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Der lange Weg zum Frauenstimmrecht

«Die Frauenstimmrechtlerinnen standen aber generell dem Freisinn nahe. Ihre Männer zogen jedoch nicht mit. Warum nicht? Weil sie die bürgerliche Allianz mit den Katholisch-Konservativen, der späteren CVP, und der BGB, der späteren SVP, nicht gefährden wollten. CVP wie SVP waren vehemente Gegner des Frauenstimmrechts.»

Widerstände gegen das Frauenstimmrecht in der Schweiz gab es in allen Parteien, sagt die Historikerin Brigitte Studer. Die emeritierte Professorin für Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte an der Universität Bern beleuchtet in einem Interview mit dem «Tages Anzeiger», warum es so lange dauerte, bis die Schweiz das Frauenstimmrecht einführte. Am 7. Februar 1971 stimmte eine Mehrheit der Schweizer Männer für das Frauenstimmrecht. Als Vergleich: Die Britische Regierung erliess 1928 ein Wahlgesetz, das allen Frauen über 21 Jahren zu gleichen Bedingungen wie den Männern das Wahlrecht verlieh. (gs)


Wahl an de Urne | © Gabi Eder/pixelio.de
20. Januar 2021 | 11:11
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Schweiz drittletztes Land in Europa

Die Schweiz ist weltweit die zweitälteste kontinuierliche Demokratie nach den USA. Bei der Einführung des Frauenstimmrechts rangiert sie aber am anderen Ende der Liste: Nur Portugal und Liechtenstein waren in Europa noch später. Und die rote Laterne hängt am Heiligen Stuhl. Die Nachrichtenagentur keystone-sda liefert einen Überblick:

1906 Finnland, damals ein russisches Grossfürstentum, gibt als erstes europäisches Land Frauen das Wahlrecht.

1913 erhalten die Norwegerinnen das allgemeine Wahlrecht, 1915 die Däninnen, 1917 bekommen die Holländerinnen das passive und 1919 das aktive Wahlrecht.

1917 erhalten die Russinnen und die Estinnen das aktive und das passive Wahlrecht.

1918 gibt’s für die Britinnen ein partielles Wahlrecht, Bedingung:

mindestens 30 Jahre alt, Besitz. Ab 1928 allgemeines Wahlrecht.

1918 allgemeines Frauenwahlrecht in Lettland, Polen, Deutschland und Österreich

1919-21 Luxemburg, Tschechoslowakei und Schweden

1931 Spanien, 1934 Türkei, 1944 Frankreich

1945 Ungarn, Slowenien, Bulgarien

1946 Italien, 1948 Belgien, 1952 Griechenland

1960 San Marino, 1962 Monaco

1971 Schweiz

1974 Portugal

1984 Liechtenstein

Vatikanstadt, die letzte absolute Monarchie Europas, ist einer von drei Staaten weltweit ganz ohne Frauenstimmrecht (Saudi-Arabien und Brunei sind die andern). In den letzten Jahren hat es aber wiederholt – erfolglose – Vorstösse gegeben, Ordensschwestern in Synoden das Stimmrecht zu gewähren. (sda)