Der Peaceworker Benedikt
Der Heilige Benedikt von Nursia, als Ordensgründer prägend für das Abendland, kann auch heute noch als Vorbild für den Frieden gesehen werden. Abt Emmanuel Rutz OSB hat sich mit dieser Friedensrolle seines Vorbildes auseinandergesetzt.
David Meier
Was lehrt uns Benedikt über den Frieden?
Abt Emmanuel Rutz OSB*: Bekanntlich ist das Wort «Pax» das Motto- und Wappenwort der Benediktiner. «Suche den Frieden und jage ihm nach», mahnt Vers 17 im Prolog unserer Regel. Der Friede ist zwar letztlich und eigentlich Jesus Christus selbst, aber aus der Christus-Sehnsucht erwächst die zwischenbrüderliche Friedens- und Versöhnungsbereitschaft. Das ist das Zentrum der benediktinischen Friedensarbeit.
«Ohne den Frieden in mir, kann ich nicht wirklich zum Frieden für die Welt werden.»
Es gibt ja bekanntlich auch den «Seelenfrieden». Wie kann ein solcher erreicht werden?
Abt Emmanuel: Unser Ordensvater fand diesen Frieden in der klösterlichen Gemeinschaft und er umschreibt ihn nicht als etwas, das einem in die Hände fällt, sondern für den es den geistlichen Kampf zu führen gilt. Schlagwörter dazu sind «dienen», «massvoll», «hören», «Gehorsam» und so weiter.
Wie hängen der Friede in der Welt und der Friede in einem selber zusammen?
Abt Emmanuel: Ohne den Frieden in mir, kann ich nicht wirklich zum Frieden für die Welt werden. Das zeigt uns die alltägliche Erfahrung. Wo ich angespannt in eine Begegnung hineingehe, muss ich nicht überrascht sein, wenn ich sie auch angespannt wahrnehme.
«Benedikt wie Bruder Klaus fanden die Wurzel für die Friedensarbeit in der Sehnsucht nach Christus.»
Sehen Sie Parallelen zwischen dem Heiligen Benedikt und dem Heiligen Bruder Klaus, der ja ebenfalls als grosser Friedensstifter verehrt wird?
Abt Emmanuel: Ja. Da gibt es die ganz grosse Parallele, nämlich die echte Sehnsucht nach Frieden. Beide, Benedikt wie Bruder Klaus, fanden die Wurzel für die Friedensarbeit in der Sehnsucht nach Christus. Erst danach dienten sie den Menschen, bekanntlich auf verschiedene Weise.
Kommen Ihnen weitere Friedens-Vorbilder in den Sinn? Wieso sind Ihnen diese Personen wichtig beziehungsweise was können wir von Ihnen lernen?
Abt Emmanuel: Es könnten an dieser Stelle wohl viele Heilige der Kirche erwähnt werden, darüber hinaus Männer und Frauen, die öffentlich bekannt sind. Sie alle können den einzelnen Menschen zur Friedensarbeit ermuntern.
«Vielleicht entdecken wir Christus, den eigentlichen Friedensstifter neu, tiefer und lebendiger.»
Ich durfte in meinem Leben jedoch vielen «unscheinbaren» Menschen des Friedens begegnen, die nicht mit Namen genannt werden sollen. Doch möchte ich sie einladen, diesbezüglich auf ihre Wegbegleiter zu blicken. Vielleicht entdecken wir durch sie Christus, den eigentlichen Friedensstifter neu, tiefer und lebendiger.
Kann die Lehre des Benedikt eine Inspiration für Frieden in der Welt sein, insbesondere in Bezug auf den Ukrainekrieg?
Abt Emmanuel: Die benediktinische Spiritualität hat Europa über Jahrhunderte geprägt und hat auch heute die Kraft, unseren Kontinent zu prägen. Vielleicht müssen wir Menschen in Europa neu lernen, dass der Frieden immer wieder neu erarbeitet werden muss. Und Benedikt spricht jeden persönlich an: «Wer immer du bist.»
«Die Menschen in Europa müssen lernen, dass der Frieden immer wieder neu erarbeitet werden muss.»
Hat Ihnen Benedikt auch schon geholfen, wenn es darum ging, eine friedliche, zufriedenstellende Lösung zu finden?
Abt Emmanuel: Der Heilige Benedikt spricht in seiner Regel nicht nur von der Sehnsucht nach Frieden, sondern schenkt uns in den sogenannten «Strafkapiteln» auch Werkzeuge für den Frieden, wenn er von Senpekten (weise ältere Mitbrüder) schreibt, vom Gebet, vom Gespräch im kleinen Kreis.
«Der Heilige Benedikt schenkt uns auch Werkzeuge für den Frieden.»
Und dann erst, wenn keine Friedensbemühungen sichtbar werden, will er die Sache im Rahmen der Gemeinschaft besprochen haben. Ja, all diese Werkzeuge wende ich an. Ganz allgemein muss der «Rat der Brüder» als das grosse Werkzeug Benedikts für die Erhaltung beziehungsweise die Schaffung von Frieden genannt werden.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
*Emmanuel Rutz ist Missionsbenediktiner und 3. Abt der Abtei St. Otmarsberg (Uznach, St. Gallen)
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




