Die RKZ tagt im Rittersaal des Bischöflichen Schlosses von Chur.
Schweiz

Früher undenkbar: Im Bischöflichen Schloss in Chur tagt die RKZ

Unter Bischof Joseph Maria Bonnemain wird möglich, was unter den vorgängigen Bistumsleitungen kaum denkbar war: Die Dachorganisation der Kantonalkirchen tagte im Bischöflichen Schloss in Chur – dem Sitz des Bischofs, und zwar im frisch renovierten Rittersaal.

Regula Pfeifer

Bevor Joseph Maria Bonnemain Bischof von Chur wurde, war das Bischöfliche Schloss in Chur ein Ort, an dem kaum jemand Zugang hatte – ausser dem engen Kreis um den Bischof herum. Nicht einmal während der Wahl eines Bischofs. Kath.ch-Lesende mögen sich erinnern, wie am Tag der geplatzten Bischofswahl im November 2020 die Polizei aufgeboten war, um die Medienleute vor dem Schloss im Schach zu halten. Wer die gelbe Linie vor dem Gebäude überschritt, riskierte eine Anzeige des «Schlossherrn».

Frühere Bistumsleitung äusserte sich negativ über Kantonalkirchen

Das hat sich inzwischen gründlich geändert, wie seit letztem Samstag deutlich wurde. Denn an diesem Tag hielt die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) im altehrwürdigen Rittersaal ihre Plenarversammlung ab. Das ist insofern bemerkenswert, als die frühere Bistumsleitung unter Vitus Huonder – insbesondere Generalvikar Martin Grichting – sich immer wieder negativ über die öffentlich-rechtlichen Institutionen der Kirche geäussert hatten. Die Kantonalkirchen und ihre Dachorganisation RKZ standen dabei im Visier.

Martin Grichting
Martin Grichting

Dass ein Treffen am Sitz des Bischofs früher kaum denkbar war, bestätigt auch Urs Brosi, RKZ-Generalsekretär auf Anfrage von kath.ch. «Es wäre mir nicht bekannt, dass die RKZ in ihrer 55-jährigen Geschichte je einmal im Bischöflichen Schloss von Chur eine Plenarversammlung durchgeführt hätte», sagt er und fügt an: «Dass die früheren Bischöfe von Chur der nationalen Dachorganisation der von ihnen verfemten staatskirchenrechtlichen Struktur das eigene Haus für eine Plenarversammlung zur Verfügung gestellt hätten, war auch wenig wahrscheinlich.»

Heute herrscht gegenseitiger Respekt

Das Verhältnis der Bistumsleitung zu den staatskirchenrechtlichen Körperschaften habe sich «erst unter Bischof Joseph Maria wesentlich verändert», so Brosi. «Unser Verhältnis ist heute von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.»

«Es ist mir ein grosses Anliegen, dass das Bischofshaus der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, ein offenes Haus für alle wird.»

Bischof Joseph Maria Bonnemain

Das zeigte sich auch während der Plenarversammlung der RKZ vom Samstag. Bischof Joseph Maria Bonnemain hielt beim Empfang der Delegierten eine Rede. «Es freut mich, Sie heute hier in Chur, am historischen Sitz unseres Bistums, herzlich willkommen zu heissen. Es freut mich besonders, dass Sie Ihre Plenarversammlung im Rittersaal des Bischöflichen Schlosses abhalten», sagte er gemäss publiziertem Redebeitrag auf der Bistumswebseite. Und er betonte: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass das Bischofshaus der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, ein offenes Haus für alle wird.»

Die RKZ tagt im Rittersaal des Bischöflichen Schlosses von Chur, 29. Juni 2025
Die RKZ tagt im Rittersaal des Bischöflichen Schlosses von Chur, 29. Juni 2025

Bischof nahm sich Zeit für RKZ-Delegierte

Bischof Bonnemain habe sicher «ein positives Zeichen zur RKZ setzen wollen», sagt Urs Brosi. Er habe sich auch vier Stunden Zeit genommen, um mit den Delegierten zusammen zu sein.

Der Bischof selbst sagt auf Anfrage von kath.ch: «Es hat mich sehr gefreut, dass die RKZ dieses Mal in Chur getagt hat, und zwar in den Räumlichkeiten des Bistums.» Er sei überzeugt: «Wir werden im dualen System der katholischen Kirche in der Schweiz nur mit vereinten Kräften die gegenwärtigen Herausforderungen in Kirche und Staat bewältigen können.» Die Bischöfe müssten die anstehenden Aufgaben gemeinsam mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften angehen. «Es geht darum, Synergien zu schaffen und die Zusammenarbeit zu fördern – konstruktiv und auf Augenhöhe», so Bonnemain.

Gediegenes Ambiente und Willkommenskultur

In einem «solch noblen Versammlungsraum» tage die RKZ höchst selten, sagt Urs Brosi. «Der Rittersaal und das Schloss boten ein sehr gediegenes Ambiente, das die Delegierten beeindruckt hat.» Doch nicht nur das Äusserliche erlebten die RKZ-Gäste als angenehmen. Der Bischof und alle Mitarbeitenden, mit denen sie im Schloss und im Priesterseminar zu tun hatten, hätten den knapp 50 Delegierten vermittelt, wirklich willkommen zu sein. «Alle waren sehr zuvorkommend und boten eine perfekte Organisation», so Brosi. Die Delegierten hätten sich «sichtlich wohl gefühlt».

In Chur vereint: Thomas M. Bergamin von der Bündner Kantonalkirche, Bischof Joseph Maria Bonnemain, RKZ-Präsident Roland Loos und der Bündner Regierungspräsident Marcus Caduff
In Chur vereint: Thomas M. Bergamin von der Bündner Kantonalkirche, Bischof Joseph Maria Bonnemain, RKZ-Präsident Roland Loos und der Bündner Regierungspräsident Marcus Caduff

Die Frage, ob der Churer Bischof sich mit der Aufnahme der RKZ am Bistumssitz von der früheren Leitung seines Bistums distanziere, möchte Joseph Bonnemain nicht beantworten. «Wie Papst Leo seit seinem Amtsbeginn ununterbrochen unterstreicht, sollten wir alle die Einheit und Eintracht fördern, Polarisierungen und Zwietracht überwinden», sagt Bonnemain stattdessen. Jesus’ Vermächtnis, dass alle eins seien, bleibe bis heute aktuell.

Positiver Nebeneffekt in aktueller Belastungsprobe

Die unzähligen Missbrauchsfälle, die im Herbst 2023 durch die Pilotstudie ans Licht kamen, spielen eine Rolle, dass die Beziehung sich verbessert: «Die konsequente Bewältigung der Missbräuche im kirchlichen Kontext durch eine umfassende Aufarbeitung der Vergangenheit sowie durch wirksame Prävention und Intervention erfordert, dass alle Akteure der katholischen Kirche sich zusammentun und zusammenarbeiten», lässt Bischof Bonnemain mitteilen.

Der Churer Bischof Joseph Bonnemain spricht an der Medienkonferenz zur Missbrauchsstudie - neben ihm die damalige RKZ-Präsidentin Renata Asal-Stegher
Der Churer Bischof Joseph Bonnemain spricht an der Medienkonferenz zur Missbrauchsstudie - neben ihm die damalige RKZ-Präsidentin Renata Asal-Stegher

Und Brosi konkretisiert: «Ich glaube, dass die intensive Arbeit an der Missbrauchsproblematik zumindest auf das Verhältnis zwischen Bischof Joseph Maria einerseits und unserem Präsidenten und mir andererseits eine wesentliche Rolle spielt.» Seit Bischof Joseph Maria zudem Vizepräsident der SBK ist, begegneten sie sich auch im Kooperationsrat, der zwischen den Präsidien von SBK und RKZ eingerichtet ist. «Wir sehen uns also mindestens monatlich einmal an einer Sitzung und haben daneben häufigen Austausch per Mail», so Brosi. Das wirke sich positiv aus. «Es ist ein grosses Vertrauen gewachsen, dass die andere Seite sich in guter Absicht für dasselbe Ziel engagiert, auch wenn wir nicht immer denselben Weg beschreiten wollen.»

Die Bündner waren dran

Die RKZ versammelt sich zweimal pro Jahr reihum in einem der Kantone. Jede kantonalkirchliche Organisation ist somit alle elf oder zwölf Jahre an der Reihe, die Plenarversammlung zu organisieren. Den Ort des Treffens bestimmt sie dann selbst. Für letzten Samstag war die Bündner Kantonalkirche zuständig.

Thomas M. Bergamin, Präsidenten der Katholischen Landeskirche des Kantons Graubünden, hat beim Bischof von Chur angefragt, ob die Räumlichkeiten des Bischöflichen Schlosses und des Priesterseminars St. Luzi dafür zur Verfügung stünden. «Selbstverständlich haben wir gerne zugesagt», so Bonnemain.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Dass das bischöfliche Schloss dafür zur Verfügung stand, ist der neuen Offenheit des Bischofs von Chur und der verbesserten Beziehungen der kirchlichen Player zu verdanken. «Das Bischofshaus ist ein offenes Haus, in dem alle willkommen geheissen werden», teilt Bonnemain mit.

Wer im frisch renovierten Rittersaal des bischöflichen Schlosses einen Anlass durchführen möchte, kann sich melden über die Mailadresse: rittersaal@bistum-chur.ch


Die RKZ tagt im Rittersaal des Bischöflichen Schlosses von Chur. | © zVg
2. Juli 2025 | 07:00
Lesezeit : ca. 4  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!