Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten | © 2014 Josef Bossart
Schweiz
Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten | © 2014 Josef Bossart

Synode: Bischof Lovey will in Rom keine bestimmte Gruppe vertreten

Sitten VS, 3.6.15 (kath.ch) Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten, nimmt im Herbst als Vertreter der katholischen Kirche Schweiz an der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie in Rom teil. Im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (3. Juni) sagte Lovey, er gehe «nicht als Delegierter einer bestimmten Gruppe nach Rom». Der Bischof antwortete auf die Frage, ob er sich als «Advokat» jener Mehrheit der Schweizer Katholiken sehe, die einen Wandel wollen.

Die Mehrheit der Katholiken wünscht sich eine neue Ehepastoral und fordert einen anderen Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen. Dies zeigten die Gespräche, die in der Schweiz im Februar und März als Vorbereitung auf die Synode geführt wurden. Deren Ergebnisse publizierte die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) am 5. Mai in Form eines Berichts.

Die Katholiken seien «nicht nur jene, die an den Befragungen teilnahmen», sagte Lovey gegenüber der Zeitung. Die Kirche müsse alle Gläubigen «im Augen haben, nicht nur jene, die einen Weg ausserhalb der Norm gewählt haben».

Die «hohen Erwartungen» würden die Reflexion darüber anregen, wohin sich die Kirche entwickeln soll, so Lovey weiter. «Ich glaube aber nicht, dass sich die Menschen sofort extrem präzise Anworten auf drängende Fragen erhoffen.» Man dürfe nicht vergessen, dass sich die Synode nicht nur mit den Problemen der Schweizer Katholiken zu befassen habe. In anderen Kontinenten stünden andere Herausforderungen im Vordergrund, etwa die Armut in Südamerika oder die Polygamie in Afrika.

Eucharistie für Wiederverheiratete? Lovey weicht aus

Auf die Frage, ob er eine Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten begrüsse, antwortete der Bischof von Sitten ausweichend. Die Frage sei «so ein wenig brutal gestellt». Natürlich sei die Eucharistiefeier ein «wichtiger Teil des Lebens eines Katholiken – doch man darf nicht alles darauf reduzieren». Daneben gebe es auch das Gemeindeleben, das Gebet und die Meditiation.

Die Bischofssynode tagt vom 4. bis 25. Oktober unter dem Thema «Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute» in Rom. Die Schweizer Bischöfe entschieden, im Herbst 2015 Lovey nach Rom zu schicken. An der ersten, ausserordentlichen Familiensynode 2014 hatte der St. Galler Bischof und Präsident der SBK, Markus Büchel, die katholische Kirche Schweiz vertreten. (bal)

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