Papst küsst Kind | © Oliver Sittel
Schweiz
Papst küsst Kind | © Oliver Sittel

Ehe und Familie: Schweizer Bischöfe organisieren «Synodengespräche» über heisse Eisen

Freiburg i.Ü./St. Gallen, 21.1.15 (kath.ch) Letzten Herbst diskutierten in Rom 190 Bischöfe der Weltkirche offen und kontrovers über Ehe und Familie. Im kommenden Herbst treffen sie sich erneut mit dem Papst zu einer Synode, um die künftigen Leitlinien der Ehe- und Familienpastoral festzulegen. Auf dieses Ereignis hin laden die Schweizer Bischöfe jetzt im ganzen Land die Gläubigen zu «Synodengesprächen» ein. Diese sollen in einer «Atmosphäre der Offenheit» stattfinden, sagte Arnd Bünker, Sekretär der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), gegenüber kath.ch. Zur Sprache kommen sollen auch die heissen Eisen.

Barbara Ludwig

Für die erste Familiensynode hatte die katholische Kirche Schweiz im November 2013 eine Online-Umfrage gestartet, an der mehr als 25.000 Menschen teilgenommen hatten. Diese offenbarte eine grosse Kluft zwischen der Lebenspraxis von Katholiken und kirchlicher Morallehre. Nun rufen die Schweizer Bischöfe alle Gläubigen, Seelsorgenden und Engagierten zur weiteren Teilnahme am Synodenprozess auf, wie aus einem Brief hervorgeht, den die SBK am Mittwoch, 21. Januar, veröffentlicht hat.

Synodenprozess geht als Dialog weiter

Eine weitere niederschwellige Online-Umfrage sei diesmal nicht sinnvoll, erklärte Bünker. Die Grundhaltungen zu den Themen hätten sich in der Zwischenzeit kaum verändert. Nun gehe es darum, nach konkreten Lösungswegen zu suchen. Es dürften sich aber alle Menschen beteiligen, die an den Bereichen Partnerschaft, Ehe und Glauben interessiert sind und diese Fragen in der Kirche diskutieren möchten. Auch diejenigen, «die in ihrer Lebens- und Familiensituation dem kirchlichen Ideal nicht ganz entsprechen». Ziel sei, die interessierten Gläubigen auf den synodalen Weg mitzunehmen, «in die Erfahrung des gemeinsamen Suchens und Nachdenkens».

Mit Hilfe der Online-Umfrage hat die katholische Kirche die individuellen Meinungen von Einzelpersonen eingeholt. Die zweite Runde des Synodenprozesses soll nun in der Schweiz in der Dialogform stattfinden. Die Bischöfe schlagen Vereinen, Seelsorgeeinheiten, Dekanaten und Freiwilligengruppen, aber auch Ordensgemeinschaften vor, Synodengespräche zu organisieren. Diese Akteure sind laut Bünker aber auch aufgefordert, bestehende Gremiensitzungen zu verwenden, um einzelne Themen der Synode zu diskutieren.

Kein Wettbewerb: Wer ist der Frömmste

Damit auch Menschen sich angesprochen fühlen, deren Lebenswirklichkeit nicht dem katholischen Ideal entspricht, müsse eine «offene Grundhaltung» durchscheinen, erklärte Bünker. «Mit dem Gesprächsklima sollen die Leitenden der Synodengespräche signalisieren: «Hier gibt es keinen Wettbewerb darüber, wer am frömmsten ist.» Die Organisatoren von Synodengespräche werden aufgefordert, sich am Stil von Papst Franziskus zu orientieren. Dieser hatte die Bischöfe bei der Eröffnung der Synode im Oktober ermuntert, «ohne menschliche Rücksichten, ohne Furcht» zu sprechen und einander «in Demut» zuzuhören.

Neue Sichtweise auf Ehe und Partnerschaft

Die Bischöfe schlagen zehn Themenschwerpunkte vor, darunter auch die sogenannten heissen Eisen: wiederverheiratete Geschiedene und Homosexualität. Für die Bischöfe seien alle Themen wichtig, versicherte Bünker. Ein Schlüsselthema ist: «Wie schaut die Kirche auf die Lebenswirklichkeit von Ehe und Familie?» Es brauche eine neue Sichtweise auf das Gesamtthema Ehe und Partnerschaft, findet Bünker. «Das ganze Feld muss neu betrachtet werden. Wir kriegen keine vernünftigen Ergebnisse, wenn wir uns ausschliesslich auf Einzelfragen konzentrieren.»

Für den Dialogprozess stehen nur zwei Monate zur Verfügung, weil die Antworten aus der Schweiz bereits am 15. April in Rom erwartet werden. Bünker räumt ein, dass das «extrem wenig» Zeit ist. Man habe noch nie die Erfahrung gemacht, dass ein synodaler Prozess mit einer derart grossen Beteiligung stattfand. «Wir müssen uns an das Tempo gewöhnen.» Es sei eine Herausforderung, möglichst viele Menschen einzubinden und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Prozess nicht ewig dauert. Mit der Ausarbeitung des Synodenberichts zuhanden der SBK ist die Geschäftsstelle der Pastoralkommission beauftragt, die auch Annahmestelle für die Ergebnisse aus den Synodengesprächen ist.

Bereits klar ist: Im Bistum St.Gallen plant Bischof Markus Büchel drei solcher Synodengespräche mit den Gläubigen. (bal)

Hinweis: Materialien für die Synodengespräche können ab 28. Januar hier heruntergeladen werden.

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