David Pollak engagiert sich im Jugendrat des Bistums Chur
Schweiz

David Pollak vom Churer Jugendrat: «Es ist wichtig, dass wir Jungen uns tatkräftig einsetzen»

Priesteramtskandidat David Pollak (21) engagiert sich seit kurzem im Jugendrat des Bistums Chur. Er sagt: «Der Jugendrat ist eine Frucht des synodalen Prozesses.» Es gelte, die Einladung zur Partizipation anzunehmen. Dass Bischof Bonnemain die Jugendratsmitglieder beruft, sieht er als Vorteil.

Regula Pfeifer

Weshalb engagieren Sie sich im neu gegründeten Jugendrat?

David Pollak: Ich habe vom Jugendseelsorger des Kantons Graubünden und von Bischof Bonnemain vom Projekt erfahren. Da war für mich ziemlich schnell klar, dass ich mich in irgendeiner Form beteiligen möchte. Ich denke, wir jungen Menschen sind, wie alle anderen Menschen auch, ein wichtiger Teil der Kirche. Da wir aktuell nicht so viele sind, ist es umso wichtiger, dass diejenigen, denen der Glaube an Gott und die Kirche wichtig sind, sich auch tatkräftig dafür einsetzen. Ich zähle mich zu diesen jungen Menschen und möchte diese Chance, die uns geschenkt wird, unbedingt nutzen.

«Bischof Bonnemain setzt sich ausserordentlich stark dafür ein, jungen Menschen eine Stimme in der Kirche zu geben.»

Was bedeutet er Ihnen?

Pollak: Wie bereits angetönt meine ich, dass der Jugendrat ein Geschenk für uns junge Menschen ist. Es ist wirklich schön zu spüren, dass der Bischof selbst sich ausserordentlich stark dafür einsetzt, jungen Menschen eine Stimme in der Kirche zu geben. Auch aus dieser Dankbarkeit heraus ist es mir wichtig, den Jugendrat zu festigen, damit er wachsen kann, in seiner Rolle und der Grösse.

Sie gründeten gemeinsam den Jugendrat: 13 junge Menschen und Bischof Joseph Maria Bonnemain
Sie gründeten gemeinsam den Jugendrat: 13 junge Menschen und Bischof Joseph Maria Bonnemain

Wie wichtig ist es Ihnen, auf diese Art Einfluss auf die Bistumsleitung nehmen zu können?

Pollak: Sehr wichtig. Der Jugendrat ist eine Frucht des synodalen Prozesses. Synodalität funktioniert aber auch nur, wenn diejenigen, die nun zu grösserer Partizipation eingeladen werden, diese Einladung auch annehmen und nutzen. Das kann ich hier tun.

«Es ist unfassbar schön und bestärkend, gemeinsam mit anderen jungen Menschen den Glauben an Jesus Christus zu feiern.»

Wie wichtig ist Ihnen, dass Sie im Jugendrat auch gemeinsam religiöse Feiern erleben?

Pollak: Das gemeinsame Gottesdienst-Feiern und Beten sind das A und O des Jugendrates und der ganzen Kirche. Wir können nicht unterscheiden und gut entscheiden, wenn wir nicht versuchen, auf die Stimme Gottes zu hören. Zudem zeigt uns das gemeinsame Beten in all unseren Unterschieden auch immer wieder auf, was uns gemeinsam ist. Ausserdem – und das durften wir am vorletzten Wochenende in Chur eindrücklich erfahren –, ist es unfassbar schön und bestärkend, gemeinsam mit anderen jungen Menschen den Glauben an Jesus Christus zu feiern. Das war wirklich eine grosse Freude!

Auch gemeinsames Feiern gehört beim Jugendrat dazu.
Auch gemeinsames Feiern gehört beim Jugendrat dazu.

Haben Sie als Jugendrat Bischof Bonnemain bereits beeinflussen können – wenn ja, inwiefern?

Pollak: Ich selbst bin erst seit dem vergangenen Wochenende Teil des Jugendrates. Da ging es vor allem darum, uns selbst genauer bewusst zu werden, wer und was der Jugendrat eigentlich ist. Jedoch war der Bischof das ganze Wochenende mit uns unterwegs. Es war deutlich spürbar, dass er bewegt aus dem Wochenende herausgegangen ist und so denke ich, hat bereits dieses Wochenende Spuren bei ihm hinterlassen haben, die ihn sicherlich beeinflussen werden.

«Die persönliche Begegnung bewegt am meisten.»

Im Jugendrat fehlen junge Vertreterinnen und Vertreter der Missionen. Wie wollen Sie sie zum Mitmachen motivieren?

Pollak: Das ist korrekt und sehr schade. Wir werden genau darüber in nächster Zeit beraten. Ich meine, es ist wichtig, dass wir die Kontakte, die wir als Gruppe mitbringen (und das sind einige), nutzen, um in den Missionen und an anderen Orten persönlich hinzugehen, ins Gespräch zu kommen und so zu zeigen, warum es sich lohnt, Teil des Jugendrates zu sein. Die persönliche Begegnung bewegt meiner Meinung nach immer am meisten.

Bischof Bonnemain entscheidet, wen er in den Jugendrat beruft. Ist das richtig, oder würdet ihr Jungen das lieber selbst entscheiden?

Pollak: Zwar beruft Bischof Bonnemain die Mitglieder, allerdings sucht er sie sich nicht aus. Jede und jeder darf sich melden und Interesse bekunden und der Bischof wird niemanden abweisen. Der Vorteil, wenn er die Mitglieder beruft, ist, dass deutlich spürbar wird, wie wichtig ihm persönlich dieser Jugendrat ist. Deshalb denke ich, ist es für den Moment ein gutes Vorgehen.

«Wir werden keine Themen aussparen.»

Beschäftigt ihr euch auch mit sogenannt «heissen» katholischen Themen: Weihe für Frauen, Missbrauch, Kirchenaustritt?

Pollak: Wir werden uns natürlich mit allem beschäftigen, was uns jungen Menschen auf dem Herzen brennt. Das sind ganz unterschiedliche Themen und da werden wir keine aussparen.

Statuten ausfeilen kann Spass machen: Jugendrat-Leute in Aktion - vorne rechts David Pollak
Statuten ausfeilen kann Spass machen: Jugendrat-Leute in Aktion - vorne rechts David Pollak

Welche Anliegen wollt ihr möglichst bald in die Bistumsleitung einbringen – wo und wann?

Pollak: Zunächst haben wir vor allem darüber gesprochen, wie wir jungen Menschen im Bistum uns besser vernetzen können und wie diese Vernetzung nach aussen spürbar sein wird. Da werden wir in den nächsten Wochen im Vorstand des Jugendrates darüber sprechen und dies dann auch der Bistumsleitung vorlegen. Wann genau kann ich nicht sagen, aber sobald wie möglich.

«Die katholische Kirche bedeutet mir unglaublich viel!»

Was bedeutet Ihnen die katholische Kirche?

Pollak: Die katholische Kirche bedeutet mir unglaublich viel! Der Glaube an Jesus Christus bewegt mich und ist das Wichtigste in meinem Leben. Ich persönlich kann den Glauben ohne Kirche nicht leben. Das Berührt-Sein von Jesus Christus führt mich in die Gemeinschaft, in die Kirche. Die katholische Kirche ist mein geistiges Zuhause. Ich mag sie wirklich sehr, als grosse Familie sozusagen, die ihre Unvollkommenheit und Schwächen nicht verheimlicht. Eine Kirche, die versucht, so gut sie kann, Christus nachzufolgen.

Was für eine Kirche der Zukunft wünschen Sie sich?

Pollak: Eine Kirche, die in allem Jesus begeistert nachfolgt. Tun wir dies, dann gehen wir hinaus zu den Menschen, besonders den Ausgegrenzten und Leidenden und werden dorthin die grenzenlose Freude und Liebe des Evangeliums hintragen. Dann trägt die Kirche auch zu einer besseren, gerechteren Welt bei.

Wann trifft sich der Vorstand des Jugendrats zu seiner Konstituierung? Wann zu weiteren Sitzungen?

Pollak: Diese Woche trifft sich der Vorstand erstmals und dabei werden wir weitere Daten bestimmen.

*David Pollak (21), ist als Priesteramtskandidat in Ausbildung am Priesterseminar Chur, er stammt aus Rapperswil-Jona SG. Das Interview wurde schriftlich geführt.

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David Pollak engagiert sich im Jugendrat des Bistums Chur | © zVg
2. Dezember 2024 | 12:00
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