als Weggefährte manchmal etwas schwierig. Dennoch ist er im Stande, seine Entscheidungen immer wieder zu überdenken, zu hinterfragen und dann auch seinen Standpunkt zu ändern. Dies zeugt für mich von sehr viel Charakter. 

«Im Wallis sind die Heiligen Martin, Josef, Blasius, Barbara oder Agatha populär.»

Wie feiert man im Wallis Namenstag?

Amherd: Bei Gottesdiensten wird jeweils der Tagesheiligen gedacht. Auch Patronatsfeste werden hochgehalten – von Kirchen, aber auch von Vereinen und Verbänden. Im Privaten – zumindest in meinem Umfeld – wird der Namenstag nicht wirklich gefeiert. Ausnahmen bilden einige Heilige, die im Wallis sehr populär sind, wie zum Beispiel Martin, Josef, Blasius, Barbara oder Agatha. Ich selber erhalte gewöhnlich von zwei bis drei Kollegen aus dem kirchlichen Umfeld eine freundliche Nachricht zu meinem Namenstag.

* Jonas Amherd (33) hat Theologie in Freiburg i.Ü. und an der Dominican School of Philosophy & Theology in Berkeley studiert. Er war vier Jahre als Pastoralassistent in den Pfarreien Naters und Mund tätig und ist Bundespräses von Jungwacht Blauring Schweiz.


Jonas Amherd ist Bundespräses von Jungwacht Blauring. | © zVg
21. September 2022 | 08:10
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