Doris Strahm, feministische Theologin | © zVg
Schweiz
Doris Strahm, feministische Theologin | © zVg

Feministische Theologin Doris Strahm hält Burkaverbot für «absurd»

Basel, 14.8.16 (kath.ch) Seit dem Plädoyer des Zürcher Regierungsrats Mario Fehr für ein Burkaverbot haben in der Sonntagspresse Politikerinnen verschiedener Parteien Verständnis für ein Verhüllungsverbot gezeigt oder zumindest ihrer Skepsis gegenüber der Burka Ausdruck verliehen. Die feministische Theologin Doris Strahm (62) lässt sich von der grassierenden Burkaphobie nicht anstecken. «Es geht nicht an, dass ein liberaler Staat Kleidervorschriften erlässt», sagte sie auf Anfrage. Mit einem Burkaverbot würde der Staat eine religiöse Minderheit diskriminieren.

Barbara Ludwig

Eine pluralistische Gesellschaft müsse damit umgehen können, dass Frauen aus persönlicher religiöser Überzeugung einen Schleier tragen. «Wenn eine Street Parade möglich ist, warum dann nicht auch das Burkatragen?», fragte die Mitbegründerin der feministisch-theologischen Zeitschrift Fama, die auch Mitglied im Vorstand des Interreligiösen Think-Tanks ist. Burkaträgerinnen stellten in der Schweiz eine verschwindende Minderheit dar. «Ihretwegen ein Verhüllungsverbot in der Verfassung zu verankern, ist völlig absurd», findet Strahm.

Die Theologin wirft den Initianten der Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» vor, die muslimische Glaubensgemeinschaft diskriminieren zu wollen, auch wenn sie vorgäben, sich mit einem Burkaverbot für die Befreiung der Frauen einzusetzen. Strahm zeigte sich empört darüber, dass es ausgerechnet jene Kreise sind, die sich sonst nicht für die Gleichstellung stark machten. Sie ist zudem der Ansicht, ein Burkaverbot würde unterdrückten Frauen nicht helfen.

Respekt für Ausdruck von Religiosität

Strahm kann nach eigenen Angaben nicht ganz nachvollziehen, warum muslimische Frauen sich in der Öffentlichkeit verhüllen möchten. Sie respektiert das aber, wenn die Betreffenden dies aus freien Stücken machen, um damit eine religiöse Pflicht zu erfüllen. «Respekt ist gerade dort gefordert, wo man ein bestimmtes Verhalten selber nicht nachvollziehen kann», so die Theologin. Für Strahm sind der muslimische Schleier und der Schleier von Ordensfrauen durchaus vergleichbar, nämlich dann, wenn das Kleidungsstück Teil der religiösen Identität und Ausdruck des Glaubens ist.

Das Verständnis der Theologin für die Verschleierung – ob nun das ganze Gesicht oder nur ein Teil desselben verborgen wird – hört dann auf, wenn Frauen dazu gezwungen werden; von ihrem Umfeld oder wem auch immer.

Strahm erinnerte daran, dass der Interreligiöse Think Tank, ein Zusammenschluss von Exponentinnen des interreligiösen Dialogs, bereits 2010 in einer Stellungnahme ein Burkaverbot abgelehnt hat.

Politikerinnen äussern sich in Sonntagspresse

In der Sonntagspresse haben verschiedene Politikerinnen ihre Mühe mit der Burka bekundet. Dabei haben sich aber nicht alle für ein Verbot ausgesprochen. Zu den Politikerinnen, die Nein zur Burka sagen und ein Verbot ablehnen, gehören laut dem «Sonntagsblick» (14. August) die SP-Ständerätin Anita Fetz (BS) sowie die SP-Nationalrätin Cesla Amarelle (VD).

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel unterstützt laut dem «Sonntagsblick» demgegenüber ein landesweites Burkaverbot – zwar nicht in der Verfassung, aber auf Gesetzesstufe. Und auch die Luzernerin Ida Glanzmann, für die CVP im Eidgenössischen Parlament, befürwortet ein Verhüllungsverbot: «Nach den jüngsten Anschlägen ist mehr denn je klar, dass es ein Verhüllungsverbot braucht», lässt sie sich von der Zeitung zitieren. Zu den Anhängerinnen eines Verbots zählt auch die FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger (BL), heisst es im «Sonntagsblick».

Laut der «Berner Zeitung» (14. August) sympathisiert auch der Waadtländer Staatsrat Pierre-Yves Maillard von der SP mit der Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot». Sein Parteikollege, der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr, hatte am Donnerstag, 11. August, mit seinem Votum zugunsten eines Burkaverbots Aufsehen erregt.

Über 30’000 Unterschriften für Anti-Burka-Initiative

Die Initianten der Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» haben bereits über 30’000 Unterschriften gesammelt, wie der frühere SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer gegenüber dem «Sonntagsblick» sagte. Die Sammelfrist für das Volksbegehren, das ein Verhüllungsverbot in der Verfassung verankern will, dauert bis Mitte September kommenden Jahres.

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