Schweiz

Ex-Gardist Flavio Bundi: «Der Vatikan ist ein perfekter Ort für einen Action-Film»

Hollywood will einen Action-Film im Vatikan realisieren. Im Zentrum steht eine Schweizergardistin. Flavio Bundi (33) ist Chefredaktor von RTR – und ehemaliger Gardist. Der Musiker würde gerne den Soundtrack liefern.

Raphael Rauch

Hat Hollywood schon bei Ihnen angerufen, um Sie als Schauspieler zu engagieren?

Flavio Bundi: Nein, leider noch nicht. Hat wohl seinen Grund.

Flavio Bundi

Auch nicht als Fachberater?

Bundi: Nein. Aber hier sonst meine Mail-Adresse: flavio.bundi@rtr.ch.

Eignet sich der Vatikan für einen Action-Film?

Bundi: Es gibt keinen besseren Ort. Wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen, entsteht immer eine spannende Bühne.

Der Petersplatz in Rom.

Und die Schweizergarde?

Bundi: Die Schweizergarde verkörpert genau dies: Tradition und Moderne. Und ja, die Uniformen helfen auch etwas (lacht).

Wie viel Theatralik, wie viel Show, wie viel Oper steckt im Vatikan?

Bundi: Nun, was die Inszenierung angeht, gibt es wenig Vergleichbares. Überall, wo der Mensch beteiligt ist, steckt etwas Theatralik drin. Wichtig erscheint mir jedoch, dass dadurch das Essentielle nicht verloren geht. Die Rezeption unterscheidet sich dann bekannterweise sowieso von Person zu Person.

Schweizergardisten im Dienst

Wie finden Sie die Idee einer Schweizergardistin als Protagonistin?

Bundi: Vorhersehbar. Nach «Die Päpstin» lag dieser Schritt wohl auf der Hand.

Dienen in Corona-Zeiten: zwei Schweizergardisten mit Mundschutz.

Und in «real life»: Sollten auch Frauen zur Schweizergarde dürfen?

Bundi: Wichtig ist meines Erachtens alleine, ob die richtige Einstellung und Haltung vorhanden sind. Egal ob Frau oder Mann.

Sie waren von 2007 bis 2011 bei der Schweizergarde. Was haben Sie da fürs Leben gelernt?

Bundi: Ich habe gelernt zu dienen. Für mich hat das was mit Hingabe zu tun, eine Frage der Haltung. Und natürlich eine gute Portion Gelassenheit.

Dominik Eggenberger (links) schwört auf Rätoromanisch: Vereidigung am 5. Oktober 2020.

War Ihre Vereidigung auf Rätoromanisch – so wie neulich bei Dominik Eggenberger?

Bundi: Giebein.

Was heisst das?

Bundi: Jawohl (lacht).

Papst Franziskus (links) und sein emeritierter Vorgänger Benedikt XVI. im Jahr 2018.

Sie haben unter Papst Benedikt gedient. Wie finden Sie Papst Franziskus?

Bundi: Ich kenne ihn nicht persönlich. Er scheint allerdings ein Mann der Taten zu sein.

Im Herzen sind Sie Komponist und Dirigent. Würden Sie für Hollywood gerne den Soundtrack übernehmen?

Bundi: Sofort. Es war und ist nach wie vor mein Traum, Filmmusik zu komponieren. Das eine oder andere rätoromanische Heimwehlied gepaart mit Orchesterklängen würde Hollywood ganz guttun.

Schweizergardist während eines Gottesdienstes.

An welches rätoromanische Heimwehlied denken Sie? Worauf könnte der Soundtrack aufbauen?

Bundi: Da gibt es unzählige. Allas steilas, cur chi vain la not, aber auch viele neuere Lieder. Das Cello mit seinem melancholischen Ton würde beim Soundtrack wohl die zentrale Rolle einnehmen.

Hat RTR Möglichkeiten, mit Hollywood zu kooperieren? Oder wäre das eine Nummer zu gross, da einzusteigen?

Bundi: Finanziell nicht ganz. Gute Geschichten gibt es jedoch überall. Ich bin überzeugt, dass beide Welten von einer Kooperation profitieren würden. Wir bezüglich Auftritt nach aussen, sie bezüglich Schlichtheit.

Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen.

Während Ihrer Zeit in Rom waren Sie als Medienverantwortlicher und als Personalchef tätig. Welche Spots würden Sie Hollywood empfehlen?

Bundi: In Rom wird jede Gasse, jede Hauswand zum idealen Drehort. Sogar den fürchterlich stinkenden Tiber kann man eigentlich nur lieben.

Konfliktthema in dem Film sollen die Vatikan-Finanzen werden. Haben Sie damals von den undurchsichtigen Machenschaften mitbekommen?

Bundi: Nein, als 20-jähriger haben mich damals andere Themen doch mehr interessiert.

Chur auf einer Karte in den vatikanischen Museen.

Werden Schweizergardisten am Freitag Spalier stehen, wenn Joseph Bonnemain zum Bischof geweiht wird?

Bundi: Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Fände ich allerdings ein schönes Zeichen.

Wie schafft es ein Bischof, Misstöne in einen Wohlklang zu verwandeln?

Bundi: Ein gutes Ohr, eine gute Hand sowie ein wohlwollendes Auge. 

Was ist Ihnen noch wichtig zu sagen?

Bundi: Dissonanzen helfen oft, voranzukommen. Und nebenbei: auch Misstöne können Wohlklang sein.

* Flavio Bundi (33) stammt aus Ilanz und ist seit 2017 Chefredaktor des rätoromanischen Medienhauses RTR. Vier Jahre lang diente er Papst Benedikt in der Schweizergarde.

 


Flavio Bundi | © RTR
18. März 2021 | 10:34
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