Experte: Putin fühlt sich in der Kirche nicht wohl
Die enge Verbindung von Religion und Politik führt in Russland zu einer toxischen Mischung. Da Kritik an Putins Angriffskrieg auf die Ukraine in Russland als Verbrechen gilt, halten sich die meisten russisch-orthodoxen Geistlichen mit kritischen Stimmen zurück.
«Putin nützt alle aus, auch die Kirche, sie soll seine Macht auf ihre Weise legitimieren. Man kann aber nicht sagen, dass er auf die kirchliche Unterstützung angewiesen wäre, er nimmt auch nicht teil am kirchlichen Leben. Früher hat er sich an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern in Kirchen in Szene gesetzt. Aber es war zu sehen, dass er sich da nicht wohl fühlte. Unterdessen verkündet er seine Feiertagswünsche von zu Hause aus, die Kamera zeigt dann, wie er bequem und zufrieden im Sessel sitzt.»
Der Russe Andrei Desnitsky verliess Russland im März 2022 und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der philologischen Fakultät der Universität Vilnius. Im «NZZ»-Interview (9. Dezember) äussert er sich zur Verbindung von Religion und Politik in Russland.
Auf die Frage nach kritischen Stimmen innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche sagt er: «Gleich zu Beginn der Invasion in die Ukraine haben sich ungefähr zweihundert Geistliche in einem offenen Brief dagegen ausgesprochen. Aber seit Kritik als Verbrechen gilt, halten sich auch die Geistlichen zurück. Sie fürchten nicht nur für sich persönlich Konsequenzen, sondern auch für ihre Gemeinden.» (rr)
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