ETH Zürich entwirft Zukunftsbilder für das Kloster der Ilanzer Dominikanerinnen
Das Departement Architektur der renommierten ETH Zürich bietet aktuell die Lehrveranstaltung «Entwerfen am Baudenkmal» an. Hierfür recherchierten Ende Februar 28 Studierende auf Quinclas. Die Ergebnisse werden Ende Mai präsentiert und sollen anschliessend auch im Kloster Ilanz zu sehen sein. Das Kloster Ilanz soll ja verkauft werden.
(woz) Es waren zwei ungewöhnliche Tage Ende Februar für die Ordensschwestern des Klosters Ilanz. In der gesamten Klosteranlage waren junge Leute zu sehen, auch innerhalb der «abgeschlossenen» Klausur, die üblicherweise den Dominikanerinnen vorbehalten ist, wie das Kloster Ilanz schreibt.
Konkrete Ideen für Um- und Neunutzung
28 Studierende der renommierten ETH Zürich waren gemeinsam mit ihren Lehrenden nach Ilanz gereist, um sich im grössten Bündner Frauenkloster intensiv umzuschauen. Ihr Ziel: Sie werden im Rahmen des Designstudios «Entwerfen am Baudenkmal», einer wichtigen Lehrveranstaltung im Semester, konkrete Ideen für die mögliche Um- und Neunutzung des Klosterareals auf Quinclas erarbeiten.
«Wir sind Besuch in der Klausur nicht so gewöhnt.»
Man sah sie fotografieren und messen, Baupläne studieren und Marmorstrukturen «frottieren» – also mit Kohle auf Papier übertragen –, diskutieren und fachsimpeln. «Vielleicht war es ganz gut, dass die Schwestern wegen einer Grippe eher im Hintergrund waren», schmunzelt Generalpriorin Schwester Annemarie Müller. «Wir sind Besuch in der Klausur nicht so gewöhnt.» Sogar zwei nicht bewohnte Schwesternzimmer standen offen, damit sich die Studierenden auch einen Eindruck von den privaten Räumlichkeiten der Bewohnerinnen machen konnten.
Das Kloster Ilanz soll ja verkauft werden. Grund: Mit steigendem Durchschnittsalter und sinkender Zahl an Ordensschwestern steht die Klosterleitung vor grossen Herausforderungen.
Fingerspitzengefühl nötig
Warum sich die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich für das Kloster Ilanz interessiert, erläutert ETH-Professorin Silke Langenberg. Sie leitet den Lehrstuhl für Konstruktionserbe und Denkmalpflege, der denkmalpflegerische und technologische Aspekte vereint.
«Mich faszinieren ‹schwierige Objekte›, also Gebäude, bei denen nicht schon auf den ersten Blick klar ist, wie man sie in die Zukunft führen kann.» Die Abtei Einsiedeln etwa stehe als ein hochwertiges Monument des Barock in starkem Kontrast zu den eher nüchternen Anforderungen der Gegenwart – gar nicht so einfach, eine architektonische Brücke über die Jahrhunderte zu schlagen.
«Ich sehe eine Herausforderung darin, dass der westliche Teil des Gebäude-Ensembles aus Schwesterntrakt, Kirche und Gästehaus – also der erste Bauabschnitt bis 1970 – eine wunderbare Einheit bildet.»
Im Fall des mit 56 Jahren sehr jungen Architekturdenkmals des Klosters Ilanz sagt Silke Langenberg: «Ich sehe eine Herausforderung darin, dass der westliche Teil des Gebäude-Ensembles aus Schwesterntrakt, Kirche und Gästehaus – also der erste Bauabschnitt bis 1970 – eine wunderbare Einheit bildet. Es benötigt Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl, hier architektonisch einzugreifen.» Spontan könnte sie sich ein Schullandheim vorstellen oder eine Art Zufluchtsort. Wie die Klosterschwestern ist auch sie gespannt, was sich die Studierenden ausdenken.
Ideen und Entwürfe
Auch Kloster-Geschäftsführerin Caroline Schweisgut freut sich über die Besuchenden aus Zürich. Für die Geschäftsführerin des Klosters Ilanz ist der Kontakt zur ETH sehr wertvoll. «Er öffnet uns neue Türen, wir werden wahrgenommen, mögliche Interessenten hören von uns. Es entstehen Ideen und Entwürfe, die sich gegenseitig inspirieren können. Das wird uns sicher dabei helfen, passende Investoren zu finden, die das Kloster Ilanz weiterentwickeln möchten – und auch können.»
«Entscheid nimmt uns Schwestern auch grosse Lasten von den Schultern.»
Der Entscheid, für das Kloster oberhalb der ersten Stadt am Rhein einen Käufer zu suchen, bedeute zwar, «dass wir Vertrautes loslassen müssen», fügt Schwester Annemarie Müller an. Aber: «Er nimmt uns Schwestern auch grosse Lasten von den Schultern. Es ist doch besser, wenn sich Fachleute um die Nutzung von Gebäuden und die Belebung leerstehender Räume kümmern. Und wir können uns wieder stärker auf unser ‹Kerngeschäft› Gebet, Verkündigung und Spiritualität konzentrieren und in Ruhe gemeinsam alt werden.»
«Herausfinden, was das Gebäude werden will»
Das Kloster als gemeinsamer Lebensraum, als Heimat und Daheim: Dieser Aspekt ist für die Studentinnen Mara und Leïa besonders wichtig geworden. Als einzige in der Gruppe erstellen die beiden ihre Masterarbeit über das Kloster Ilanz. Daher waren sie bereits Anfang des Jahres für einige Tage im Kloster unterwegs und sind begeistert «von der wunderbaren, hellen und wohnlichen Atmosphäre».
Trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – sei es wichtig, dem Gebäude nichts aufzuzwängen, was nicht zu ihm passt, betont Leïa: «Das Gebäude weiss, was es werden möchte. Die künftige Nutzung entsteht gewissermassen aus dem Bauwerk selbst heraus.»
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




