Kühe | © pixabay.com
Schweiz
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Fastenopfer fordert Wechsel zu nachhaltiger Landwirtschaft

Luzern, 17.9.18 (kath.ch) Fastenopfer unterstützt das Anliegen der Initiative «Für Ernährungssouveränität», die eine kleinbäuerliche, auf die regionale Versorgung ausgerichtete Landwirtschaft und damit eine Wende in der Schweizer Agrarpolitik fordert. Den Gegnern, die höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte befürchten, wirft Fastenopfer Schwarzmalerei vor. Über die Initiative wird am kommenden Sonntag abgestimmt.

Barbara Ludwig

«Wir brauchen endlich einen klaren Wechsel hin zu einer echt nachhaltigen Landwirtschaft. In der Schweiz ebenso wie im Ausland», sagt Claudia Fuhrer, beim katholischen Hilfswerk zuständig für das Thema «Recht auf Nahrung», auf Anfrage. Dazu brauche es auch die «richtigen Rahmenbedingungen».

Für diese Rahmenbedingungen soll nach dem Willen der Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre, die die eidgenössische Volksinitiative «Für Ernährungssouveränität» lanciert hat, der Bund sorgen. Mit einer ganzen Reihe Massnahmen. Das Ziel ist eine «einheimische bäuerliche Landwirtschaft», die «einträglich und vielfältig» ist, «gesunde» Lebensmittel produziert und den gesellschaftlichen und ökologischen Erwartungen der Bevölkerung gerecht wird, heisst es im Initiativtext.

Gegen lange Transportwege

Die Initianten wollen etwa, dass wieder mehr Menschen in der Landwirtschaft tätig sind, sprich, dass der Bund etwas gegen das Bauernsterben unternimmt. Auch Fastenopfer findet das sinnvoll. «Je mehr im Inland produziert werden kann, desto mehr lassen sich lange Transportwege – mit einem hohen und klimaschädigenden CO2-Ausstoss – vermeiden», sagt Fuhrer. Das Hilfswerk befürwortet deshalb auch Massnahmen zugunsten besserer Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft.

Die Initiative will aber auch Einfuhrzölle für landwirtschaftliche Erzeugnisse, um die einheimische Produktion zu schützen und ausländische Produkte zu verteuern, die den in der Schweiz geltenden sozialen und ökologischen Bedingungen nicht entsprechen. Ausserdem soll der Bund für «gerechte Preise» in allen Produktionszweigen und -ketten sorgen. Gegner der Initiative befürchten deshalb steigende Preise für Lebensmittel.

Vorwurf an Gegner: Schwarzmalerei

Claudia Fuhrer räumt ein, dass die Preise für Lebensmittel «etwas» steigen könnten, «wenn sie strengeren Kriterien unterliegen». Die Gegner versuchten aber, «bewusst ein schwarzes Bild zu malen», sagt sie.

Fastenopfer strebe eine Gesellschaft an, die bewusster konsumiere. Das bedeute saisonal und regional, erklärt Fuhrer. Es sei Aufgabe von Politik und Gesellschaft, diese Wende im Konsumverhalten «auch für sozial Schwächere finanzierbar zu machen».

Das katholische Hilfswerk gebe keine Stimmempfehlung ab, weil seine Projektarbeit in Ländern des Südens stattfinde, die Initiative ihren Fokus aber auf die Situation im Inland richte, so Fuhrer.

Höhere Steuern oder doch nicht?

Laut dem überparteilichen Gegenkomitee hätte die Initiative auch eine Erhöhung der Steuern zur Folge. Wegen des «ausufernden Kontrollapparates des Staates», der für die Umsetzung nötig wäre, wie es im Argumentarium heisst. Claudia Fuhrer sagt dagegen, dass Prognosen in diesem Bereich «schwierig» seien. «Die Initiative ist visionär und breit angelegt und lässt viel Spielraum in der gesetzlichen Umsetzung», sagt die Vertreterin des Hilfswerks.

Bauernverbände beschlossen Stimmfreigabe

Die Volksinitiative, die am kommenden Sonntag zur Abstimmung kommt, geniesst wenig Unterstützung. Der Bundesrat empfiehlt sie zur Ablehnung. Bei einer Annahme würden die «Errungenschaften» der Agrarreform der letzten 25 Jahre in Frage gestellt, schreibt er in seiner Botschaft vom 15. Februar 2017. Er befürchtet zudem eine Schwächung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Landwirtschaft und eine Einschränkung des aussenwirtschaftlichen Handlungsspielraums der Schweiz. Auch das Parlament lehnt die Initiative ab.

Fast alle Parteien haben die Nein-Parole gefasst. Nur die SP und die Grünen werben für ein Ja an der Urne. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Schweizerische Gewerbeverband haben die Nein-Parole gefasst. Die Landwirtschaft scheint uneins. So haben der Schweizerische Bauernverband (SBV) und der Westschweizer Bauernverband Agora Stimmfreigabe beschlossen.

Fastenopfer auch für «Fair-Food-Initiative»

Fastenopfer unterstützt auch die «Fairfood-Initiative», die ebenfalls am kommenden Sonntag vors Volk kommt. Sie verlangt, dass Lebensmittel «im Einklang mit dem Tierwohl und der Umwelt und unter fairen Arbeitsbedingungen» produziert werden.


Oeku gibt die Ja-Parole zur Fair-Food-Initiative heraus

Weizen | © Barbara Ludwig
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Schwein | © pixabay/Alexas Fotos CCO
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