Frauenpriestertum: Drei Schweizer Unterschriften unter dem Offenen Brief an den Papst
Zwölf reformorientierte Gruppierungen wenden sich in einem Offenen Brief an Papst Franziskus – darunter drei aus der Schweiz. Sie verlangen, dass die Weltsynode im Herbst auch das Thema Frauenpriestertum diskutiert. Simone Curau-Aepli vom Schweizerischen Katholischen Frauenbund sagt: «Die Gleichwürdigkeit aller Getauften muss endlich konkretisiert werden.»
Regula Pfeifer
Die Frage nach dem Frauenpriestertum «sollte von der Kirche ernst genommen werden», heisst es im Offenen Brief «Echte Synodalität: Frauenpriestertum auf der Weltsynode thematisieren«. Und dies besonders «in einer Weltsynode, die sich das ‹Zuhören› zum Ziel gesetzt hat».
«Wir erachten es als dringlich und wichtig, die Debatte über das Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche auf der Weltsynode 2024 zu ermöglichen und offiziell vorzusehen», heisst es im Brief. Diese Debatte müsse offen sein für jeden – Laien und Kleriker -, ebenso für alle Inhalte und Ergebnisse.
Deutscher Jurist als Initiator
Das Schreiben verfasst hat der deutsche Jurist und pensionierte Unternehmensberater Stephan Rohn aus Köln – und es auf seiner Webseite «Frauenweihe jetzt» veröffentlicht. Dort ist auch ersichtlich, dass Rohn schon früher Beiträge zum Thema publiziert hat – etwa in Zusammenarbeit mit der deutschen Reformbewegung Maria 2.0 oder mit der deutschen Theologin Ida Raming, die sich seit Jahrzehnten für das Anliegen einsetzt.
«Frauen in der Kirche werden subtil missachtet und erleiden häufig lebenslange Verletzungsgefühle.»
Stephan Rohn, Jurist und Verfasser des Offenen Briefes
Rohn bezeichnet sich als gut vernetzten Einzelkämpfer. Er schreibt auf Anfrage: «Für die Frauenweihe engagiere ich mich, seitdem mich vor einigen Jahren mehrfach Frauen in der katholischen Kirche – auch aus Frauenklöstern – an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben liessen; sie haben mir deutlich spürbar werden lassen, dass Frauen in unserer Kirche in der zweiten Reihe stehen, subtil missachtet werden und dadurch häufig lebenslange Verletzungsgefühle erleiden.»
Unterstützung aus der Schweiz
Den Offenen Brief unterzeichnet haben – abgesehen vom Autor – Vertreterinnen und Vertreter von zwölf reformorientierten Gruppierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aus der Schweiz dabei sind der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF), die Allianz Gleichwürdig Katholisch sowie die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche.
«Die Weltsynode ist der Kairos, um die Gleichwürdigkeit aller Getauften endlich anzuerkennen.»
Für den SKF hat Präsidentin Simone Curau-Aepli die Unterschrift gesetzt. Auf Nachfrage erklärt sie gegenüber kath.ch: «Der SKF ist überzeugt, dass der synodale Prozess der Ort ist, wo grundlegende Fragen einer zukunftsfähigen Kirche durch alle Beteiligten gestellt und diskutiert werden müssen. Es ist der Kairos, um die Gleichwürdigkeit aller Getauften endlich anzuerkennen und zu konkretisieren.»
Sie verlangt aber auch, dass erlaubt werden müsse, das Frauenpriestertum in den Regionen mit unterschiedlichen Tempi umzusetzen. Denn «dieses Schlüsselthema kommt in der Katholischen Weltgemeinschaft unterschiedlich an».
«Skandalöses Unrecht» beseitigen
Für die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche hat Stiftungsratspräsident und Theologe Odilo Noti unterschrieben. Gegenüber kath.ch erklärt er dies so: «Der Zugang zu bestimmten kirchlichen Ämtern – Diakonat, Priestertum, Bischofsamt – ist den Frauen allein schon aufgrund ihres Geschlechts verwehrt. Ein solcher Ausschluss ist diskriminierend – das ist evident.»
Der Ausschluss verstosse auch «gegen die menschliche Würde und gegen die Menschenrechte», so Noti. «Ebenso widerspricht er dem Geist des Evangeliums und seiner Botschaft der Freiheit und Gleichheit. Um einer glaubwürdigeren Kirche willen unterstützt die Herbert Haag Stiftung Initiativen, die sich für die Beseitigung dieses skandalösen Unrechts einsetzen.»
«Synodalität kann nur gelebt werden, wenn alles auf den Tisch kommt.»
Mentari Baumann, Allianz Gleichwürdig Katholisch
«Synodalität kann nur gelebt werden, wenn alles auf den Tisch kommt und von allen diskutiert wird – auch ein gleichgestaltetes Priestertum von Frauen und Männern», schreibt Mentari Baumann von der Steuergruppe Allianz Gleichwürdig Katholisch, die den Brief mitunterzeichnet hat. Die Zeit sei reif für die Debatte – und diese solle ergebnissoffen und grundsätzlich erfolgen – auch etwa über das Priesterbild oder die Berufung von Frauen.
«Eine Weltsynode, die sich heute nicht für eine Debatte über das Thema Frauenpriestertum in unserer Kirche öffnet, hätte ihren eigenen Anspruch verfehlt», kritisieren die Unterschreibenden im Brief an Papst Franziskus. Ausserdem würden mit dem Ausschluss dieser Frage auch die Gläubigen und Geistlichen ausgeschlossen, die sich dafür einsetzten. «Dagegen wenden wir uns mit diesem Offenen Brief.»
Seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung
Im Brief wird festgehalten: Über das Frauenpriestertum wird schon lange diskutiert. Seit Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils steht es auf der Tagesordnung. Es gibt bereits rund «300 Frauenpriesterinnen contra legem» (rechtswidrig, Red.), seit der ersten öffentlichen, kirchenrechtswidrigen Frauenweihe der «Donau sieben» im Jahr 2002. Die päpstliche Bibelkommission hat 1976 festgestellt, dass sich aus dem Neuen Testament kein Verbot von Priesterinnen herauslesen lasse. Und es gibt auch Bischöfe, die sich dafür einsetzen – etwa Erwin Kräutler.
Die Absage von Papst Johannes Paul II. von 1994 an das Frauenpriestertum ist laut dem Brief eine «lehramtliche Auffassung», die sich ändern könne und auch müsse. Und daran sollten sich die Christinnen und Christen beteiligen.
Loyale Kritisierende
Die freie Meinungsäusserung zuzulassen, ist laut den Unterzeichnenden wichtig. Auch für die Kirche. Denn eine Unterbindung würde den Niedergang der Kirche beschleunigen. «Wer offen über das Frauenpriestertum redet oder es für gut heisst, befolgt die kirchliche Lehre, auch wenn er Zweifel an ihr äussert», heisst es im Schreiben. Die Unterzeichnenden geben an, «loyal auf eine Änderung der Lehre» hinzuwirken.
Frauendiakonat aus Weltsynode rausgenommen
Ein paar Wochen nach der Weltsynode 2023 kommunizierte der Vatikan, dass wichtige Fragen von der Debatte an der Weltsynode herausgenommen und in separaten Studiengruppen besprochen werden. Im März wurde dann klar: Der Frauendiakonat gehört dazu. Darüber wird also in der kommenden Weltsynode diesen Oktober weder debattiert noch abgestimmt. Was für einige Entrüstung sorgte – und nun zu diesem Offenen Brief.
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