Basilika Sacro Cuore in Lugano
Schweiz

Daniel Pittet spricht an Gebetswache für Opfer von Missbrauch in Lugano

An der Gebetswache in der Basilika Sacro Cuore in Lugano hat der Westschweizer Diakon Daniel Pittet über seinen Lebensweg als Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche berichtet. Der Schmerz begleite ihn bis heute.

(Catt.ch) An der Gebetswache für Opfer von Missbrauch in der Kirche in Lugano ist der Westschweizer Daniel Pittet aufgetreten. Der Mann ist im Alter von 9 bis 12 Jahren mehrfach von einem Geistlichen missbraucht worden. Der dadurch verursachte Schmerz begleite ihn bis heute, mit ständigen Höhen und Tiefen, erzählte Daniel Pittet.

Die Gebetswache zum Thema «Respekt» fand am Dienstagabend in der Basilika Sacro Cuore in Lugano mit Bischof Alain de Raemy statt. Rund 100 Personen nahmen daran teil.

Ein «Hurrikan» mit Folgen

Der Missbrauch habe ihn damals wie ein «Hurrikan» getroffen, so Pittet. Und die Verletzung und der Schmerz hätten ihn seither durchs Leben begleitet: im Studium, bei den täglichen Entscheidungen, in seiner Berufung, in den Jahren seiner Ehe, beim Aufwachsen seiner Kinder, bis heute. «Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark», sagte er an der Gebetswache und zitierte dabei den Heiligen Paulus (2 Kor 12,10).

Daniel Pittet (Mitte) als geweihter Diakon, 2023
Daniel Pittet (Mitte) als geweihter Diakon, 2023

Pittet ist verheiratet, Vater von sechs Kindern und kümmert sich als Seelsorger in Freiburg um schutzbedürftige Menschen. Der Diakon engagiert sich auch für Missbrauchsprävention. Seine Verletztheit hat er sich auf den Arm tätowieren lassen. Und er hat seine Erfahrung in Büchern beschrieben.

Vergebung als Befreiung

Seinem Peiniger habe er vergeben, sagt Daniel Pittet. Denn: «Vergebung befreit, Vergebung lässt wieder aufleben, Vergebung schenkt Leben und Frieden.» Wer missbraucht worden sei, hat zwei Optionen: Vergebung oder Hass. Dabei stellt Pittet klar: «Vergeben heisst aber nicht vergessen, sondern sich von der Wut befreien, sich für den inneren Frieden entscheiden.»

Vor dem Zeugnis des Missbrauchsbetroffenen hatten die Anwesenden Bibellesungen aus dem Buch Daniel und dem Evangelium gehört, die Bischof Alain de Raemy in kurzen Kommentaren in die heutige Zeit übersetzte.

Idee aus Italien

Organisiert wurde die Gebetswache von der Pfarrei Sacro Cuore, der Diözese Lugano und der Tessiner «Zuhör-Gruppe für Opfer von Missbrauch im kirchlichen Kontext» (Gava), wie aus einer Medienmitteilung der Diözese hervorgeht.

Die italienische Bischofskonferenz hat demnach 2021 einen Gebetstag für Opfer und Überlebende von Missbrauch eingeführt, der jeweils am 18. November begangen wird. Der 18. November ist auch der Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch. (Übersetzung und Adaption: rp)

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Basilika Sacro Cuore in Lugano | © Wikimedia Commons/By Amin – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69418689
20. November 2025 | 15:00
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