Papst Leo XIV. spricht beim Angelus am Fenster des Apostolischen Palastes am 25. Oktober 2026 im Vatikan.
Vatikan

Papst: Es gibt keinen heiligen Krieg

1986 beteten erstmals Vertreter vieler Weltreligionen in Assisi gleichzeitig um Frieden. 40 Jahre später sind sie wieder dort versammelt. Der noch nicht vollständig genesene Papst ist mit starken Worten bei ihnen.

Ludwig Ring-Eifel (CIC)

«Es gibt keinen heiligen Krieg, nur der Frieden ist heilig!» Mit diesen Worten hat Papst Leo XIV. die in Assisi versammelten Führer der Weltreligionen zu neuen Friedensbemühungen aufgerufen.

In einer am Dienstagnachmittag verbreiteten Videobotschaft forderte der Papst: «Der Frieden muss wieder zum gemeinsamen Ideal der Völker werden, zum Leitstern, der alle unsere Entscheidungen leitet, zum Massstab, der Ungerechtigkeit entlarvt, zum gemeinsamen Horizont aller Völker.»

Anlass des Weltgebetstreffens in Assisi war die historische erste Zusammenkunft der Religionsführer am 27. Oktober 1986. Der wegen einer Lungenoperation noch in der Erholungsphase befindliche Papst konnte nicht persönlich daran teilnehmen.

Gebete mitten im «Kalten Krieg»

Leo XIV. erinnerte in seiner Botschaft daran, dass damals der «Kalte Krieg» herrschte. Nach dessen Ende in den 1990er Jahren hätten manche gemeint, dass die Globalisierung der Welt einen stabilen Frieden sichern und die Märkte Wohlstand, Demokratie und Stabilität schaffen würden. In Wahrheit habe die Globalisierung aber nicht Einheit und Frieden hervorgebracht, sondern fundamentalistische, identitäre und nationalistische Reaktionen ausgelöst.

Vor diesem Hintergrund erlebe die Welt eine «besorgniserregende Rehabilitierung des Krieges als Instrument der internationalen Politik». Dies sei ein Verrat an den Opfern des «sinnlosen Gemetzels von Millionen Menschenleben» im Zweiten Weltkrieg. Stattdessen erscheine wieder die Anhäufung von Waffen vielen als ein geeignetes Vorgehen, mögliche Gegner vom Krieg abzuhalten.

Keine religiöse Legitimierung von Kriegen

Gerade in diesen Zeiten «einer Kultur der Macht» sei es notwendig, den Geist von Assisi weiter wachsen zu lassen. Dieser lehne die religiöse Legitimierung des Krieges ab, sei ein Geist der Vermittlung und des Dialogs, des Gebets und des kreativen Handelns für eine Zukunft in Frieden.

Weiter rief der Papst: «Wir müssen überall den Frieden wiederherstellen, statt weitere Kriege vorzubereiten! Krieg darf niemals im Namen Gottes geführt werden!»

Seine Botschaft bildete den Höhepunkt des dreitägigen Treffens von Hunderten Vertretern zahlreicher Weltreligionen im mittelitalienischen Assisi. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte vor 40 Jahren für seine ungewöhnliche Initiative bewusst die Stadt des heiligen Franziskus gewählt, Symbolfigur für Frieden und interreligiösen Dialog.

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Papst Leo XIV. spricht beim Angelus am Fenster des Apostolischen Palastes am 25. Oktober 2026 im Vatikan. | © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
27. Oktober 2026 | 16:51
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