Schweiz

Gold wächst nicht auf Bäumen

Amazonas-Missionar Dario Bossi fordert den Verzicht auf neue liturgische Gefässe aus Gold. Das ist ein denkwürdiger Ansatz für eine Kirche, die sich der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. Die Auseinandersetzung fängt aber bereits viel früher an, schreibt Martin Spilker im Kommentar.

Martin Spilker | © Christoph Wider

Die prunkvollen Gefässe, Kreuze und Leuchter in den katholischen Kirchen beeindrucken. Sie sind Zeichen für die Wertschätzung für das, was sie im Gottesdienst enthalten: Die Gegenwart Gottes in Leib und Blut Christi. Viele solcher Gefässe sind wahre Schätze. Es sind traditionsreiche Utensilien, die von der Geschichte einer Kirche, eines Klosters erzählen.

Gerade deshalb lassen sie sich nicht einfach so durch andere Materialien ersetzen. Viele dieser Kostbarkeiten wurden einst gestiftet. Ihre Verwendung ist auch eine Anerkennung an diese Leute. Andere sind kunsthistorisch bedeutungsvoll. Und es ist lobenswert, dass sie dennoch in Gottesdiensten verwendet werden und nicht bloss in Museen zu sehen sind.

Dieser Glanz passt nicht mehr so recht in unsere Zeit.

Doch dieser Glanz passt nicht mehr so recht in unsere Zeit. In neueren Kirchen werden denn auch vermehrt Gefässe aus anderem Material verwendet. Der Sache tut dies keinen Abbruch. Die Bedeutung der Eucharistie wird durch liturgische Gefässe aus Ton, Holz oder Steingut nicht verändert. Die Feier des Abendmahls ist ein hoher Wert an sich.

Die Forderung von Dario Bossi, künftig auf Gold in der Kirche zu verzichten, geht aber noch weiter. Denn der Missionar spricht auch von Eheringen, die nicht zwingend aus Edelmetall sein müssen. Damit setzt er eine hohe Hürde. Denn über Goldgefässe in Kirchen lässt sich leichter debattieren als über eigenes Schmuckwerk.

Ein starkes Zeichen für eine solidarische Kirche weltweit.

Bossis Forderung erhält bei den Facebook-Followern von kath.ch viel Unterstützung. Und wenn Pfarreien auf goldene liturgische Gefässe verzichten, ist das ein starkes Zeichen für eine solidarische Kirche weltweit. Denn der edle Rohstoff ist endlich und wächst bekanntlich nicht auf Bäumen. Alternativen für Eheringe gibt es schliesslich auch.

Burgunderkelch | © Oliver Sittel
22. Oktober 2019 | 15:06
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