Vordere Front der Klosterkirche Mariastein.
Schweiz

Die Abtsweihe im Kloster Mariastein: Ein seltenes Ereignis im Kanton Solothurn

Beim Benediktionsgottesdienst des neuen Abts im Kloster Mariastein zeugte die Anwesenheit der Solothurner Regierungschefin Sandra Kolly von der Bedeutung dieses «geistigen Zentrums der Region». Bischof Felix Gmür sagte Abt Ludwig in der Predigt zu, dass er als Zeuge für seine Mitbrüder Vater, Lehrer und Meister sein könne.

Boris Burkhardt

Sie sei als Regierungsrätin schon oft eingeladen worden und habe schon viele Reden gehalten, sagte Solothurns Landamman Sandra Kolly am vergangenen Samstag am Ambo der Klosterkirche in Mariastein: «Aber eine Abtsweihe ist doch etwas sehr Seltenes.» Kolly ist Regierungsrätin seit 2021 und Frau Landamman seit diesem Jahr. Peter von Sury (75) hingegen war während fast 17 Jahren Abt des Benediktinerkonvents in Mariastein. Am Samstag fand nun eine der seltenen Abtsweihen statt, die seines Nachfolgers Ludwig Ziegerer (69).

Wechselvolle Geschichte

Kolly verwies auf die «wechselvolle, glückliche und tragische» Geschichte zwischen dem Kloster und dem Kanton. Sie war sich aber sicher: «In den vergangenen Jahrzehnten fanden wir zu einem vertrauensvollen Verhältnis mit vielen gegenseitigen Besuchen und Begegnungen auf dem Weg».

Die Abtsweihe in Mariastein: Bischof Felix Gmür mit Abt Ludwig Ziegerer
Die Abtsweihe in Mariastein: Bischof Felix Gmür mit Abt Ludwig Ziegerer

Das Kloster Mariastein in der solothurnischen Exklave des Bezirks Dorneck nur wenige Kilometer südwestlich von Basel liege geographisch «nicht im Zentrum des Kantons», untertrieb Kolly: «Aber es ist ein geistliches Zentrum für die ganze Region». In den heutigen «unruhigen und ungemütlichen Zeiten» sei es wichtig, dass ein solcher «Ort der Ruhe» existiere.

Ein guter Lehrer

Frau Landamman Kolly war der prominenteste politische Gast unter den zahlreichen Besuchern der Abtsweihe im zweistündigen Gottesdienst am frühen Vormittag. Der höchste geistliche Gast war aber der Basler Bischof Felix Gmür, der die Messe gemeinsam mit Ziegerer und von Sury zelebrierte, die Segnung vornahm und die Predigt sprach. Er ging dabei auf den Evangelientext Mt 23,8-12 ein, in dem Jesus seine Jünger ermahnt, sie sollten sich weder Meister noch Lehrer oder Vater nennen lassen.

Einzug in die Klosterkirche
Einzug in die Klosterkirche

«Aber du bist doch Vater für deine Mitmönche; du bist doch Lehrer im Unterricht; du bist doch Meister des Klosters», fragte Gmür den neuen Abt rhetorisch. Nur: Ein Lehrer, der seine Schüler an sich binde, mache etwas falsch; ebenso mache ein Abt, der seine Mönche an sich binde, etwas falsch. «Matthäus hebt der ganzen Kirche den Spiegel vor: Natürlich musst du ein Vater, Lehrer und Meister sein. Aber es geht nicht um dich.» Denn nur Gott sei der Vater, nur Jesus Christus der Meister und Lehrer.

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Abt Ludwig sei für seine Mitbrüder ein Zeuge dieses Glaubens: «Weil du Zeuge bist, kannst du Vater, Lehrer und Meister sein». Am Pilgerort Mariastein habe Abt Ludwig mit vielen Menschen zu tun, die das täten, was ein Grundpfeiler des Benediktinerordens sei: «Gott suchen». Die Menschen kämen insbesondere nach Mariastein, um Maria zu suchen, die sie zu Gott und Jesu Christo führe: «Sie wollen nicht allein sein. Und so bist auch du nicht allein». Gmür bat die Muttergottes um den Segen für den Abt und die Mönche. Ausdrücklich schloss Gmür auch Ziegerers Amtsvorgänger von Sury in seinen Segen und Dank ein.

Abt Ludwig Ziegerer liegt als Zeichen der Demut vor dem Altar auf dem Boden.
Abt Ludwig Ziegerer liegt als Zeichen der Demut vor dem Altar auf dem Boden.

Tag für Tag ein Ansporn

Dass sich Gmür und Ziegerer gut verstehen, zeigte nicht nur der innige Moment der Umarmung, als der Bischof dem Abt Ring, Mitra und Stab überreicht hatte, sondern auch der kurze Moment, als Gmür die Abtsmitra zunächst etwas schief aufgesetzt hatte und sie gleich zurechtrückte. Die beiden nahmen dieses Missgeschick so humorvoll, dass auch die ganze Kirche lachen durfte.

Abt Ludwig Ziegerer (links) und dessen Amtsvorgänger Peter von Sury (rechts) gemeinsam mit Bischof Felix Gmür
Abt Ludwig Ziegerer (links) und dessen Amtsvorgänger Peter von Sury (rechts) gemeinsam mit Bischof Felix Gmür

Abt Ludwig bewies seinen Humor, als er am Ende des Gottesdiensts in seinem Grusswort darauf zurückkam: «Die Regeln des Benediktinerordens beschreiben den Abt als fast unerreichbares Ideal: Das fängt schon damit an, dass er sich die Mitra gerade aufsetzen muss.» Ernsthaft spann Ziegerer den Gedanken fort: «Dieses Ideal ist nicht dazu da, dass es sofort erreicht wird. Es ist Tag für Tag ein Ansporn.»

«Gott stärkt uns auf dem Weg»

Er dankte Gmür für den Segen und seine Begleitung als Hirte sowie der versammelten Gemeinde für die gelungene Verbindung von Gesellschaft und Kirche im Kloster Mariastein, für das der neue Abt nicht nur bauliche Veränderungen auf dem Vorplatz der Kirche plant. Er hat sich auch vorgenommen, neue Mitglieder für das Konvent zu finden, das mittlerweile auf zwölf Mönche in hohem Alter geschrumpft ist. «Wir wissen, dass wir nicht vollkommen sein müssen», schloss Abt Ludwig seine Grußworte: «Denn Gott stärkt uns auf dem Weg».

Abt Ludwig Ziegerer
Abt Ludwig Ziegerer

Der Benediktionsgottedienst wurde begleitet von Christoph Anzböck an der Orgel und Andrew Hammersley an der Trompete; anwesend waren ausserdem die Ex-Gardisten Attila Lardori und Antonio Russo der Solothurner Sektion der Schweizergarde. Nach dem feierlichen Auszug und einer von den vielen Gästen verfolgten Photosession vor dem Hauptportal lud die Kirchgemeine Merzerlen-Mariastein zu einem Apéro, bei dem die eigens angereiste Musikgesellschaft aus Ziegerers Bündner Heimat Maienfeld aufspielte.


Vordere Front der Klosterkirche Mariastein. | © Barbara Ludwig
22. September 2025 | 11:26
Lesezeit : ca. 3  Min.
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