Erzbischof Georg Gänswein und Jacqueline Straub in Rom.
Vatikan

Georg Gänswein zu kath.ch: «Lassen wir uns überraschen, was von Benedikt XVI. noch kommt»

Erzbischof Georg Gänswein ist der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Im Interview mit kath.ch äussert er sich über den Gesundheitszustand von Joseph Ratzinger und zur Zukunft der Kirche.

Jacqueline Straub

Exzellenz, Sie leben mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zusammen. Wie geht es ihm?

Erzbischof Georg Gänswein*: Er ist stabil in der Schwäche. Er ist physisch mit 94 Jahren sehr unstabil, aber er hat einen klaren Kopf. Und: Er hat den Humor nicht verloren. Es geht ihm gut und er kann noch alles machen, was er will. Natürlich braucht er bei dem einen oder anderen Hilfe. Aber das wichtige ist: Er nimmt teil am Leben. Und in einer bestimmten Form freut er sich, dass er ein Leben mit all den Schwierigkeiten und den Nöten, die im Alter kommen und denen man nicht aus dem Weg gehen kann, führen darf.

Papst Franziskus und Benedikt XVI. am 15. April 2019, Benedikts 92. Geburtstag.
Papst Franziskus und Benedikt XVI. am 15. April 2019, Benedikts 92. Geburtstag.

Wird Benedikt noch Artikel oder Bücher veröffentlichen?

Gänswein: Er selber sagte ja, dass er keine Bücher mehr schreibt. Eine andere Frage ist, ob von ihm etwas veröffentlicht wird, was er geschrieben hat. Da lassen wir uns überraschen.

Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein

Was ist Ihr Blick auf die Zukunft der Kirche?

Gänswein: Es geht darum, dass wir im Glauben treu bleiben und dass wir auf die Herausforderungen der Gegenwart auf die richtige Weise antworten. Wir haben den Glauben nicht erfunden und können ihn auch nicht herummodeln, sondern wir müssen aus der Grundsubstanz des Glaubens leben und daraus auch die Freude schöpfen. Ich glaube, das ist etwas, was für uns, für jede Zeit das Wichtige ist.

* Erzbischof Georg Gänswein (65) ist Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Er stammt aus dem süddeutschen Ort Riedern am Wald (Landkreis Waldshut), der 17 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt ist.


Erzbischof Georg Gänswein und Jacqueline Straub in Rom. | © Francesco Pistilli
19. September 2021 | 05:00
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