Simone Curau-Aepli, Präsidentin Schweizerischer Katholischer Frauenbund SKF
Schweiz

Frauenbund: «Sarco-Werbung birgt Gefahr der Beschönigung des assistierten Suizids»

Der Schweizerische Katholische Frauenbund positioniert sich neu zum assistierten Suizid. Er steht dem offen, aber kritisch gegenüber nach dem Motto: «Es gibt ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht zu leben.» Den Einsatz der Sterbekapsel Sarco beurteilt der Verbandsvorstand als gefährlich.

Regula Pfeifer

Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) hat sein Positionspapier zum assistierten Suizid von 2019 überarbeitet. Neu stellt der Verbandsvorstand «das unerträgliche und schwerwiegende Leiden eines Menschen in den Fokus», schreibt der SKF. Dies sei ein Perspektivenwechsel. Nun stünde die subjektive Wahrnehmung des leidenden Menschen im Vordergrund.

Unerträgliches Leiden weiter gefasst

Als Ursache für ein unerträgliches Leiden brauche es gemäss SKF nicht unbedingt ein krankheitsbedingtes, körperliches oder psychisches Leiden. Auch Einschränkungen im Alltag und in sozialen Beziehungen, Verluste sowie das Erleben von Sinn- und Hoffnungslosigkeit könnten zu einem unerträglichen Leiden führen.

HIer unterscheidet sich die Meinung des SKF von den berufsspezifischen Vorgaben der Schweizer Ärzteschaft, die eine medizinische Diagnose voraussetzen. «Der Verbandsvorstand erachtet die SAMW-Richtlinien als wertvoll und wichtig, da sie eine gründliche Prüfung des Sterbewunsches und eine intensive Beratung gewährleisten», so der SKF.

Patient in einer Palliativstation eines Spitals
Patient in einer Palliativstation eines Spitals

Doch Selbstmord, auch assistierter Suizid, ist laut dem Dachverband der katholischen Frauen nicht die erstbeste Lösung für eine extrem leidende Person. Vielmehr gehe es zuerst darum, das Leiden zu lindern und Alternativen zum assistierten Suizid zu suchen, etwa palliative Betreuung. Der Vorstand argumentiert mit dem Recht auf Leben eines jeden Menschen.

Dieses beruhe in der christlichen Lehre auf der unveräusserlichen Würde des Menschen aufgrund seiner Ebenbildlichkeit mit dem Göttlichen. Kranke, betagte Personen dürften keinerlei Druck hin zum Suizid ausgesetzt werden.

Selbstbestimmung ja, aber

Selbstbestimmung bezeichnet der SKF als «wichtigen Wert». Doch jeder Mensch lebe auch in einem sozialen Gefüge. Deshalb sieht es der SKF-Vorstand «als unverzichtbar an, dass der Mensch mit Sterbewunsch und ihm nahestehende Personen miteinander ins Gespräch kommen».  Dafür brauche es Fachpersonen und gestaltete Verfahren.

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Über den aktuellen Umgang mit assistierten Suizid hierzulande zeigt sich die Frauenorganisation zufrieden. «Das Gesetz sowie die aktuellen Richtlinien von SAMW, FMH und der verschiedenen Sterbeorganisationen in der Schweiz gewährleisten bislang eine gewissenhafte Prüfung des Sterbewunsches», heisst es im Positionspapier.

Die Reglementierung trage dazu bei, dass die Sterbehilfe «verantwortungsvoll und respektvoll gehandhabt wird».

Allerdings plädiert der SKF-Verbandsvorstand laut eigenen Worten dafür, «das Kriterium des schwerwiegenden Leidens weiter zu fassen».

Kritik an der Sterbekapsel Sarco

Klare Kritik übt der Frauenbund hingegen am Einsatz der Suizidkapsel Sarco. Einerseits sei die Rhetorik der Sterbehilfeorganisation «The Last Resort» befremdlich bis stossend und klinge stark nach Werbung. Dies berge die Gefahr einer Beschönigung oder gar Glorifizierung des assistierten Suizids.

Die Suizidkapsel "Sarco"
Die Suizidkapsel "Sarco"

Ausserdem seien die Verfahren rund um Sarco intransparent und zu wenig reguliert. So brauche es nur ein ärztliches Gutachten, das die Urteilsfähigkeit der Person bestätigt und ein Mindestalter von 50 Jahren.

Weiter gebe es keine Vorgaben und keine Arztkonsultationen. «Die Organisation setzt die Hürden niedrig und priorisiert die Selbstbestimmung auf eine Weise, die zu überstürzten Entscheidungen führen kann», kritisiert der SKF.

Link zum SKF-Positionspapier zum assistierten Suizid


Simone Curau-Aepli, Präsidentin Schweizerischer Katholischer Frauenbund SKF | © zVg
26. Januar 2025 | 16:00
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