Die Mönche von Hauterive (FR) in ihrer frisch renovierten Abteikirche.
Schweiz

Frisch renoviert – Mönche von Hauterive bekommen ihre Kirche zurück

Jüngst hat Marc de Pothuau den Schlüssel der Abteikirche Sainte Marie von Hauterive aus den Händen des Präsidenten der Baukommission entgegengenommen – nach vierjähriger Restaurierung des Sakralbaus. «Diese Renovierung ist ein grosses Geschenk für unsere Gemeinschaft und die Gläubigen», sagte der Abt des Zisterzienserklosters.

Maurice Page (cath.ch)

Die Emotionen waren in den Stimmen und Blicken der anwesenden Handwerker deutlich zu spüren. Erbaut im Jahre 1138 hat die Abteikirche Sainte Marie von Hauterive (Altenryf) nun nach einer vierjährigen Restaurierung wieder ihren Glanz zurückerlangt. Die Übergabe des Schlüssels an Abt Marc de Pothuau durch Charles Henri Lang, Präsident der Baukommission, war ein starkes Symbol für diese Erneuerung.

Charles Henri Lang, Präsident der Baukommission, übergibt den Schlüssel der Klosterkirche dem Abt, Marc de Pothuau.
Charles Henri Lang, Präsident der Baukommission, übergibt den Schlüssel der Klosterkirche dem Abt, Marc de Pothuau.

Die Erhaltung des Kulturerbes, die Neugestaltung des liturgischen Raums und die Verbesserung des Komforts waren die drei Ziele des Bauvorhabens. Dieses habe sowohl den Zeitplan als auch das Budget von fast 10 Millionen Franken eingehalten, sagte der ehemalige Freiburger Staatsrat Georges Godel und Präsident der Stiftung Hauterive an der Medienkonferenz.

Die Kirche der Zisterzienser-Abtei Hauterive wurde im Jahr 1138 erbaut.
Die Kirche der Zisterzienser-Abtei Hauterive wurde im Jahr 1138 erbaut.

Diese Stiftung ist seit 1966 Eigentümerin der Kirche der Zisterzienserabtei, die sich in Posieux, einem Ortsteil der Gemeinde Hauterive, befindet. Das Gotteshaus ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung geschützt.

Eine feiernde Gemeinde

Seit Beginn der Restaurierung hatten die Mönche von Hauterive den Wunsch geäussert, sich den Gläubigen anzunähern und im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils eine «feiernde Gemeinde» zu bilden. Der erste Entwurf für den liturgischen Raum, der eine Verlegung des Chorgestühls vorsah, um eine grössere Nähe zu den Gläubigen zu gewährleisten, wurde jedoch 2018 von der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege abgelehnt.

Stanislas Rück, Leiter des Amts für Kulturgüter des Kantons Freiburg, stellt den neu gestalteten Kirchenraum der Abtei Hauterive vor.
Stanislas Rück, Leiter des Amts für Kulturgüter des Kantons Freiburg, stellt den neu gestalteten Kirchenraum der Abtei Hauterive vor.

Der zweite Entwurf stammt vom französischen Architekten Jean-Marie Duthilleul. Er verbindet den Wunsch der Mönche mit den Erfordernissen des Denkmalschutzes. Das Ergebnis entspricht den Erwartungen.

Spätgotisches und modernes Chorgestühl

Gleich beim Betreten der Kirche wird der Blick auf das grosse Glasfenster gelenkt, das den Altar beleuchtet. Das wunderschön restaurierte Chorgestühl – es stammt aus dem 15. Jahrhundert – bildet eine Art Allée, die zum Chorraum führt. Es wurde Stück für Stück demontiert und restauriert. Dabei kamen seltene Malereien aus der Renaissance zum Vorschein, die bisher von den Barockaltären verdeckt waren. Das spätgotische Chorgestühl wurde originalgetreu wieder aufgebaut, sodass die Malereien nun zur Geltung kommen.

Das spätgotische (vorne) und das zeitgenössische Chorgestühl.
Das spätgotische (vorne) und das zeitgenössische Chorgestühl.

Das von Bänken und Altären befreite Kirchenschiff wiederum ist nun ein Raum für den Wortgottesdienst, ausgestattet mit zwei Reihen zeitgenössischer Chorgestühle, auf denen die Gläubigen einander gegenübersitzen. Während der Gottesdienste begleiten die Gläubigen künftig die Mönche auf ihrem Weg vom Kirchenschiff durch das Chorgestühl zum Chorraum.

Freiburger Künstlerin vervollständigt Glasfenster

Der liturgische Raum wird durch das grosse Glasfenster beleuchtet, das bei der barocken Renovierung der Kirche zwischen 1755 und 1775 stark beschädigt worden war. Der fehlende untere Teil des Fensters, der mit Molassepfropfen verschlossen war, wird heute durch das Werk «Laudes» der Freiburger Künstlerin Catherine Liechti zum Thema Frieden ergänzt.

Die Freiburger Künstlerin Catherine Liechti hat den unteren Teil des Glasfensters neu gestaltet.
Die Freiburger Künstlerin Catherine Liechti hat den unteren Teil des Glasfensters neu gestaltet.

Dieses originelle Werk, das in Zusammenarbeit mit dem Glasermeister Pascal Moret entstand, ist eine Meisterleistung der Glasmalerei. Liechti präsentiert darin eine neuartige geometrische Struktur, die 2023 von Mathematikern entdeckt wurde. Man kann darin einen Flug von Tauben sehen. «Dieser Zusatz beleuchtet nicht nur den Hauptaltar, der seit der Gründung im Jahr 1150 unverändert geblieben ist, sondern zieht uns auch zum Himmel hin», sagte Marc de Pothuau jüngst.

Seitenkapelle wird wieder zum Andachtsraum

Die gotische Seitenkapelle Saint-Nicolas, die ab 1320 erbaut wurde, wird künftig wieder als Ort der Andacht genutzt werden. Früher war sie leer, feucht und für die Öffentlichkeit geschlossen. Nun wurde sie mit zeitgenössischem liturgischem Mobiliar ausgestattet. «Hier werden sich die Mönche morgens um vier Uhr versammeln, um die Vigil zu beten», erklärte Marc de Pothuau.

Das künstlerische und historische Erbe werde durch das lebendige Erbe des Klosterlebens ergänzt, betonte Stanislas Rück, Leiter des Amts für Kulturgüter des Kantons Freiburg.

Seit dem 15. Jahrhundert beten die Mönche von Hauterive in diesem spätgotischen Chorgestühl.
Seit dem 15. Jahrhundert beten die Mönche von Hauterive in diesem spätgotischen Chorgestühl.

Bei der gesamten Restaurierung wurde auch besonderes Augenmerk auf die Beleuchtung gelegt. Diese soll sowohl die verschiedenen architektonischen Elemente hervorheben als auch die spirituelle Atmosphäre – je nach Tages- und Nachtzeit und Jahreszeit – verstärken.

Offizielle Einweihung am 4. September

Die Kirche, die bereits für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird am 4. September in Anwesenheit des Bischofs von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, und Vertretern aus der Politik offiziell eingeweiht.

Die Gläubigen müssten jedoch ein kleines Opfer bringen, sagte Marc de Pothuau. Der Kreuzgang, der während der Bauarbeiten geöffnet war, um den Zugang zur provisorischen Kapelle zu ermöglichen, werde wieder ausschliesslich den Mönchen vorbehalten sein und nur im Rahmen von organisierten Besichtigungen zugänglich sein. (Adaption aus dem Französischen: bal)

Am 13. und 14. September wird die restaurierte Abteikirche anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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Die Mönche von Hauterive (FR) in ihrer frisch renovierten Abteikirche. | © Maurice Page
1. Juli 2025 | 12:00
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