Gemeinschaft der Schwestern von "Maria Stella Matutina".
Schweiz

Expertin zu «Maria Stella Matutina»: Begleitung durch lokale Kirche wichtig

Das Bistum St. Gallen geht bezüglich der Ansiedlung der Schwesterngemeinschaft «Maria Stella Matutina» im Kloster Wonnenstein über die Bücher, wie im Dezember bekannt wurde. Die Expertin Mari Carmen Avila sagt, im Falle einer Niederlassung in der Schweiz sei die Integration in die lokale Kirche wichtig.

Barbara Ludwig

Mari Carmen Avila ist verantwortlich für die Prävention von Missbrauch im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg. Die Expertin kennt die umstrittene Gemeinschaft der Schwestern von «Maria Stella Matutina» nur «vom Hörensagen», wie sie auf Anfrage von kath.ch sagt. Zu den Vorwürfen gegenüber der 2014 in Spanien gegründeten Gemeinschaft kann sie nicht Stellung nehmen.

Avila macht darauf aufmerksam, dass «Maria Stella Matutina» bereits eine erste kirchenrechtliche Genehmigung als «öffentliche Vereinigung von Gläubigen» erhalten habe, die auf dem Weg ist, ein Institut des geweihten Lebens zu werden.

Endgültige Genehmigung steht noch aus

Konkret bedeutet das zum einen, dass «Maria Stella Matutina» derzeit noch nicht den kirchenrechtlichen Status eines Instituts des geweihten Lebens hat und die Schwestern noch keine geweihten Personen sind (siehe Box). Zum andern bedeutet es auch, so Avila, dass der Bischof, der diese Genehmigung erteilt hat, seinerseits vom Vatikan grünes Licht erhalten habe, damit dieses Institut entstehen kann.

Mari Carmen Avila, Präventionsbeauftragte des Bistum Lausanne, Genf und Freiburg.
Mari Carmen Avila, Präventionsbeauftragte des Bistum Lausanne, Genf und Freiburg.

Es müsse jedoch noch einige Zeit vergehen, «bis sich zeigt, ob der in ihren Regeln vorgeschlagene Lebensstil ein Lebensstil ist, der in aller Freiheit gelebt werden kann und zur beruflichen Erfüllung führt». Die endgültige Genehmigung hänge davon ab, ob sich «Früchte» zeigen oder nicht. Mit der ersten Anerkennung gehe die Kirche wohl davon aus, dass «die Gemeinschaft das, was sie zum Wohl ihrer Mitglieder vorschlägt, auch leben kann», so die Expertin.

Versäumnisse in der Vergangenheit

Sie wisse nicht, ob die Gemeinschaft «Maria Stella Matutina» von der Kirche eng begleitet werde, sagt Mari Carmen Avila weiter. In der Vergangenheit seien viele Gemeinschaften indes «problematisch» geworden, weil es an einer Begleitung durch die Kirche mangelte. In diesen Fällen habe es die Kirche «versäumt, mögliche Fehlentwicklungen zu korrigieren, bis es zu spät war» und sie in vielen Situationen gezwungen war, zu intervenieren anstatt zu begleiten.

Beispiele betroffener Gemeinschaften in der Schweiz könne sie nicht nennen, sagt Avila. «Aber die meisten Neuen Geistlichen Gemeinschaften hatten Probleme und waren Gegenstand apostolischer Visitationen.» Eine apostolische Visitation ist eine offizielle Untersuchung der Kirche, die von der zuständigen Autorität angeordnet wird, um das Leben, die Disziplin, die Leitung und die kirchliche Treue einer Institution oder Gemeinschaft zu bewerten.

Zu den Gemeinschaften, die visitiert wurden, zählt etwa die Johannesbrüder, gegründet vom französischen Dominikaner Marie-Dominique Philippe (1912-2006).

Bezugsperson innerhalb der Diözese

Sollte sich die Gemeinschaft «Maria Stella Matutina» tatsächlich in der Schweiz niederlassen, sei es wichtig, dass sie sich in die örtliche Kirche integriere, sagt Avila.

Es brauche innerhalb der Diözese, in der sich die Gemeinschaft ansiedelt, eine Bezugsperson. Diese müsse kontrollieren, ob die Gemeinschaft die Schritte befolgt, die die Kirche für die endgültige Anerkennung vorgibt, und gemeinsam mit ihr ihre Anwesenheit und ihre apostolischen Aktivitäten sorgfältig überprüfen.

Denn: «In den Diözesen sind wir dafür verantwortlich, die Freiheit der Ausübung und das Wohlergehen der Mitglieder unserer Gemeinschaften zu gewährleisten», mahnt Mari Carmen Avila.

Bistum evaluiert die Situation neu

Die Nachricht, dass die Gemeinschaft der Schwestern von «Maria Stella Matutina» sich im ehemaligen Kapuzinerinnenkloster Wonnenstein in Teufen niederlassen wird, hatte jüngst Besorgnis ausgelöst. Dass die Gemeinschaft umstritten ist, hat viel mit ihrer Entstehungsgeschichte zu tun.

Kloster Wonnenstein.
Kloster Wonnenstein.

Die Reaktionen und Warnungen veranlassten das Bistum St. Gallen dazu, die Situation neu zu evaluieren, wie kath.ch am 20. Dezember 2025 berichtete. «Viele Reaktionen haben uns vor eine neue Faktenlage gestellt», teilte die Kommunikationsbeauftragte des Bistums, Isabella Awad, kath.ch mit.

Der definitive Entscheid über die Ansiedlung einer neuen Gemeinschaft liege beim Bischof, sagte Isabella Awad, Kommunikationsverantwortliche des Bistums, gegenüber dem «Appenzeller Volksfreund» (23. Dezember 2025). Bislang habe es sich lediglich um eine Absichtserklärung gehandelt.

Der Trägerverein des Klosters Wonnenstein, in dem das Bistum vertreten ist, gab Ende November bekannt, dass er mit «Maria Stella Matutina» eine Vereinbarung unterzeichnet habe, wonach die Gemeinschaft ab Advent 2026 ins Kloster Wonnenstein einziehe. (korr. 13.01.2026, bal)

Auf dem Weg zum geweihten Leben

 «In der Kirche entstehen manche Gemeinschaften aus einem gemeinsamen Charisma und dem gemeinsamen Wunsch, Christus auf radikalere Weise zu folgen», erklärt Mari Carmen Avila, Präventionsbeauftragte im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg. Bevor sie zu einem Institut des geweihten Lebens werden, könnten diese Gruppen in einem ersten Schritt als öffentliche Vereinigungen von Gläubigen anerkannt werden. Errichtet werde eine öffentliche Vereinigung von Gläubigen von der kirchlichen Autorität, meist dem Diözesanbischof.

Die 2014 in Spanien gegründete Schwesterngemeinschaft «Maria Stella Matutina» hat zurzeit diesen kirchenrechtlichen Status. Wenn sie «im Hinblick auf die Gründung eines Instituts des geweihten Lebens» anerkannt werde, bekomme eine solche Vereinigung eine besondere Aufgabe, so Avila.

Diese Phase biete einen stabilen Rahmen für das Gemeinschaftsleben, die Ausbildung der Mitglieder und die Ausarbeitung einer Lebensregel, während sie der Kirche die notwendige Zeit lässt, um die Echtheit der Berufung zu erkennen.

Die Schwestern von «Maria Stella Matutina» gelten noch nicht als geweihte Personen. Das «geweihte Leben im engeren Sinne» beginne, wenn öffentliche Gelübde abgelegt und von der Kirche innerhalb eines kanonisch errichteten Instituts des geweihten Lebens angenommen werden, erklärt Mari Carmen Avila. Noch fehlt zurzeit die Anerkennung von «Maria Stella Matutina» als Institut des geweihten Lebens. (bal)

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Gemeinschaft der Schwestern von «Maria Stella Matutina». | © zVg
7. Januar 2026 | 17:30
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