Verkauf des Klosters Ilanz steht zur Diskussion
Das Dominikanerinnen-Kloster in der Surselva geht neue Wege. Der Stiftungsrat der «Stiftung der llanzer Dominikanerinnen» hat über die Zukunft des Klosters Ilanz beraten und verschiedene Szenarien geprüft. Dabei wurde auch die Möglichkeit eines Verkaufs der Liegenschaft vertieft diskutiert.
Wolfgang Holz
Das Kloster Ilanz, das grösste der drei Frauenklöster im Kanton Graubünden, gilt als ein «Ort der Ruhe, Erholung und Einkehr», rund 70 Höhenmeter über der ersten Stadt am Rhein. Das mittelalterliche Städtchen mit seinen gut 3000 Einwohnern bilde das Zentrum der Region Surselva in Graubünden und sei ein «perfekter Ausgangspunkt zu Bergdestinationen wie Flims/Laax, Vals, Brigels und Obersaxen», so heisst es beschaulich auf der Homepage des Kloster Ilanz.
«Wir sind eine betende und engagierte Gemeinschaft von heute rund 60 Ordensschwestern.»
Seit der Gründung 1865 ist das Kloster Ilanz laut eigenem Bekunden eine wichtige Grösse in der Region. «Wir sind eine betende und engagierte Gemeinschaft von heute rund 60 Ordensschwestern», sagt Sr. Annemarie Müller, Generalpriorin und Stiftungspräsidentin.
Bildung, Krankenpflege, spirituelle Begleitung
«Als Schwestern im Dominikanerorden ist uns das Weitertragen der befreienden Botschaft Jesu Christi ein zentrales Anliegen. Je nach Alter, Fähigkeit und Ausbildung arbeiten wir in verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Gemeinschaft, in der Gästebetreuung sowie in der Verkündigung und Seelsorge.»
Die Glaubensgemeinschaft der Dominikanerinnen kümmerte sich seit Anbeginn vor allem um Bildung, Krankenpflege sowie um die spirituelle Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner in der Surselva. Gegenwärtig sind die Dominikanerinnen Gastgeberinnen für eine Vielzahl von Veranstaltungen aus Kursen, Konzerten und Seminaren.
«Unser Herzenswunsch ist, dass Sie bei uns zur Ruhe kommen können. Nehmen Sie Platz in unserer sehenswerten Klosterkirche mit ihren bildhaft ‹sprechenden» Fenstern›, wirbt die Generalpriorin für ihr Kloster. «Atmen Sie tief durch mit Blick auf die erhabenen Berge ringsum. Und lassen Sie sich von unseren Wechselausstellungen inspirieren, die Sie durch den gesamten öffentlichen Bereich des Klosters führen. Vielleicht bei einer Tasse Kaffee mit selbstgemachter Fruchtwähe in unserem Café Quinclas?»
Gästehaus mit 54 Zimmern
Im Gästehaus des Klosters mit insgesamt 54 Zimmern kann man sich im Einbett- bis im Vierbettzimmer in einer Preisklasse von 75 Franken bis 180 Franken pro Tag einquartieren. Die Belegung der Zimmer ist nach Recherchen von kath.ch durchaus gut.
«Unsere Zimmer sind schlicht, ruhig und zweckmässig eingerichtet – ganz im Sinne der klösterlichen Tradition, sagt Steffen Schenk, Leiter der Hotellerie des Kloster Ilanz. Die Zimmer seien eine ideale Basis für persönliche Auszeiten, stille Tage, als Rückzugs- und Erholungsorte, für spirituelle Einkehr oder konzentriertes Arbeiten fern vom Lärm des Alltags. «Zudem kann man bei uns regional und saisonal frisch speisen», so Schenk.
Verkauf die wichtigste Option
Was sehr idyllisch, einladend und gut funktionierend wirkt, dem ist offenbar nicht ganz so. Denn das Kloster Ilanz soll nach dem Willen des Stiftungsrats verkauft werden. «Diese Option soll nun weiterverfolgt werden», heisst es in einer Medienmitteilung des Klosters.
Ein möglicher Verkauf werfe eine Reihe weiterer Fragen auf – etwa zur künftigen Wohnsituation der Schwesterngemeinschaft, zur allfälligen Umnutzung der Gebäude oder zur Mitwirkung der Schwestern bei einer anderen Belebung des Hauses, wie es im Communiqué weiter heisst. «Unabhängig von diesen Überlegungen ist zudem die künftige Nutzung der Klosterkirche zu klären. Deren Bedeutung für die Ordensgemeinschaft sowie für Seelsorge, Kultur und Denkmalpflege soll dabei gewahrt bleiben.
Stiftungsrat will weiter informieren
«Sobald sich in diesen Fragen konkrete Schritte und Lösungen abzeichnen, wird der Stiftungsrat erneut informieren», teilt Sr. Annemarie Müller, Generalpriorin und Stiftungspräsidentin mit. Doch warum soll oder muss das Kloster Ilanz überhaupt verkauft werden? Gibt es keine andere Lösung?
Auf diese drängende Frage war vorerst keine Antwort zu erhalten. Wie Caroline Schweisgut, Geschäftsführerin der Stiftung der Ilanzer Dominikanerinnen, gegenüber kath.ch mitteilt, sei zum jetzigen Zeitpunkt keine weitere Auskunft möglich. Kath.ch hatte sich mit weiteren konkreten Fragen an die Stiftung gewandt. Nächste Woche sollen die Medien im Rahmen eines Mediengesprächs umfassender informiert werden.
Leitlinien der Schweizer Bischofskonferenz
Die Schweizer Bischofskonferenz hat 2006 ein Schreiben mit Leitlinien für die erweiterte Nutzung von römisch-katholischen Kirchen, Kapellen und kirchlichen Zentren als Pastoralschreiben herausgegeben. Darin ist unter anderem festgehalten, dass weitere kirchliche Nutzungen bei der Umnutzung von kirchlichen Zentren und Gebäuden zu favorisieren sei. Ebenso seien kulturelle Nutzungen und Wohneinheiten denkbar. Kommerzielle Nutzungen seien nach Möglichkeit auszuschliessen.
Eine Weitervermietung sei im übrigen einem Verkauf vorzuziehen, so die Bischofskonferenz. Und wörtlich heisst es dort auch: «Ein Verkauf ist grundsätzlich dann unmöglich, wenn spätere Änderungen in der Verwendung der Gebäude, die mit der Kirche oder ihren ethischen Prinzipien unvereinbar sind, nicht ausgeschlossen werden können oder gar befürchtet werden müssen, etwa in einer Weitervermietung durch den Käufer.»
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