Startzeichen für das neue Haus der Kirche in Genf, März 2022
Schweiz

Grundstein gelegt: Sacré-Cœur in Genf steigt neu aus der Asche auf

Die Genfer Kirche Sacré-Cœur soll nach dem Brand von 2018 nicht gleich wieder aufgebaut werden. Vielmehr ist ein vielfältiges Haus der Kirche geplant. Ein «Hauptquartier» der Genfer Katholikinnen und Katholiken und ein Begegnungszentrum für alle. Der Grundstein dazu ist am 28. März 2022 gelegt worden.

Silvana Bassetti, ECR /Adaption: Regula Pfeifer

Die ehemalige katholische Kirche Sacré-Cœur soll zu einem neuen, multifunktionalen Haus werden. Darin sollen ein Gotteshaus, öffentliche Begegnungsräume, ein Restaurant, ein Festsaal und das neue «Hauptquartier» der katholischen Kirche in Genf Platz haben.

In zwei Jahren soll das 2018 abgebrannte Sacré-Cœur-Gebäude im Herzen des Genfer Quartiers Plainpalais aus der Asche auferstehen. Vollständig renoviert und in neuer Form. Der Grundstein dazu ist am 28. März 2022 gelegt worden.

Die Behörden hätten die Sanierung und den Umbau des Gebäudes genehmigt und die Arbeiten begonnen, teilen die Pfarrei Sacré-Cœur und die römisch-katholische Kirche Genf (ECR-GE) an der Veranstaltung gemeinsam mit. Sie sind Partner des umfangreichen Renovierungsprojekts. Die Bauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt, die Baukosten auf 21 Millionen Franken veranschlagt.

Kirche Sacré Coeur in Brand, 19. Juli 2018
Kirche Sacré Coeur in Brand, 19. Juli 2018

Die Aussenfassaden des Gebäudes werden bleiben wie gehabt. Sie sind durch die Flammen nicht beschädigt worden. Der Innenraum hingegen ist vollständig zerstört. Ihn galt es mit dem neuen Projekt neu zu erfinden. Rund viereinhalb tausend Kubikmeter Raum sollten neu bespielt werden.

Ein weltoffener Ort

«Wir wollen eine Kirche unserer Zeit bauen, die für jeden und jede offen ist, ein Ort der Partizipation, der vielfältigen Zusammenarbeit und der fruchtbaren Synergien», sagt Philippe Fleury bei der Grundsteinlegung. Fleury ist Präsident des Rates der französischsprachigen Pfarrei Sacré-Cœur, der Gebäudeeigentümerin.

«Die Einweihung der Baustelle ist ein wichtiger Schritt, auf den wir lange gewartet haben», sagt Fleury. «Tief bewegt geben wir den Startschuss für die Sanierung und den Umbau dieses historischen Gebäudes.»

Ein Haus der Kirche

Drei kirchliche Institutionen werden ihren Sitz fortan im neuen Haus der Kirche haben: die französischsprachige Kirchgemeinde Sacré-Cœur, die spanischsprachige katholische Gemeinde (PCLE) in Genf, die bereits vor dem Brand da war, und neu auch die römisch-katholische Kirche Genf (ECR-GE).

Das Bischöfliche Vikariat und seine Mitarbeitenden werden von der Rue des Granges in der Genfer Altstadt nach Plainpalais ziehen. Ebenso das Pastoralteam und das Verwaltungspersonal der katholischen Kirche. Aber auch die verstreut liegenden pastoralen Dienste – etwa die Jugend-, Familien- und Arbeitsweltpastoral –, werden in das Haus der Kirche wechseln. Rund 100 Mitarbeitende des ECR kommen so unter ein Dach.

Dominique Pittet, der Generalsekretär der ECR, erhofft sich vom Zusammenzug «vielfältige Synergien, neue Kooperationen und Initiativen». Dank mehrerer Empfangsbereiche werde es möglich sein, mehrere kulturelle, spirituelle oder kulturelle Veranstaltungen gleichzeitig zu organisieren.

Der liturgische Raum

Die Renovierung des liturgischen Raums steht im Mittelpunkt des Projekts. Damit wurde der französische Architekt Jean-Marie Duthilleul beauftragt. Das Projekt versucht zu den Wurzeln des Wortes «Kirche» vorzudringen. Es will die «Ekklesia», die Versammlung des Volkes, wiederbeleben.

Bischof Charles Morerod spricht an der Grundsteinlegung des neuen Sacré-Cœur.
Bischof Charles Morerod spricht an der Grundsteinlegung des neuen Sacré-Cœur.

Das neue Gotteshaus im Erdgeschoss wird sich um eine sakramentale Achse drehen. Auf deren beiden Seiten werden sich die Kirchenbänke gegenüberstehen – nicht hintereinander wie in Kirchen und Theatersälen sonst üblich. «Diese mandelförmige Form wird es den Gläubigen ermöglichen, einen Körper um Christus herum zu bilden», sagt Bischofsvikar Pascal Desthieux. Das unterstreiche die gemeinschaftliche Dimension und die volle Teilnahme des Volkes Gottes an den Feiern.

Das Projekt von Jean-Marie Duthilleul wurde in die Arbeit seines Kollegen Christian Rivola vom Atelier Ribo+ einbezogen, der für die Umsetzung des gesamten Bauprojekts verantwortlich ist. Der Altar, das Taufbecken, der Ambo und der Tisch des Wortes – für Wortgottesfeiern –, werden entlang der sakramentalen Achse angeordnet, die in einem monumentalen Kreuz endet. Ebenso ein Olivenbaum – der biblische Baum par excellence –, der in den Boden gepflanzt wird.

Mehr als eine Kirche

Das Projekt hat ein grosses Ziel: Das Haus der Kirche, das in einem Büro- und Universitätsviertel liegt, soll ein lebendiger Knotenpunkt im Herzen der Stadt werden. Ein Ort des Empfangs, der Zusammenarbeit und des Auftankens, ein Ort zum Beten, Feiern, Kaffee trinken und sich treffen.

So wird an der Place de Neuve ein öffentlich zugängliches Restaurant eingerichtet. Im Haus drin sind künftig mehrere modulierbare Räume vorhanden. Diese können für Versammlungen, Konferenzen, Feste, Konzerte oder Ausstellungen gemietet werden.

Der Architekt Christian Rivola sagt: «Wir wollen dem Gebäude ein neues Zentrum geben, physisch und spirituell.» Deshalb hätten sie eine Lichtsäule geplant, die vom Dach bis zur Krypta im Untergeschoss reicht, mit einer 120 Quadratmeter grossen Glasöffnung im Dachfirst. «Diese vertikale Achse wird die Erde mit dem Himmel verbinden. Und ihr Licht wird den Raum durch alle vier Stockwerke des Gebäudes durchfluten».

Spendensammlung läuft noch

Mehr als 68 Prozent der 21 Millionen Franken Baukosten sind bereits gedeckt, insbesondere durch Versicherungen und private Spenden. Die Inneneinrichtung des Hauses der Kirche wird weitere geschätzte 2,2 Millionen Franken kosten. Dafür hat der ECR im Jahr 2021 eine spezielle Fundraising-Kampagne bei privaten Spendern gestartet, die weiterläuft. Bisher konnten so 50 Prozent der Inneneinrichtungskosten gesammelt werden.

Daten zu Sacré-Cœur

  • Das Gebäude wurde 1859 erbaut, ursprünglich als Freimaurertempel. 
  • 1873 wurde es von den Katholiken aufgekauft. Es wurde die neue Kirche der Gemeinde Saint-Germain, die von liberalen Katholiken aus ihrer bisherigen Kirche vertrieben worden war. Aus dem Tempel auf der Plaine de Plainpalais wurde die Kirche Sacré-Cœur. Die Gemeinde hiess nun Sacré-Cœur.
  • 1958 zog die spanischsprachige katholische Gemeinde ebenfalls in die Räume von Sacré-Cœur ein. 
  • Am 19. Juli 2018 wurde die Kirche ein Raub der Flammen – mit immensen Schäden. 
  • Ende 2020 wurde ein Antrag für die Sanierung und den Umbau des Gebäudes eingereicht.
  • Im März 2022 beginnen die Renovations- und Bauarbeiten. 
  • 2023 oder 2024 soll das Haus der Kirche von Sacré-Cœur eingeweiht werden.
Startzeichen für das neue Haus der Kirche in Genf, März 2022 | © Silvana Bassetti
29. März 2022 | 15:39
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