Fundamentalistischer Islam möchte besser Fuss fassen

«Islamischer Zentralrat Schweiz» stellt sich vor

Bern, 15.1.10 (Kipa) Der «Islamische Zentralrat Schweiz» (IZRS) hat sich am Freitag, 15. Januar, in Bern der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit seiner Gründung im vergangenen Oktober sind ihm 500 Passivmitglieder beigetreten. Er zählt 26 Aktivmitglieder. Frauen sind als Aktivmitglieder nicht zugelassen. Der IZRS vertritt einen «normativ-sunnitischen» Islam, hiess es an einer Pressekonferenz im Nobel-Hotel Bellevue. Der IZRS beruft sich quasi fundamentalistisch auf Koran und Sunna und klammert kulturelle Einflüsse weitgehend aus.

Die Pressekonferenz wurde durch einen Vorbeter mit der 19. Sure «Maria» eröffnet. Anschliessend hatten ausschliesslich die beiden zum Islam konvertierten Schweizer Nicolas Blancho, IZRS-Präsident, und Qaasim Illi, im fünfköpfigen Vorstand für Medienarbeit und Information zuständig, das Wort.

Gegensteuer geben

Der als Verein konzipierte Zentralrat sei gegründet worden, um in der Debatte über den Islam, die in letzter Zeit weitgehend eine antiislamische Dimension angenommen habe, Gegensteuer zu geben, sagte Blancho. Die Anti-Minarett-Initiative sei der bisherige Höhepunkt in diesem Anti-Islamismus gewesen.

Der IZRS wolle die Diskussion im Hinblick auf «weitere Verbote für Muslime» wie das Tragen der Burka positiv beeinflussen, das heisst weg von der Polemik, hin zur Sachlichkeit. Wenn nötig sollen weitere Kundgebungen organisiert werden. Der IZRS organisierte eine erste Kundegebung am vergangenen 12. Dezember in Bern im Anschluss an die Annahme der Anti-Minarett-Initiative durch die Schweizer Stimmberechtigten am 29. November.

Nationale Ambitionen

Es gebe zwar in der Schweiz verschiedene islamische Dachverbände, aber keine gesamtschweizerische Organisation, die einen «nationalen Aktivismus» fördere. Der IZRS, der seine Aktivität im Kanton Bern begonnen hat und heute rund einen Tausendstel der Muslime in der Schweiz vertritt , will darum kantonale Sektionen gründen. Die Legitimität des Zentralrats stehe und falle mit der Anzahl seiner Mitglieder, erklärte Qaasim Illi. Fernziel sei die öffentlich-rechtliche Anerkennung des IZRS.

An der Basis bauen

Vom «elitären interreligiösen Dialog», an dem Spitzenvertreter der Religionsgemeinschaften teilnehmen, hält der IZRS nichts. Er will vielmehr an der «Basis» arbeiten. Geplant sind Informations-Stände in den Schweizer Städten. Am kommenden Montag, 18. Januar, nimmt der IZRS eine telefonische Helpline «Islam Information» in Betrieb. Die Internet-Seite soll zudem ausgebaut werden.

Zielpublikum des IZRS sind jene Muslime, welche praktizieren, das heisst die Moschee besuchen und nicht einfach «Muslime auf dem Papier» sind. Mitglieder des IZRS sollen wöchentlich mindestens zwei Moscheen besuchen und dort die Besucher auf den Zentralrat aufmerksam machen mit dem Ziel, welches Präsident Blancho wie folgt formulierte: «Wir denken, dass der Islam die Lösung ist.» Die Muslime sollen einen Islam leben, der mit der Schweiz kompatibel sei. Man wolle besonders die jungen Muslime erreichen, denn «sie sind unsere Hoffnung».

Fatwa-Rat und Mediationen

Der IZRS will festsetzen, was in der Schweiz mit dem normativ-sunnitischen Islam vereinbar, also Halal, ist. Er will zudem einen «Fatwa-Rat» gründen, der für die Schweiz islamische Rechtsgutachten herausgibt. Der IZRS bietet sich auch für «Mediationen» an, um Streitfälle zu lösen und so den langen Weg über die Gerichte – «bis ans Bundesgericht»(Illi)– zu verhindern. Die Organisation möchte auch durch die Schweiz anerkannte islamische Schulen errichten.

Privatorganisation Blancho?

Auf die Frage eines Journalisten, ob der Zentralrat nicht ganz einfach ein Gebilde um den in Biel lebenden Nicolas Blancho sei, antwortete dieser: «Er ist nicht nur ein Verein, der mich repräsentiert.»

Die in Bern präsenten Aktivmitglieder zeichneten sich allesamt durch einen langen Bart und eine traditionelle islamische Männerkleidung aus. Gefragt, was unter «normativ-sunnitisch» zu verstehen sei, erklärte Blancho, dieser Islam berufe sich ausschliesslich auf den Koran und die Sunna. Und weiter: «Wir nehmen keine Rücksicht auf kulturelle Hintergründe». Letztere könnten nur berücksichtigt werden, wenn sie mit Koran und Sunna vereinbar seien.

Frauen könnendem IZRS nicht als Aktivmitglieder beitreten. Das sei mit dem normativ-sunnitischen Islam unvereinbar. Für die Frauen soll eine eigene Sektion gegründet werden. Diese kann an der Generalversammlung auftreten.

Die anderen Muslime

Mit anderen muslimischen Organisationen wie etwa der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios) oder der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (Fids) habe man Kontakt. Dem Schweizer Forum für einen fortschrittlichen Islam aber sprach Illi schlichtweg die Legitimität ab und rückte es in den Bereich der «Freidenker».

Finanziell werde der IZRS durch seine Mitglieder und durch Spenden getragen, hiess es an der Pressekonferenz. Die Spenden stammten dabei ausschliesslich aus der Schweiz.

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(kipa/gs/job)

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